Ein Sonntag zum vergessen

Es ist etwa 02.30 Uhr als ich aufwache, weil mir total schlecht ist. Wenige Augenblicke später sitze ich auf der Toilette, was keine große Verbesserung bringt. Ich wandere durch die Wohnung, lande erneut auf der Toilette, was kurzzeitig eine Verbesserung bringt. Ich wandere wieder durch die Wohnung, habe Aufstoßen, starkes Sodbrennen und üble Magenschmerzen. Als bekennendes Weichei macht mich das echt fertig. Ich hatte schon viele dieser Nächte und früher wollte ich in jeder solcher Nächte einfach nur sterben. Jetzt will ich in erster Linie, dass es aufhört und darüber hinaus wüsste ich gerne, was das soll. Lange Ertrage ich so etwas nicht. Und weil der Schmerz keine Anstalten macht sich zu verpissen, denke ich an meinen Vater, der mit seinem Bauchspeicheldrüsenkrebs elendig zu Grunde ging. Schmerzen dieser Art und sicher noch viel schlimmere, gehörten zu seinen täglichen Qualen. Ich denke daran, wie die Schmerzen selbst ihn, der bis dahin alles wegstecken konnte, zermürbt und zerfressen haben. Wie oft wollte er wohl sterben, um nicht weiter leiden zu müssen? Wie kann jemand solche Schmerzen über einen so langen Zeitraum ertragen, ohne durchzudrehen? Und dann frage ich mich, was ich tun würde, hätte ich derartige Schmerzen zu einer solchen Krankheit, wie er sie gehabt hat. Ich glaube, ich würde sterben wollen, wäre aber einfach zu feige mich zu erlösen, bevor der Tod mich erlöst. Oder hätte ich Hoffnung, dass es nochmal besser wird? Schweres Thema. Todeswunsch oder Überlebenswille. Wer würde siegen und wie könnte ich dem gerecht werden? Was mir so alles im Kopf umher schwirrt in so einer Nacht der Schmerzen.

Auch wenn solche Nächte derzeit viel seltener als früher vorkommen, machen sie mich fertig und ich muss aufpassen, gedanklich nicht total abzustürzen. So wie früher als mich die Schmerzen meist mehrere Tage begleiteten und es mir nicht möglich war zu unterscheiden, ob es wirklich eine Magenverstimmung war oder mein Dachschaden längst die Ursache der Beschwerden war. Was das angeht, vermisse ich die Vergangenheit so gar nicht. Früher war wohl doch nicht alles besser, ich sah nur besser aus. Obwohl, das stimmt jetzt auch wieder nicht. Aber immerhin hatte ich keine weißen Haare. Und Leber-Galle Tee schmeckt nachts genauso scheußlich wie am Tage. Aber ich will daran glauben, dass er mir hilft. Ich würde jetzt viel lieber schlafen anstatt mich mit solchen Beschwerden, solchen Gedanken und so einem Tee durch die Nacht zu bringen. Draußen vor dem Café Bistro schreien sich ein paar Türken an. Denen scheint es gut zu gehen. Irgendwie beneidenswert.
Zeit zu frieren, was ich die folgenden zwei Stunden mache, bis ich endlich die Heizdecke zur Hilfe nehme. Kaum wird mir warm, verliere ich endlich das Bewusstsein. Zwei Stunden später klingelt der Wecker und mir ist so warm, dass ich die Balkontür öffnen muss. Das Training fällt heute aus und ich bleibe bis 11.00 Uhr im Bett.

Immerhin schaffe ich am Nachmittag einen Spaziergang. Erkenntnisse zur Ursache der Beschwerden erhalte ich dabei nicht. Anschließend gibt es Nudeln, obwohl ich nicht wirklich Hunger habe. Dazu Tee, obwohl ich keinen Durst habe. Danach geht es mir besser. War es das jetzt, kann ich mein mimosenhaftes Jammern abstellen und durchatmen?

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