Von der Großen erfahre ich, dass heute der Dorfabend in Brambauer stattfindet. Das klingt ein wenig wie die After-Work-Partys in Lünen und Waltrop. Die konnten mich nicht wirklich überzeugen, weshalb ich Petra und Manni darüber informiere, dass wir um 18:30 Uhr hingehen.
Wir treffen uns pünktlich und gehen Richtung des Feierabendmarktes. Wir alle sagen auf dem Weg mehrfach, dass wir nicht dahin wollen, aber wenn ich einmal einen Plan gefasst habe und auf dem Weg bin, kehre ich nicht um.
Im vorderen Bereich sind Bänke und Tische, an denen die Älteren mit meist weißen Haaren untergebracht sind. In spätestens zehn Jahren dürften wir zu dieser Gruppe gehören. Kaum sind wir an den Älteren vorbei, wird es Manni zu viel. Noch bevor wir den ersten Getränkestand erreicht haben, dreht er sich um und haut ab. Keine Ahnung, was ihn dazu bewegt, aber wir versuchen nicht, ihn aufzuhalten. Für mich ist das hier die kleine Version der After Work Party in Lünen. Dort fand er es ganz gut, deshalb verstehe ich seine Flucht nicht. Aber ich muss auch nicht alles verstehen.
Petra holt sich eine Bratwurst, ich grüße eine ehemalige Nachbarin. Im Anschluss stelle ich das Grüßen für den Rest des Aufenthalts ein. Ich sehe ein paar Leute, die ich flüchtig kenne. Sehe eine Frau, mit der ich in einer Klasse war und einen Mann aus einer Nebenklasse. Bei allen anderen kann ich nicht zuordnen, ob und woher ich sie möglicherweise kenne.
Wir stellen uns etwas an den Rand, unterhalten uns und ich schaue mich um. Was schon auf dem Brambauer Weihnachtsmarkt für Irritation sorgte, fällt auch hier auf. Der Großteil der Bevölkerung des Ortes ist nicht an dieser Veranstaltung interessiert und so ist der offensichtliche Ausländeranteil gering bis nicht existent. Wenn man sonst durch den Ort geht, hat man eher das Gefühl, man befände sich außerhalb Deutschlands. Nun kommt es mir vor, als wären wir zurück in der Vergangenheit. Ich kann nicht sagen, dass mir das nicht gefällt. Okay, das darf man vermutlich nicht einmal denken, aber es ist doch nicht meine Schuld, dass es so ist. Vielleicht sollte man diesen Dorfabend verbieten. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß, dass manche Bevölkerungsgruppen derart ausgeschlossen werden. Auch wenn es möglicherweise keine Absicht ist. Hier muss die Politik jedenfalls schleunigst eingreifen. Und Regenbogenfahnen sollte man auch zur Pflicht machen. Sonst könnte man glauben, wir seien auf einem Fest der ewig Gestrigen. Möglicherweise eine Veranstaltung von Rechten, im schlimmsten Fall eine Naziveranstaltung, ein AfD-Treffen. Das möchte ich nicht, denn Deutschland ist bunt.
Nachdem mir all das klar geworden ist, verlasse ich den Dorfabend, weil ich merke, dass es mir durchaus gefällt, mich zu fühlen, als wäre ich in der Zeit zurückgekehrt, auch wenn alle viel älter als damals aussehen und nur noch eine begrenzte Restlaufzeit haben.
Sollten die äußeren Bedingungen stimmen, kehre ich vielleicht irgendwann wieder, um zu schauen, wie sich die ganze Sache entwickelt hat.