Nach dem Zahnarzttermin ist vor dem Zahnarzttermin

In der Nacht nach dem Zahnarztbesuch wache ich gegen 04:40 Uhr auf. Wie immer sind die Probleme an Zahn 16 nachts am deutlichsten. Auch Implantat 47 mischt diese Nacht mit. Vielleicht nur Einbildung, aber besser wird es dadurch nicht. Statt wieder einzuschlafen kreisen meine Gedanken um die Einnahme und die Nebenwirkungen, besonders Durchfall, des Antibiotikums. Ich stelle mir vor, dass ich auf der Arbeit ständig zur Toilette muss, dass ich Samstag bei der Massage plötzlich Durchfall bekomme und auch Samstagabend im Escape Room. Ich bin verloren und schwitze so stark, dass ich überlege irgendein Fenster aufzumachen. Etwa eine Stunde später kreisen meine Gedanken noch immer um das Medikament und den daraus resultierenden Durchfall. Mittlerweile bin ich sauer, dass ich das nicht abschalten kann und friere dermaßen, dass ich mir eine Decke holen will, was ich mir aber verbiete. Die Einnahme des Medikaments bringt mich noch vor der ersten Einnahme dermaßen aus dem Konzept, dass ich völlig überfordert bin. Es ist nicht schön ein Psycho zu sein.

Vormittags besorge ich mir Eubiol, was mich fast 23 Euro kostet und meine Unzufriedenheit weiter verstärkt. Die Einnahme des Antibiotikums werde ich aber erst nach der Arbeit zu Hause beginnen, weil manche schreiben, dass sie schon kurz nach der ersten Einnahme von Amoxiclav Basic Durchfall bekommen haben. Das möchte ich im Büro nicht haben. Bei all diesen Berichten zu dem Medikament verstehe ich oft nicht, wieso die Leute das Zeug teilweise noch Tagelang eingenommen haben, wenn sie Durchfall, Magenkrämpfe und einen von Pusteln übersäten Körper davon bekommen haben. Überhaupt kann einem nur schlecht werden, wenn man von den ganzen Nebenwirkungen liest. Ich hätte das echt nicht tun sollen, aber ich bin einfach zu durchgeknallt, um es nicht zu tun. Gegen 11.00 Uhr, ich habe das Implantat brav in Ruhe gelassen, bekomme ich plötzlich Schmerzen, die vom Unterkiefer bis zum Ohr ziehen. Sollte das jetzt so weiter gehen, stehen mir wundervolle Wochen bevor. Sollte das irgendwann überstanden sein, werde ich mir vermutlich eine andere Zahnarztpraxis suchen müssen, weil schlechte Erfahrungen es nicht unbedingt leichter machen dort noch hinzugehen. Das geht ab einem gewissen Punkt für mich einfach nicht mehr. in wenigen Wochen will ich in den Urlaub fahren. Hoffentlich ist das möglich und wird nicht von Implantat 47 boykottiert. Gegen 15.00 Uhr nehme ich Eubiol und anschließend das Antibiotikum ein, bevor ich etwas esse. Ich wollte zwar erst zu Hause damit anfangen, habe mich aber anders entschieden. Stunden später habe ich Probleme, weiß aber nicht, ob das am Antibiotikum oder meiner Psyche, die von dem ganzen Mist angegriffen ist, kommt. Gegen 20.00 Uhr nehme ich zum zweiten Mal eine Amoxiclav Basics, weil ich noch später nicht mehr essen mag. Meine Stimmung ist trüb und ab und zu fühlt es sich unter dem Zahn irgendwie taub an. Wie soll ich da gute Laune haben? Um etwas für meine Stimmung zu tun, schaue ich anschließend Two and a half Men bis ich zu Bett gehe.

