Als ich die Termine vereinbart habe, habe ich nicht bemerkt, dass sie alle innerhalb einer Woche sind. Jetzt, wo ich es weiß, finde ich es irgendwie anstrengend und habe keine Lust darauf.
Mit dem Augenarzttermin am Montag beginnt die Arztwoche. Da ich nach der Untersuchung nicht Auto fahren darf, bringt Petra mich zur Praxis. Dazu muss sie extra ein paar ihrer Überstunden opfern. Umgekehrt wäre das nicht möglich, da ich weder Überstunden habe, noch einfach so während eines Arbeitstages eine Weile verschwinden könnte.
Wie immer ist der Sehtest lustig, aber mehr auch nicht. Zahlen raten, dann aufgeben. Ich bin wie immer nicht ganz bei der Sache. Ich bekomme Tropfen zur Pupillenerweiterung. Alles wie immer.
Als ich im Behandlungszimmer sitze und der Arzt sich die Werte des Augendrucks ansieht, ist es nicht mehr wie immer, denn der Augendruck ist zu hoch. Er liegt bei 27. Der bisher höchste Wert, den ich je hatte. Der Arzt schaut sich die Sehnerven an. Noch keine Veränderungen. Wir vereinbaren, dass ich schon in drei Monaten zur Kontrolle wiederkomme. Ist der Augendruck dann immer noch so hoch, muss ich Augentropfen nehmen.
Ich muss einen anderen Weg finden, denn die Augentropfen haben bekanntermaßen Nebenwirkungen, die früher oder später zu weiteren Medikamenten führen. Eine Endlosschleife, die erst mit dem Tod unterbrochen wird. Das möchte ich mir ersparen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Nun habe ich eine weitere gesundheitliche Baustelle, um die ich mich kümmern muss. Hoffentlich sind die beiden anderen Arzttermine nicht ähnlich deprimierend.
Zunächst von mir unbemerkt gerate ich unter Stress, suche nach Lösungen, befrage das Internet, nutze KIs, schreibe mit Agnes. Kompletter Informationsüberfluss. Mein Mittagessen schlinge ich herunter. Obwohl ich die meisten Dinge längst mache, steigere ich mich immer weiter hinein und sitze plötzlich mit Durchfall auf der Toilette, was mich noch mehr stresst. Ich kann etwas nicht kontrollieren und komme damit nicht klar.
Auf ein wirklich entspannendes Level komme ich heute nicht mehr. Die Nacht bringt erwartungsgemäß wenig Schlaf. Mal schwitze, dann friere ich trotz Heizdecke. Ich bin maximal verspannt und habe das System komplett überfordert. Für dieses Leben bin ich nicht geeignet.
Ich halte das Stresslevel aber aufrecht, denn nach der Arbeit habe ich den nächsten Arzttermin. All mein Wissen und alle Strategien, nicht so gestresst zu sein, zerschellen an meiner Überforderung und daran, Dinge nicht akzeptieren zu können. Wieder einmal möchte ich nicht ich sein.
Ganz früher, als man noch wirklich jung war, hätte man gesagt: Jetzt ein schöner Blowjob, dann sieht die Welt ganz anders aus. Einfach zurücklehnen und die Frau machen lassen. So etwas darf man heute nicht einmal mehr denken. Bei der Gelegenheit fällt mir auf, dass ich mich an den letzten Blowjob – ich weiß, verbotenes Wort – nicht einmal erinnere. 2018 oder 2019 müsste es gewesen sein. Eine Zeit, die ich am liebsten komplett löschen würde, denn danach hatte ich kein Sexleben mehr, und das ist mit ein Grund, warum ich nachher beim Arzt sitze und weshalb ich aktuell mehr Arzttermine habe. Großartig, so wird aus einem pubertär-lustigen Gedanken ein deprimierender Gedankengang. Das hab ich wirklich prima hinbekommen.
Im Büro bin ich zu nichts zu gebrauchen, friere ständig und verbringe viel Zeit auf der Heizung. Alles tut mir weh, ich kann mich kaum bewegen. Als hätte ich einen Infekt. Es kann aber auch Muskelkater sein. Oder Altersschwäche.
Der zweite Arzttermin der Woche verläuft ebenfalls unbefriedigend. Zunächst weiß der Arzt nicht, warum ich denn die beiden Blutwerte habe testen lassen, und verwechselt mich mit einem anderen Patienten. Da bin ich wohl wieder in einer Sackgasse gelandet.
Die beiden Blutwerte – Thioether und Mercaptane – sind im grünen Bereich. Das ist gut, aber damit ist ein Ansatz verloren und wir müssen einen anderen Weg finden. Der Arzt findet, ich nehme schon vieles richtig ein, um das Immunsystem zu stärken. Da der Darm für ein funktionierendes Immunsystem entscheidend ist, schlägt er mir zwei Probiotika vor, die ich nehmen soll, bevor ich in zwei Monaten wiederkomme. Es braucht alles seine Zeit, sagt er. Nun, seit sechs Jahren versuche ich es schon, das ist meiner Meinung nach eine lange Zeit. Da ich im Moment keine anderen Ansätze habe, werde ich es mit den beiden Produkten versuchen. Und Stress ist, so sagt er, ungesund und sollte vermieden werden. Ich muss echt mehr atmen. Einfach nur atmen.
Zum Thema Augendruck sagt er, dass es auch eine fehlerhafte Messung gewesen sein könnte. Ich kann durchaus Taurin nehmen, aber er geht davon aus, dass bei der nächsten Messung wieder alles in Ordnung sein wird. Ich weiß ja nicht.
