Das vierte Treffen findet wieder bei Karo statt. Wie inzwischen üblich, erwarten mich Karo und der weiße Hund draußen, um mir einen Parkplatz zu zeigen. Eine kleine Tradition, die mir wirklich gut gefällt. Erst wird der weiße Hund begrüßt, dann gibt es eine Umarmung. Da dabei Oxytocin freigesetzt wird, dauert die Umarmung einen Moment länger. Besser kann ein Treffen kaum beginnen.
Später gehen wir einkaufen, weil wir gemeinsam kochen wollen. Auch das funktioniert so mühelos wie bisher alles, was wir zusammen machen. Beim Kochen beschränkt sich mein Beitrag darauf, ein bisschen Gemüse zu schneiden und in der Küche anwesend zu sein. Auch das verläuft harmonisch. Erneut fällt mir auf, dass ich viel schneller rede, als ich reden möchte. Hier besteht noch Verbesserungspotential. Ich finde es nicht cool, dass ich immer so schnell rede. Das ist wenig souverän und oft unangebracht. Ich bin sicher, vor vielen Jahren konnte ich zumindest gelegentlich langsam und deutlich sprechen.
Die Spaghetti Bolognese gelingen gut. Kein Vergleich zu den ersten Spaghetti, die ich damals mit Birte zu mir genommen habe. Damals war ich allerdings auch für die Spaghetti zuständig, was einiges erklärt.
Die Zeit vergeht wieder viel zu schnell. Unseren Plan, einen Film zu schauen, müssen wir verwerfen. Zeit ist nur noch für eine Serienfolge, von der wir dann allerdings nichts mitbekommen, weil wir Oxytocin herstellen müssen. Das ist auch etwas, was mir an diesen Kennenlernphasen gefällt. Alles ist vollkommen entspannt, man ist sehr rücksichtsvoll, aufmerksam und lässt sich vom Alltag kaum ablenken. Man lebt einfach nur im Moment. Sogar ich schaffe es, nachsichtig mit mir zu sein. Unverkrampft und nicht von Zeitplänen getrieben, die sich nur in meinem Kopf abspielen.
Es sind Momente völliger Alterslosigkeit, die ich sehr schätze. Von mir aus könnte es genauso weitergehen. Blöd ist nur, dass die Kennenlernphase laut diversen Quellen spätestens nach 36 Monaten endet. Andererseits sind 36 Monate nicht zu verachten. Danach beginnt angeblich die Phase, in der man sich gegenseitig nervt. An der habe ich schon jetzt kein Interesse. Und wozu es nach der Nervphase noch eine dritte Phase geben muss, verstehe ich auch nicht. Die kann einem doch gar nicht guttun.
Ich finde, wir sollten einfach mit der Kennenlernphase weitermachen und aufhören, wenn wir merken, dass wir uns nerven. Vermutlich ist das unreif und unangemessen, so zu denken. Mir gefällt die Vorstellung trotzdem.
Kennenlernphasen sollten nie enden. 36 Monate erscheinen mir sehr lang.
Und doch sind 36 Monate schnell vorbei.
Die Zeit ist viel kürzer, wollte ich damit sagen. Sich wirklich kennen ist sicher noch was anderes.
Wie kurz? Und ist es unabhängig davon, wie oft man sich sieht?
Dass die schöne Kennenlernphase viel kürzer ist. Wird wohl individuell sein. Aber seltenes Sehen erhöht die Erwartung an die Begegnung.
Aus Erfahrung habe ich gelernt, wenn man sich nicht so oft sieht, kann es sich bis zum Nerven länger hinziehen. Öfter sehen, schnelleres Ende z. B. Ist manchmal besser.
Ich will gar kein schnelleres Ende, aber dennoch die Nervphase nicht erreichen.
Gibt es da nichts von ratiopharm?
Warum denkst, dass seltenes sehen die Erwartung erhöht?
Wenn sie dich anfangs nicht genervt hat, ist es unwahrscheinlich, dass sie das später intensiviert.
Normalerweise hat man am Anfang während der Datingphase die intensivste Nerverei durch die Shittests. Oder Du hast diese durch deine gestählte Psyche einfach nicht bemerkt und deswegen bestanden. Doch in der Regel soll man das bemerken und es sich nur nicht anmerken lassen.
Also gerade mit den Jahren ist mein Nervenkostüm immer dünner geworden und daher hab ich die Daterei irgendwann ganz gelassen. Zumal sich die Situationen wiederholten und man keineswegs immer gestärkter aus ihnen hervorgeht oder wie man sagt, ‚dazu lernt‘.
Aber gut. Geh nicht immer vom Schlimmsten aus. Sei froh dass es bei Dir funktioniert und hinterfrage nicht gleich immer, wenn’s mal gut läuft.
Wenn am Anfang der Datingphase intensiv genervt wird, dann hat es doch gar keinen Sinn weiterzumachen. Das kann dann doch nichts werden.
Was denn für Shittests? Das klingt schon gruselig.
Ich gehe nicht vom Schlimmsten aus … Das wäre kontraproduktiv.
Wie wäre es, nach den 36 Monaten des Kennenlernens einfach gleich in die Post-Ex-Phase einzutreten, wo man sich nach Trennung, Zölibat, Verrentung und mehreren Todesfällen plötzlich wieder interessant findet? Nur so eine Idee.
Fangen die 36 Monate dann von vorne an?
Ich glaube nicht, dass es funktionieren kann. Was vorbei ist, ist vorbei.
Zölibat? Genau meine Welt. 😳
Man kann sich mehr bemühen.
Weil ich es jahrelang so erlebt habe.
Deine Erwartungen waren höher, weil ihr euch nur selten gesehen habt?
Das war damals beidseitig. Man sieht sich wenig, also muss das dann besonders sein. Auch wenig Verständnis, wenn man nicht funktioniert hat und unterschiedliche Vorstellungen von der gemeinsamen Zeit. Das wenige Sehen verkomplizierte das und zog das Drama unnötig in die Länge.
Verstehe. Das kann dann auch nichts Gutes werden. 😳
Deswegen Zeit zusammen genießen und nicht so viel drüber nachdenken. Wenn es passt, nervt man sich irgendwann vielleicht gar nicht. 🙃
Guter Plan.
Hallo Doc!
Solche Geschichten erhellen die trüben Tage in D. Du zauberst ein Lächeln in mein leicht verbittertes Gesicht !
Danke dafür und ich freu mich für dich.
Übrigens: Manche 36 Monate dauern ganz viel länger……
Das freut mich, dass es einen der vielen trüben Tage erhellen konnte.
36 ist auch keine wirklich schöne Zahl.
„Das ist auch etwas, was mir an diesen Kennenlernphasen gefällt. Alles ist vollkommen entspannt, man ist sehr rücksichtsvoll, aufmerksam und lässt sich vom Alltag kaum ablenken. Man lebt einfach nur im Moment. “ Schön gesagt! Möge es andauern.
Wir werden sehen. 🙂