Blähungen und leichte Magenbeschwerden nach der dritten Einnahme des Antibiotikums begleiten mich durch den nächsten Tag. Ich habe zwischenzeitlich einiges über Implantatentfernungen gelesen und finde mich auch langsam damit ab, dass das Implantat verloren ist. Manchmal verspüre ich einen gewissen Frust, dann Wut, die in Resignation übergeht. Ich brauche nicht dagegen ankämpfen, weil ich nichts tun kann und auch nichts verkehrt gemacht habe. Möglicherweise werden wir nie erfahren, was da schief gelaufen ist. Zum Kauen kann ich das Implantat nicht gebrauchen und zwischendurch schmerzt der Unterkiefer und die Schmerzen reichen bis zum Ohr. Vermutlich steht mir eine immer zahnlosere Zukunft bevor. Zumindest weiß ich, was ich an den nächsten Montagen machen werde. Ich werde in einer Zahnarztpraxis sein und mir vermutlich das Implantat entfernen lassen bevor ich mich von Zahn 16 trenne. Gut möglich, dass es eine andere Zahnarztpraxis sein wird, ändern wird es nichts an meinem Dilemma. Bald werde ich die letzte Rechnung fürs Implantat bekommen. Muss ich eigentlich für etwas zahlen, wenn es schief gegangen ist? Nur noch das Wochenende überleben und nach dem Antibiotikum eine Darmsanierung machen, das sind meine einzigen Pläne. Bringt mich zwar nicht weiter, aber das ist auch egal, denn immerhin kann ich mich damit rühmen, dass ich noch Pläne habe in meinem Leben. Doch möglicherweise ist am Ende einfach alles egal und verloren.

Samstagnachmittag nach dem einkaufen schaffe ich es gerade so nach Hause, schon sitze ich auf der Toilette. Nun habe ich am dritten Tag der Einnahme die erste offensichtliche Nebenwirkung des Antibiotikums in Form von Durchfall zu spüren bekommen. Damit ist der heutige Ausflug in den Escape Room mit meinen Kollegen für mich nicht mehr realistisch, da ich nicht weiß, wie oft diese Nebenwirkung mich noch heimsucht. Unverzüglich sage ich für den Abend ab und da ich schon der zweite Ausfall für den Abend bin, wird der komplette Ausflug für alle abgesagt. Wie unangenehm ich das finde, kann sich sicher jeder denken. So verhindert diese verfickte Scheiße mit dem Implantat, dass ich endlich mal etwas anderes mache als das, was ich immer mache. Aber es hätte schlimmer kommen können, denn schließlich hätte es schon während der Massage oder als ich mit Petra beim Italiener essen was in die Hose gehen können. Also sollte ich mich nicht beklagen, sondern vielmehr darüber freuen, dass ich so gut davongekommen bin. Nun muss ich mir überlegen, ob ich noch bis Montag das Teufelszeug weiter einnehme oder besser darauf verzichte. Ich hasse so etwas. Weil ich manchmal ziemlich einfältig bin, nehme ich eine Stunde später brav die nächste Tablette ein. Soll mir nur keiner vorwerfen, ich hätte nicht alles versucht das Implantat zu retten.

Das Wetter am Sonntag ist Top, die persönlichen Bedingungen eher nicht. Ich schaffe es auch weiterhin, nicht zu testen, ob es Implantat 47 besser geht oder ob die Behandlung mit dem Antibiotikum Unsinn ist. Als wollte ich die Enttäuschung so lange wie möglich herauszögern. So habe ich auch gleich eine Entschuldigung dafür, dass ich bei dem schönen Wetter nichts unternehme, weil es ja sein konnte, dass ich ganz schnell zur Toilette muss. Lediglich eine kleine Runde um den Ententeich schaffe ich mit dem noch immer verliebten Loerz, der ein wenig erschöpft vom vielen Sex neben mir her wandert. Petra liegt derweil im Krankenhaus, weil sie morgen operiert wird. Die Herzkatheter-Untersuchung ist nicht ganz so gut gelaufen und nun muss ein Gerinnsel entfernt werden. Es werden einfach zu viele unnötige Untersuchungen gemacht und zu wenig über deren Nebenwirkungen und Gefahren aufgeklärt. Mindestens bis Freitag wohnt Petra nun im Krankenhaus. Auch sie nutzt die Rückkehr des schönen Wetters optimal. Später stelle ich fest, dass diese Rückkehr des Sommers mich irgendwie ganz wuschig macht. Oder ist das auch eine Nebenwirkung des Antibiotikums? Hoffentlich hört das bald auf, denn das führt zu nichts und verwirrt mich nur.

8 Kommentare on "Nach dem Zahnarzttermin ist vor dem Zahnarzttermin"


  1. Du darfst Antibiotika nicht absetzen, du musst alle nehmen, sonst wirst du noch kranker als du schon bist. Dann kommen die schmerzen mit Wucht zurück

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: