Kaum aufgestanden, geht es mit Petra zum Training. Leider ist es mir im Fitnessstudio, wie schon bei den letzten Malen, zu frisch. Man muss so ein Fitnessstudio nicht unbedingt aufheizen, aber so macht es keinen Spaß. Immerhin gibt es junge Frauen mit kleinen Ärschen anzuschauen, die mich kurzzeitig von der Temperatur ablenken.
Zum Mittagessen gönne ich mir, wie schon im letzten Jahr, Backofenpommes. Später telefoniere ich mit Agnes. Viel mehr passiert nicht. Bis zum Beginn des traditionellen Silvesterabends jedenfalls nicht. Er wird erstmals nur mit Petra gefeiert. Manni wird Silvester im Krankenhaus verbringen. Sein Motorradunfall hatte doch mehr Folgen, als zunächst erwartet. Er musste gestern sogar operiert werden und ist somit heute keine Option.
Ich spiele ein wenig FIFA 20 auf der Playstation. Ein merkwürdiges Spiel im Karrieremodus: Lasse ich simulieren, verliere ich jedes Spiel. Spiele ich selbst, gewinne ich fast jedes. Manchmal steuere ich nur den Torwart, renne mit ihm in der gegnerischen Hälfte herum und schieße sogar Tore. Einen Torwart brauche ich nicht, weil niemand auf mein Tor schießt. Stelle ich den Schwierigkeitsgrad höher, habe ich keine Chance. Das ist definitiv kein Spiel für mich. Ich höre auf und höre Musik.
Pünktlich um 19.00 Uhr bin ich bei Petra. Dieses Mal kann ich sogar in der Nähe parken. Es ist schon komisch, dass wir erstmals seit der Erfindung der Silvester-Tradition nur zu zweit sind. Nach ein paar Umstellungen beginnen wir mit der Fütterung. Dabei besprechen wir die Pläne, die Petra dieses Jahr hatte: Awakenings-Festival in Holland, Erwerb von Wohneigentum in Ungarn, Auswandern nach Russland, Reich werden an der Börse. Nichts davon wurde umgesetzt, daher gibt es für nächstes Jahr weder Pläne noch Vorsätze. Mein Vorsatz lautet: Weniger Nachrichtenkonsum. Mehr fällt mir spontan nicht ein. Weil es gerade so gut läuft, sprechen wir über die Pläne, die Manni für dieses Jahr hatte. Er wollte sich einen Camper mit Anhängerkupplung kaufen. Es wurde ein Caddy mit Anhängerkupplung. Er wollte sein Cabrio dann auf einem Hänger mit in den Urlaub nehmen. Das hat er nicht gemacht.
Ein neues E-Bike wollte er und hat es bekommen. Neue Klamotten wollte er bestellen, auch das hat er gemacht. Dieses Jahr war er mit seinen Plänen am konsequentesten von uns. Respekt.
Nach dem Essen werde ich, laut Petra “ungemütlich”, da ich den Tisch abräumen, das Geschirr in die Spülmaschine und das Essen in den Kühlschrank legen möchte. So etwas gäbe es nicht, wenn Manni dabei wäre. Gemütlich einfach nur mit mir Essen ist nicht so einfach.
Nachdem das erledigt ist, spielen wir Magnetic. Netter Zeitvertreib. Wir wechseln uns beim Gewinnen ab. Danach spielen wir Mastermind. Während ich versuche das Rätsel zu lösen, gibt Petra immer wieder falsche Ergebnisse an, sodass ich es nicht auflösen kann. Das macht sie nicht extra, sondern weil sie verwirrt ist und die Farben manchmal nicht unterscheiden kann. Zum Abschluss spielen wir Scrabble, bis ins neue Jahr hinein.
Um Mitternacht stoßen wir mit Wasser an, dann betrachten wir kurz das Feuerwerk vom Fenster aus.
Die Katze des Hauses ist während des ganzen Abends immer wieder bei uns. Gewöhnlich sieht man sie nur maximal einen Augenblick, heute ist sie anders. Ob es ein Zeichen ist? Und wenn ja: Was hat es zu bedeuten?
Gegen 01.00 Uhr ist es Zeit, sich zu verabschieden. Petra möchte umarmt werden, ein Wunsch, den sie schon um Mitternacht geäußert hat. Normalerweise machen wir sowas nicht, aber ich kann auch mal Wünsche erfüllen. So gibt es eine Abschiedsumarmung.
Auf der Fahrt nach Hause, sehe ich schon von Weitem, vor dem Mini-Markt Blaulicht. In den letzten Jahren gab es dort immer Polizeiwagen oder Krankenwagen. Manchmal auch beides. Heute ist es ein Krankenwagen, der gegenüber steht. Vor dem Mini-Markt stehen mindestens 30 gut gelaunte Feiernde, ein paar Meter weiter brennt eine Mülltonne. Ich verstehe, warum ich Silvester nicht mehr zu Fuß gehe. Ich bin einfach nicht gesellig genug. Dabei muss es da am Mini-Markt toll sein, denn jedes Jahr stehen dort mehr Leute.
Als ich gegen 01.15 Uhr in der Wohnung angekommen bin, höre ich Sirenen. Normal, wenn die Stimmung überall so gut ist. Kein Grund zur Besorgnis. Spätestens morgen werden wir lesen, dass wir uns keine Sorgen machen müssen und es eine normale Silvesternacht war. Ohne all die Blaulichter wäre die Silvesternacht außerdem nur halb so schön.
Draußen wird weiter geböllert, an Schlaf ist nicht zu denken. Ich sitze im Wohnzimmer und es hört sich an, als würde ich einem Kriegsfilm lauschen. Explosionen sorgen für Kriegsstimmung, zwischendurch ist es so heftig, dass ich das Gefühl habe, alles würde leicht vibrieren. Das wird gefühlt jedes Jahr schlimmer. Und das könnten wir bald täglich haben, wenn unser Kanzler seine Kriegsträume weiter pflegt. Für ihn muss diese Nacht ein Traum sein, der wohlige Gefühle auslöst.
Vermutlich bin ich einfach zu alt, um mich daran zu erfreuen. Letztlich ist das nämlich alles ein Ausdruck von Freude und Ausgelassenheit, etwas, was den meisten Deutschen schon lange abgeht. Zum Glück verschieben sich die Verhältnisse immer mehr und die Deutschen werden weniger. Dank der Zuwanderer ist die Silvesternacht endlich zu einem richtigen Event geworden. Deutschland wird immer bunter. Bitte mehr davon. Ich freue mich schon auf die nächsten Silvesternächte.
Alles Gute fürs neue Jahr und einen guten Start für Euch, für Dich und den Blog. 🍾🥂 Ich lese Eure Geselligkeit sehr gerne und finde seit Jahren niemanden, der sich für Raclette oder Spieleabende oder überhaupt gemeinsame Aktiviäten etc. begeistern kann. Behaltet Euch das bei. Vor allem gute Besserung für Manni, das klingt ja gar nicht gut.🍀🥺
Danke, Dir auch alles Gute.
Spieleabende sind hier ja auch neu. Weil man nicht immer Filme schauen kann. 🙂
Danke. ☺️ Ich verfolge das für mich weiter.
Guter Plan. 🙂