Drei gehen essen und einer ist begeistert

Heute treffen wir uns im La Vida in Bochum. Da es sich abgekühlt hat, kann ich das Samtsakko zum zweiten Mal tragen. Dazu braune Lederschuhe, braune Hose, silber blaues Hemd. Fast manierlich sehe ich aus und dufte nach Althaïr, als ich das Haus verlasse. Ärgerlich ist nur, dass ich den ganzen Tag vergessen habe, mir die Haare nachzufärben.

Ich bin nicht nur vor den beiden da, ich parke auch zu weit weg, da ich den Parkplatz übersehen habe. Kurz nach mir ist Kirsten da. Zur Begrüßung gibt es eine Umarmung. Was das angeht, haben wir auch keine vernünftige Struktur. Mal umarmen wir uns, mal nicht. Da Jörg angekündigt hat, sich zu verspäten, gehen wir schon mal rein und bestellen was zu trinken.

Wenig später taucht Jörg gutgelaunt auf. Sofort ist er vom Ambiente des Lokals ganz angetan. Es sind die kleinen Details, die ich oft nicht bemerke. Falls doch, erwähne ich sie nicht. Ich bin nicht einmal halb so aufmerksam, wie ich gerne wäre.

Was mir hingegen auffällt, sind die Servicekräfte, die mir gut gefallen, was ich aber für mich behalte, weil das vermutlich unangebracht wäre und möglicherweise pubertär wirken würde. Schön anzuschauen sind sie dennoch.

Das Essen ist gut und die Themen vielfältig. Kirsten und ich erzählen von unseren Urlauben. Ihre Erzählung ist durchweg positiv, ich bin weniger begeistert. Jörg sagt, dass es für mich schwer wird, bei der Auswahl des nächsten Lokals, da es hier so toll ist. Sofort verwerfe ich die Idee, in Waltrop essen zu gehen und wähle Olfen. Dort gibt es drei Optionen. Ich lege mich aber heute nicht fest. Sicher ist nur: Ganz so begeistert wie heute wird Jörg vermutlich nicht sein. Aber letztlich wird es egal sein, solange wir entspannt unsere Mahlzeit zu uns nehmen können.
Heute lachen wir viel, nur als Kirsten und ich über Filme reden, verzieht Jörg ein wenig das Gesicht, da wir Freude an Horrorfilmen und Brutalität haben. Diese Freude teilt er nicht. Letztlich empfehlen wir ihm “The Breakfast Club” und “Before Sunrise”. Echte Klassiker von damals. Letzteren deshalb, weil er von einer Begegnung im Zug erzählt, an die er sich noch gut erinnert und die uns sofort an den Film erinnert hat. Eine fast romantische Begebenheit ohne Happy End. Aber dennoch schön.

Als eine der Bedienungen ein paar Sachen fallen lässt, sage ich, dass es an Jörgs Wirkung auf Frauen liegt. Als er später ein falsches Getränk von einer anderen Bedienung serviert bekommt, ist es der endgültige Beweis, dass er die Frauen ganz nervös macht. Sieht er zwar anders, aber ich finde es lustig. Pubertäres Verhalten hört nicht auf, nur weil man älter wird. Zumindest nicht bei mir.

Auch heute verzichtet Jörg auf direkte Komplimente. Das werde ich nächste Woche ansprechen und bemängeln. Komplimente sind wichtig und tragen zu einer guten Atmosphäre bei. Wir vereinbaren noch, dass wir demnächst zusammen cachen gehen, ohne uns auf ein konkretes Datum festzulegen.

Den Vorschlag, dass Kirsten nächstes Mal ihre Mutter mitbringt, findet sie nicht so gut. Da werden wir aber nicht nachlassen, weil uns die Idee so gut gefällt. Des Weiteren weigert sich Kirsten, eine Einweihungsparty zu feiern. Diesbezüglich kommen wir definitiv nicht weiter.

Dann ist es auch schon nach 21.00 Uhr und es wird Zeit, den Abend zu beenden.
Zum Abschied gibt es keine Umarmung. Weiterhin bleibt mir der Umarmungsvorgang ein Rätsel.

6 Kommentare

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  1. Wieder ein Monat vorbei….

    Ich habe den Post zum Anlass genommen, um mich selbst zu verabreden. Ich mag Eure Geselligkeit. Es ist schön zu lesen.

  2. Umarmungsvorgänge sind manchmal Ausdruck komplizierter sozialer Wechselwirkungen. Gibt es vielleicht einen Zusammenhang zwischen Umarmungsereignissen und der Jörg’schen An- bzw. Abwesenheit?