Cochem – Tag 4

Zum ersten Mal habe ich den Frühstücksraum für mich alleine. Eine sehr angenehme Sache. Zwei Pärchen frühstücken in dem anderen Raum, was mich aber noch nie gestört hat. Draußen sind nur drei Grad und ich frage mich abermals, warum ich keinen wirklich warmen Pullover und auch nicht meine einzig warme Jacke dabei habe. Dann fällt es mir wieder ein. Es ist Mai. Im Mai, so dachte ich, ist die Kälte längst vorbei. Ich sollte echt mit dem denken aufhören.

Bereits um 10.30 Uhr betrete ich das nächste Schiff mit dem Namen Wappen von Cochem, um mich nach Beilstein transportieren zu lassen. Erneut habe ich viel Platz um mich herum, was mir gut gefällt. Beilstein gefällt mir auch. Ein sehr schöner Ort. Passend dazu scheint die Sonne, was durchaus angenehm ist. Ich wandere scheinbar ziellos umher als ich einen Anruf bekomme. An der Nummer erkenne ich, dass es wegen der Arbeit ist. Morgen um 13.00 Uhr ist Vorbesprechung der Maßnahme, ob ich teilnehmen kann. Normal bin ich ja für jeden Spaß zu haben, aber dieses Mal muss ich passen, denn ich bin verreist. Mit ganz viel Stress und Glück könnte ich es zwar bis 13.00 Uhr schaffen, aber für Stress bin ich einfach zu alt. Daher findet die Veranstaltung ohne mich statt. Nach dem Gespräch, welches leider nicht zum Erfolg führte, besuche die Ruine der Burg Metternich und begebe mich auf den Turm, um die wunderbare Aussicht zu genießen. Ich bleibe so lange da oben, bis andere Leute raufkommen. Kaum sind sie da, muss ich weg. Alles andere würde mir einfach keinen Spaß machen. Beim Abstieg, ich bin schon vor der Burg, verliere ich kurz die Kontrolle, rutsche die Treppen hinab und falle fast hin. Nur mit Mühe kann ich mich an einem Geländer festhalten. Damit habe ich die Aufmerksamkeit einiger Menschen in der Nähe. Sie schauen mich überrascht und beinahe entsetzt an. Manche tuscheln. Ich sage nur “Ups” und setze nach dem peinlichen Auftritt den Abstieg fort.
Leider habe ich während meiner Wanderung, und fasziniert von der Gegend, vergessen etwas zu essen und zu trinken und weil es sich zuzieht, möchte ich auch keine weiteren neunzig Minuten bleiben. So fahre ich mit dem Schiff “Stadt Bonn“ um 14.30 Uhr zurück, esse, wenn ich mich richtig erinnere, mein erstes Eis des Jahres und empfinde die Fahrt dennoch als unangenehm, da es ständig nach Diesel stinkt, wovon ich rasch Kopfschmerzen bekomme. Wenn man ein Schiff Stadt Bonn nennt, kann da vermutlich auch nichts Gutes bei rauskommen. Leider ist es auch so voll, dass ich mich nicht einfach umsetzen kann. Der Gestank kann auf keinen Fall gesund sein. Weil aber diese ganzen Schiffstouren eh nicht umweltdienlich sind, darf ich mich aber auch nicht beschweren, da ich mit meinem Verhalten die Umweltverschmutzung quasi fördere. Somit kann ich den Mist auch einatmen und später zurecht qualvoll sterben.

Nachdem ich mich im Mayers Bistro im Cochemer Jung mit einem Toast Hawaii gestärkt habe, will ich direkt zur Reichsburg, um an einer Burgführung teilzunehmen. Wenige Minuten später fahre ich mit der Sesselbahn nach oben und es sieht ganz danach aus als würde ich auf die Burgführung verzichten. Die Aussicht von oben ist toll, lediglich die Gruppe Vorpubertierender, die direkt vor mir angekommen ist, nervt ein wenig und steht mir im Weg rum. Wenig später erwische ich mich dabei, wie ich im Sesselbahn Terrassen Café sitze und ein stilles Wasser trinke. Draußen in 155m Höhe. Ich bin wahrlich ein komischer Kauz.

Subway. Immer wieder verwirrend für mich, dennoch bin ich erneut zu Gast. Vor mir drei Männer, die wissen, wie es läuft. Fasziniert betrachte ich, wie souverän die sich ihre Sandwiches nach Vorgabe anfertigen lassen. Obwohl ich sehr konzentriert aufpasse, traue ich mir das noch nicht zu und bestelle einen Wrap. Wäre ich besser vorbereitet, hätte ich den Zettel mit meinen Wünschen dabei. Vielleicht schaffe ich es ein anderes Mal mit dem Sandwich. Heute noch nicht. Ein abschließender Verdauungsspaziergang beendet meinen Aufenthalt auch schon fast. Insgesamt habe ich heute etwa 9,5 km zurückgelegt.

Es ist beinahe 20.00 Uhr, mein letzter Abend in Cochem hat längst begonnen, ich liege auf dem Bett und höre, wie sich andere Gäste im Aufenthaltsaraum angeregt unterhalten. Wann habe ich mich eigentlich zuletzt in einer Gruppe angeregt unterhalten und dabei köstlich amüsiert? Ich weiß es tatsächlich nicht. Für einen Moment kommt Wehmut auf, dann reiße ich mich wieder zusammen und lasse den Abend langsam ausklingen.

2 Kommentare on "Cochem – Tag 4"


    1. Warum er sich keine warme Jacke gekauft hat: Zum einen, weil er nicht einfach so eine Jacke kaufen kann. Zum anderen, weil er trotzig war und im Mai keine warme Jacke kaufen wollte. Und außerdem ist sein Schrank voll.

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