Meine letzten Urlaubstage 2019

Montag. Der traditionelle Termin bei der Augenärztin führt mich nach Selm in ein ziemlich gefülltes Wartezimmer, welches statt leerer immer voller wird. Draußen weint ein Junge, der nicht in die Schule will. Seine Mutter, asig oder überfordert, schreit ihn an, dass sie dann eben die Polizei holt, welche ihn dann zur Schule bringt. Sie schreit wie eine Irre, was dazu führt, dass der Junge noch mehr weint. Wieso sich alle nach Lust und Laune vermehren dürfen, habe ich nie verstanden. Diese Frau hätte es besser nicht getan. Nachdem vierzig Minuten um sind, unterhalten sich andere Patienten über die Wartezeit. Eine Frau hatte vor siebzig Minuten ihren Termin, will das aber aussitzen. Vor mir sind mindestens noch sechs weitere Patienten an der Reihe. Ich mag das nicht aussitzen und Teile am Empfang mit, dass ich gehen muss. Ich erfahre, dass es, wenn ich einen neuen Termin ausmache, wieder so lange dauern kann. Vielleicht sollte man, wenn man das weiß, die Termine anders vergeben. Ich gehe, ohne einen neuen Termin zu vereinbaren. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, komme ich nie wieder.

Später beschwere ich mich bei der Hausverwaltung über meine Nachbarn, weil die den Flur nicht wischen. Das ist so spießig und ich hatte nie für möglich gehalten, dass es mal so mit mir enden wird. Anschließend wasche ich das Coupé und stelle abermals fest, dass ich nicht so wirklich von meinem Fahrzeug angetan bin. Da passt es prima, dass das Coupé mittlerweile nicht nur beim Bremsen quietscht, sondern auch einfach so. Dazu nervt die leuchtende Motorkontrollleuchte und noch viel mehr. Ach, hätte ich doch nur einen anständigen Beruf gelernt und etwas aus mir gemacht. Dann hätte ich solche Probleme nicht, sondern ganz andere. Glücklicherweise habe ich noch den Benz und weil der Benz bald seinen Winterschlaf halten muss, aber ich die vergammelten Anschläge/Befestigungspuffer am Kofferraum ausgebaut habe, muss ich neue besorgen. Dazu fahre ich nach Dortmund und bestelle die fast vierzig Euro teuren Teile. Somit habe ich auch dieses Jahr etwas getan, was den Benz aufwertet, auch wenn es keiner sieht.

Den Rest des Tages gammle ich nur noch vor mich hin und den Abend verbringe ich mit den Guardians of the Galaxy in 3D.

Dienstag. Mein Körper weigert sich bereits seit Tagen vor 09.00 Uhr aufzustehen. Überhaupt will er nur noch abhängen und ich frage mich ernsthaft, ob das nicht auch meine Bestimmung ist. Rumgammeln bis zum Tod. Lediglich die Bezahlung, die ich als Arbeitsloser erhalten würde, spricht derzeit dagegen. Ansonsten glaube ich tatsächlich, dass es eine Option wäre, denn so hätte ich nichts weiter zu tun als nichts zu tun. Diese dunklen, regnerischen Tage sind nicht gut für mich.

Bei strömenden Regen hole ich gegen Mittag die Teile für den Benz ab. Wieso hätte ich gestern noch das Coupé gewaschen? Ach ja, um es ein paar Stunden sauber auf den Hof zu stellen. Idiotisch. Anschließend baue ich die Teile direkt in den Benz ein.

Am Nachmittag erfahre ich, dass Kollege Jens es geschafft hat, die Maßnahme fast voll zu kriegen. Was ich in fünf Monaten nicht geschafft habe, erledigt er in etwas mehr als einer Woche. Das ist der Unterschied zwischen Leuten, die was drauf haben und mir. Darum verdient er zurecht mehr Geld als ich und eigentlich sollte er die Maßnahme auch leiten. Qualität erkennt man an ihren Erfolgen.

Mittwoch. Obwohl ich nicht über das größte handwerkliche Geschick verfüge, streiche ich erstmals in meinem Leben einen Türrahmen. Ich benutze Kreidefarbe, weil das einfach sein soll. Überraschend schnell bin ich fertig und das Ergebnis scheint okay. Da meine Wohnung noch vier weitere Türrahmen hat, werde ich wohl morgen weitermachen.

Später kaufe ich mir einen Kasten voll mit leckerem Malzbier und dann endet der Tag vor dem Fernseher. Es ist tatsächlich so als wäre ich mitten in der Arbeitslosigkeit angekommen. Ob dieser Urlaub ein Zeichen dafür ist, dass es Zeit wird in die Arbeitslosigkeit zurückzukehren?

Den Abend verbringe ich mit den Avengers in 3D.

Donnerstag. Wie zuletzt üblich, trage ich fast den ganzen Tag in der Wohnung meinen einzigen Bademantel. Ich denke, ich sollte mir noch ein oder zwei coole Bademantel zulegen.
Wenn ich doch mal das Haus verlasse, ziehe ich stets die gleichen Sachen an, weil die griffbereit an einem bestimmten Platz liegen. So bräuchte ich im Fall einer erneuten Arbeitslosigkeit nicht so viele Klamotten, was praktisch ist. Und ich müsste nicht mehr so oft Wäsche waschen. Auch könnte ich es so einrichten, dass ich nur maximal zweimal pro Woche das Haus verlasse, dann müsste ich mich auch weniger waschen und hätte wieder Geld gespart. Ich bin ganz schön kreativ in diesem Urlaub, wie es scheint.

Vor dem streichen, putze ich den ersten Türrahmen und stelle fest, dass es eigentlich gar nicht nötig ist ihn zu streichen. Was so eine Reinigung doch bewirken kann. Weil putzen alleine beim zweiten Türrahmen allerdings nicht reicht, streiche ich beide Rahmen, wie geplant. Alles andere wäre auch irgendwie albern.
Am Nachmittag bin ich verwirrt und streiche die beiden übriggeblieben Türrahmen. Später gehe ich mit Manni Essen.

Den Abend verbringe ich mit Captain America in 3D. Anschließend sehe ich eine interessante Doku mit dem Titel: Weggeworfen

Freitag. Kaum fange ich an mich an das Leben im Urlaub zu gewöhnen, endet der Urlaub schon. Nächste Woche ist erstmal Schluss damit und ich darf eine Woche alleine arbeiten, weil der Kollege Urlaub hat. Zeit genug, um alles zu zerstören, was er in zwei Wochen aufgebaut hat.

Fleißig wie ich bin, räume ich meinen Keller etwas auf und fege einen Teil des Gemeinschaftskellers. Dabei wirble ich so viel Staub auf, dass ich kaum atmen kann. Das kommt davon, wenn niemand sich zuständig fühlt und ich Depp plötzlich für alle fege. Vermutlich war ich auch der letzte, der den Keller vor ein paar Jahren gefegt hat. Früher war ich anders, da wäre mir so etwas nicht nochmal passiert.

Am Ende des Tages war ich nicht einmal an der frischen Luft. Als Arbeitsloser wäre ich somit sicher gut geeignet.

Den traditionellen Film-Freitagabend verbringe ich mit dem Hellboy. Mit diesem furchtbaren Film endet mein letzter Urlaubstag des Jahres.

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