Zurück zu Hause bin ich weiter zu nichts zu gebrauchen und liege zunächst auf dem Sofa, dann auf dem Boden, weil ich so verspannt bin, dass mir alles wehtut. Natürlich weigere ich mich, eine Ibuprofen zu nehmen.
Um 21.00 Uhr liege ich im Bett auf der Infrarotmatte. Auf mir das warme Bettzeug, darüber die Heizdecke. Ich kann nicht behaupten, dass das zu warm ist.
Die Nacht ist besser als die vorige, aber teilweise habe ich durch die Verspannungen starke Kopfschmerzen, was mich wenig begeistert. Irgendwas an meinem System ist mächtig verstellt und durcheinander geraten. Die Woche muss sich echt anstrengen, um nicht als totale Enttäuschung in Erinnerung zu bleiben.
Verspannt geht es durch den Mittwoch. Ich bestelle Taurin und Omega 3. Das bin ich meinen Augen einfach schuldig.
In der Nacht zu Donnerstag schlafe ich erstmals normal und fühle mich am Morgen nicht mehr, als könnte man mich direkt entsorgen. Lediglich meine Bronchien fühlen sich weiter merkwürdig an. Tiefes Einatmen geht nicht problemlos. Vielleicht habe ich tatsächlich eine Art Infekt.
Am Freitag schlafe ich aus, fühle mich fast gesund und fahre nach dem Mittagessen zur Zahnarztpraxis. Eine junge, ganz entzückende Ärztin bespricht alles mit mir. Sie schaut sich das mitgebrachte Röntgenbild, die beiden Blutwerte und meine Zähne an. Der wurzelgefüllte Zahn ist offensichtlich nicht ganz in Ordnung, aber weil die Blutwerte okay waren, kann man den erstmal beobachten, wobei er besser nicht mehr in mir sein sollte. Sie erzählt mir von NICOs, die neuerdings auch FDOK heißen. Bei dem Thema bin ich grundsätzlich skeptisch, erkläre mich dennoch zu einer Blutuntersuchung bereit, um die RANTES-Entzündungswerte bestimmen zu lassen. Außerdem bin ich bereit, einen Speicheltest zu machen, um festzustellen, ob es metallischen Abrieb in meinem Mund gibt. Auch da bin ich skeptisch, aber ich bin hier, also muss auch etwas passieren. Den Speicheltest kann ich zu Hause machen, zur Blutabnahme muss ich einen Termin mit der Hausärztin vereinbaren.
Am Abend habe ich wieder Probleme beim tiefen Einatmen, weshalb ich die Tacholiquin-Lösung inhaliere. Anfangs ist es sehr unangenehm, dann scheint sich etwas zu lösen. Das spricht möglicherweise für einen Infekt. Kann im Februar durchaus vorkommen.
In der Nacht wache ich auf, weil mir kalt ist. Erst die Infrarotmatte wärmt mich irgendwann auf. Danach wird mir nicht mehr kalt. Dafür weckt mich gegen 06.30 Uhr ein Wadenkrampf. Möglicherweise der schmerzhafteste Krampf, den ich jemals hatte. So richtig prickelnd finde ich das alles gerade nicht. Als der Krampf nachlässt, gehe ich ins Bad und reibe die Waden mit Magnesiumöl ein.
Nach dem Frühstück inhaliere ich erstmal. Rasch löscht sich Schleim und zwingt mich zum Husten. Alles sehr merkwürdig. Meine Haut an den Augenlidern ist extrem trocken und schuppig. Sie tut weh. Unter dem rechten Augen und rechts über dem Mund befinden sich weitere trockene Stellen. Auch das ist schon seit ein paar Tagen so und wurde erst besser, nachdem ich die Stellen mit dreiprozentiger Wasserstoffperoxid-Lösung abgetupft habe. Gut, ist es aber noch immer nicht.
Noch am Samstagvormittag fahren Petra und ich in den Ruhrpark. Ich will mir ein paar coole Sachen kaufen, werde aber nicht fündig, während Petra sofort in eine Art Kaufrausch gerät.
Unser Mittagessen nehmen wir bei noosou zu uns. Eigentlich sind wir zu alt für so mittelmäßiges Essen und fragen uns, warum wir ausgerechnet dieses Express-Restaurant ausgewählt haben. Manchmal sind wir echt nicht zurechnungsfähig. Wir essen nicht einmal auf und hoffen, dass wir in Zukunft besser überlegen, wo wir unsere Mahlzeiten zu uns nehmen.
Im Anschluss kauft Petra weiter ein, während ich absolut nichts finde, was meinen Ansprüchen genügt. Obwohl wir den heißesten Februar seit Erfindung von sogenannten Wetterexperten haben, finden wir es viel zu kalt und auch der leichte Schneefall kann uns nicht davon überzeugen, dass es viel zu warm für diese Jahreszeit ist.
Als wir zurück sind, stelle ich alle Tätigkeiten ein, liege mal hier, mal da und inhaliere mit der Tacholiquin-Lösung. Den Rest des Tages mache ich fast nichts, vor dem Schlafen inhaliere ich noch einmal.
Das Training am Sonntag lassen wir ausfallen. Weil ich faul bin, es im Fitnessstudio zu kalt ist und mein Körper durch irgendwas geschwächt ist. Keine guten Voraussetzungen, um zu trainieren.
Beim nachmittäglichen Spaziergang habe ich Probleme mit dem Einatmen der kalten Luft.
Alles in allem war die Woche wenig überzeugend. Fast so, als hätte ich gesundheitliche Probleme, die Außenstehenden aber nicht auffallen.
Morgen werde ich mich um die Proben kümmern und Mitte Mai werden die Ergebnisse besprochen. Bis dahin muss ich wieder fit werden, weil es keine Lösung sein kann, nicht fit zu sein.