Je näher der Termin rückt, desto unentspannter werde ich. Am Sonntag begleitet mich eine innere Unruhe durch den Tag und ich fühle mich gestresst. Ich will das alles nicht mehr. Ich will mein altes Leben zurück, aus der Zeit vor dieser merkwürdigen Krankheit.
Am Tag der Untersuchung schaffe ich es, durch Verdrängung durch den Vormittag zu kommen. Nach dem Mittagessen will ich weder zu dem Termin, noch sonst etwas mit all dem zu tun haben. Mir fehlt Zuversicht und das ist grundsätzlich nicht gut. Ich versuche mir vorzustellen, dass die Lymphknoten nicht gewachsen sind und ich im Anschluss beruhigt mit Petra, die sich entschieden hat, mich zu begleiten, essen gehen kann. Ich kann nicht bei positiven Gedanken bleiben, da ich voller Bedenken bin. Die Situation ist sehr unbefriedigend und ich bekomme den Kopf nicht frei von negativen Gedanken. Als Coach bin ich mir gerade keine echte Hilfe. Vielleicht bin ich gar kein Coach.
Obwohl ich Petra recht früh abhole, wird die Zeit knapp, da die Parkplatzsuche sich hinzieht. Es gibt zwei Parkplätze, aber da ich nicht einparken kann, muss ich daran vorbeifahren. Es stürmt, beginnt leicht zu regnen, und ich bin genervt, angespannt, überfordert. Die ganze Situation behindert mich so sehr, dass ich mich entscheide, vor der Klinik zu halten und Petra soll mit dem Coupé einen Parkplatz suchen.
Meine Verwirrtheit setzt in der Klinik fort. Ich bin zwar da, wo ich hin will, aber in der falschen Etage. Alles sieht falsch aus und ich frage mich laut, wo ich überhaupt bin, was ein Mann, der in der Nähe ist, hört. Ich gehe zurück, die Treppen herunter, suche nach Wegweisern, aber nirgends lese ich etwas. Es kommt mir plötzlich so vor, als wäre ich noch nie hier gewesen und ich frage mich, ob die in so kurzer Zeit wirklich alle Abteilungen verlegt haben. Am Ende eines Ganges finde ich die gewünschte Tafel mit den benötigten Informationen. Demnach war ich richtig, bin aber weiter verwirrt und verstehe noch immer nicht wirklich, wohin ich muss. Der Mann, der meine Verwirrung vorhin hörte, fragt, wohin ich will. Ich sage es ihm und er sagt, dass ich vorhin schon richtig war, nur eine Etage höher hätte gehen müssen. Ich bedanke mich und gehe wieder in die Richtung, aus der ich kam. Es ist offensichtlich, dass ich komplett neben der Spur bin.
Um zwei Minuten vor zwei bin ich an der Anmeldung und warte. Petra hat zwischenzeitlich das Coupé irgendwo geparkt. Ganz in der Nähe – ging ganz fix. Ich wäre vermutlich noch Stunden einfach so im Kreis gefahren. Nach etwa zwanzig Minuten kann ich mich anmelden und in den Wartebereich gehen. Da stehen wir dann eine gute halbe Stunde, bis ich aufgerufen werde.
Zunächst bitte ich den Arzt, dass er mir die letzten Blutergebnisse ausdruckt. Dann beginnt die Untersuchung der Lymphknoten. Der Arzt sagt, dass alles gut aussieht, was mich beruhigt, dennoch bleibe ich angespannt, weil das alles nichts bedeuten muss. Er kann leider keine Bilder speichern, weil das Ultraschallgerät heute wohl ein Problem hat. Wir müssen also nachher wieder ins andere Zimmer und ich sehe die Wartezeit schon vor mir. Ich frage, ob sich die Lymphknoten verkleinert haben. Er verneint, ich bin verwirrt. Untersuchung der Knoten auf der anderen Seite. Auch hier ist der Arzt zufrieden, was mir natürlich gefällt, aber ich bleibe skeptisch. Meine Haut wird untersucht, aber bis auf ein paar kleine Stellen gibt es nichts zu beanstanden.
Da meine B- und T-Lymphozyten so niedrig sind, fragt der Arzt, ob ich mal bei einem Hämatologen war. Vielleicht habe ich eine Autoimmunkrankheit, die bisher nicht entdeckt wurde. Ausschließen kann ich das nicht. Ich ziehe mich wieder an und sollte jetzt vermutlich erleichtert sein, bin aber weiter skeptisch und geistig eingeschränkt. Er sagt, dass er keinen Grund sieht, dass ich alle drei Monate zur Kontrolle kommen muss. Alle sechs Monate ist für ihn auch okay. Ich darf entscheiden und wähle sechs Monate, weil längere Pausen guttun und mir das Gefühl vermitteln, dass es mir besser geht. Besser für den Kopf.
Die Blutentnahme geht fix, dann heißt es wieder warten. Petra hat zwischenzeitlich noch ein Parkticket gelöst. Ich bin immer noch irgendwie neben der Spur, mein Kopf denkt hin und her, lässt aber keine Euphorie aufkommen. Ich fürchte noch immer, dass die Ärztin, die beim letzten Mal beinahe schon einen Lymphknoten entfernen wollte, gleich etwas entdeckt und ich dann völlig umsonst positive Gedanken entwickelt habe. Was mich irritiert, ist, dass die Lymphknoten nicht kleiner geworden sein sollen, aber gut aussehen. Vielleicht sollte ich weniger denken und stattdessen erleichtert sein.
