Es ist erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht. Schon sind wieder vier Wochen vorbei und unser nächstes Treffen steht an. Heute werden Kirsten, Jörg und ich im Rosmarino in Herne speisen.
Zu meinen braunen Lederschuhen trage ich heute eine braune Jeans, zum ersten Mal in diesem Jahr ein Hemd und ebenfalls zum ersten Mal die Lederjacke. Ein Hauch von Frühlingsoptik. Dazu benutze ich Majestic Amber von Panadora. Die letzte Parfumprobe, die ich noch habe. Das Parfum duftet nach Leder, passt somit zum Outfit und wird außer mir vermutlich niemandem auffallen.
Unterwegs sammle ich Jörg ein und wenig später sind wir am Ziel, wo Kirsten schon auf uns wartet. Die Begrüßung finde ich etwas irritierend, denn Kirsten gibt Jörg die Hand. Als sie mir die Hand geben will, sage ich, dass das nicht geht und wir uns zur Begrüßung umarmen. Wir sind schließlich nicht auf einem Geschäftstreffen. Entweder man murmelt Hallo oder umarmt sich, alles andere ist verstörend.
Das Restaurant macht optisch einen guten Eindruck und als wir einen Platz in einer Ecke bekommen, bin ich zufrieden. Ich bestelle Insalata Grande Pollo und bekomme wenig später den vermutlich größten Salat, der mir je serviert wurde. Auch die Fleischmenge ist beeindruckend. Dazu schmeckt es auch noch ganz wunderbar. Alles richtig gemacht. Die beiden sind ebenfalls zufrieden und wie immer entwickeln sich launige Gespräche. Auch mal ernste Themen, aber alles entspannt und in ruhiger Atmosphäre.
An einem Nebentisch entdecke ich eine jüngere Frau und bilde mir ein, dass sie öfter zu mir rüber schaut. Aber da ich mich vermutlich irre, lächle ich nicht zu ihr rüber.
Kurz überlegen die zwei, ob wir noch ins Kino gehen, finden aber keinen Film, der sie ausreichend anspricht. Das finde ich sehr beruhigend. Zur Auflockerung sprechen wir nun darüber, wie wir uns unsere Beerdigung vorstellen. Kirsten hat von einer neuen Methode gehört, bei der der Körper in Lauge aufgelöst wird, bis nur noch die Knochen übrig sind. Diese werden im Anschluss zermahlen und in eine Urne gefüllt. Das ist aktuell ihr Favorit. Ich bin weiterhin fürs Verbrennen, weil ich mir das irgendwie angenehmer vorstelle. Ich bin auch der Einzige von uns, der nicht verbuddelt werden möchte, weil ich einfach nicht unter der Erde liegen mag. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das etwas für mich und meine Überreste ist. Jörg möchte klassisch beerdigt werden, weil er meint, dass es eh nur eine Hülle ist. Was aber, wenn er sich irrt? Dann liegt er da unendlich lange herum und das stelle ich mir sehr unangenehm vor. Vermutlich habe ich einen Knall.
Mittlerweile hat jeder von uns noch so viele Ideen, wo wir noch überall bei unseren Treffen hingehen könnten, dass ich darauf aufmerksam mache, dass wir damit bis ins hohe Alter zu tun haben und nicht zu früh sterben sollten. Die Lebenszeit wird ja nicht mehr, nur weil man noch viele Pläne hat.
Da wir noch etwas trinken wollen, schlägt Kirsten vor, dass wir zahlen und woanders hingehen. Gesagt, getan. Und so landen wir wenig später in der Kostbar. Es ist nicht so viel los. Für die Optik wird wenig geboten. Einmal denke ich über die ganzen Preise nach und finde, dass 3,30 € für eine 0,2 Liter Flasche Cola ziemlich viel sind. Dann beschließe ich, dass es keinen Sinn ergibt, weiter darüber nachzudenken, weil es nichts ändert. Solange wir uns das noch leisten können, wird es gut sein.
Wir plaudern, lachen und sind vergnügt. Mehr kann man nicht verlangen. Bevor der Abend endet, legen wir den nächsten Termin fest. Diesmal bin ich für die Auswahl zuständig und weiß auch schon, wohin es gehen wird.
Vermutlich werden auch die vier Wochen wie im Fluge vergehen. So ist das, wenn man älter ist. Die Zeit rinnt einem immer schneller durch die Finger, das Ende naht. Da sind Gespräche über Beerdigungen vermutlich logisch.