Es wird immer leerer auf den Gängen und ich gehöre wieder zu den letzten Patienten. Das Warten ist durchaus zermürbend und dann bin ich endlich an der Reihe. Der Arzt untersucht erneut die Achseln gründlich, lässt sich Zeit, macht Aufnahmen, wir reden sogar über meinen Job. Wobei ich natürlich die meiste Zeit rede. Aus seiner Sicht sehen die Lymphknoten gut aus, er will die Aufnahmen aber in den nächsten Tagen noch mit den früheren Aufnahmen vergleichen. An einer Stelle haben sich mehrere Lymphknoten zu einer Gruppe versammelt, was aber auch kein Problem ist. Offenbar besteht aktuell keine Gefahr. Er wird mich anrufen, wenn er die Bilder verglichen und die Blutergebnisse vorliegen hat.
Es ist bereits nach 16.00 Uhr, als wir die Klinik verlassen. Erneut war ich über zwei Stunden hier und ich hoffe, dass die Zukunft entspannter wird und ich mich auch mal über das durchaus positive Ergebnis freuen kann.
Am Abend beginnt das Grübeln. Ich glaube, letztlich hat die Untersuchung zu keiner Erleichterung geführt, eher im Gegenteil. Obwohl die Lymphknoten scheinbar okay sind. Ich mache mir mehr Gedanken darüber, dass der Arzt zunächst fragte, ob ich mal von einem Urologen untersucht wurde. Dann fragte er, ob ich von einem Hämatologen untersucht wurde, weil meine niedrigen B-Lymphozyten und T-Lymphozyten einen Immundefekt vermuten lassen. Das klingt logisch. Dann wird mir wieder bewusst, dass ich seit Monaten eher Durchfall habe, was ich auf die Ernährungsumstellung geschoben habe. Aber nach so vielen Monaten sollte sich das eingespielt haben. Außerdem habe ich häufig nachts so starke Magenschmerzen, wenn ich mich auf die Seite drehe, dass ich nur auf dem Rücken liegen kann. Auch habe ich gelegentlich so starke Schmerzen, dass mein Kreislauf kurz Probleme macht. Ich muss einen Termin bei der Hausärztin vereinbaren und dann vermutlich zu weiteren Fachärzten. Es nützt ja nichts, denn irgendwas ist ja und die Werte zeigen an, dass etwas nicht stimmt.
Zwar kann ich froh sein, dass die Lymphknoten scheinbar in Ordnung sind, aber ansonsten haben sich eher neue Probleme aufgetan.
Ebenfalls frustrierend ist, dass die HAWLIK Beweglichkeit Vitalpilzmischung nicht mehr hilft, denn meine Haut juckt einfach weiter. Währenddessen falle ich von einem Loch ins nächste.
Auch am nächsten Tag dreht sich mein Gedankenkarussell weiter. Gesund kann es auch nicht sein, wenn man im Kopf so merkwürdig tickt.
Am Abend, ich telefoniere gerade mit Loerz, versucht jemand mich anzurufen. Ich sehe die Nummer und bin sicher, dass es der Hautarzt ist. Wenn er nur einen Tag nach meinem Termin anruft, kann das keine guten Nachrichten bedeuten. Die Anspannung steigt, ich nehme ab. Es ist der Arzt und er sagt, dass er mit der Oberärztin über die Ergebnisse der Lymphknotenuntersuchung gesprochen hat. Es wurden keine Veränderungen festgestellt, es muss nichts unternehmen werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören in Zukunft weiter zu meinem Leben. Okay, das ist okay für mich. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung liegen vor. Im Großen und Ganzen ist alles im Rahmen, lediglich die weiterhin sehr niedrigen Lymphozyten sollten besser mal von einem Hämatologen untersucht werden. Er sieht da keine Eile und geht davon aus, dass es keine große Sache ist. Abklären sollte man es aber, was er auch im Arztbericht erwähnen wird. Einerseits ist es beruhigend, dass er meint, ich solle mir keine Sorgen machen, weil die anderen Werte gegen ein großes Problem sprechen. Andererseits fand der Arzt meines Vaters dessen Blutwerte auch gut und nicht passend zum Bauchspeicheldrüsenkrebs. Seine Prognose war, dass es bei so guten Werten nicht so schlimm sein kann. Nun, kann man vermutlich nicht vergleichen, ist aber in meinem Kopf. Dennoch bin ich nach dem Gespräch nicht mehr ganz so angespannt, wie vorher. Diese ständige innere Anspannung und diese deprimierenden Gedanken sind sowieso nicht gesund. Ich werde, sobald mir der Arztbericht vorliegt, einen Termin in der Hämatologie machen und dann sehen wir weiter.
Das Warten auf die Befunde hat mir immer die grössten Probleme gemacht.
Nicht zu wissen, ob was ist und was es sein könnte, hat mich 24/7 beschäftigt.
Sobald mal eine zuverlässige Diagnose da ist, ist es dann wieder leichter zu fokussieren.
Also zumindest bei mir war das der fall, als ich angefangen abzunehmen, ohne zu wissen wieso, und ich dann von (a) wie Amöbenruhr, über (b) wie Bandwurm bis (z) wie Zirbeldrüsenkrebs in meinem Kopf alles durchgegangen bin, weil die Befunde so lang gedauert haben….
Das Warten hasse ich auch. Auch das Warten auf Termine, wenn man schnell einen braucht bzw. glaubt, dass man schnell einen braucht.
Wobei: Wenn die Ärzte nach der ersten Untersuchung plötzlich hektisch werden, und man schnell Termine einschiebt, macht es mir noch mehr Angst. 😉
Stimmt. Oder wenn plötzlich das Gespräch verstummt und sie ganz konzentriert etwas überprüfen/untersuchen.