Als ich vor vielen Jahren ein Vorzeigearbeitsloser mit Zukunft war, habe ich meine Wohnung fast jeden Samstag anständig geputzt. Es war quasi ein Ritual, welches mir Halt und der Wohnung ein besseres Aussehen gab. Jederzeit hätte mich jemand spontan besuchen können, denn es war immer aufgeräumt und sauber. Seit ich arbeite, ist das anders. Meine Wohnung ist zwar meistens oberflächlich in Ordnung, aber spontane Besucher, die etwas genauer hinschauen, würden erkennen, dass sie zu Gast bei einem Schmierfink sind. Zum Glück gibt es keine spontanen Besuche. Und wenn jemand auf die Idee kommen sollte, spontan bei mir anzuschellen, wird es vermutlich zu nichts führen, da ich selten auf spontanes Klingeln reagiere.
Glücklicherweise bekomme ich in der Regel nur freitags oder an meinem Geburtstag Besuch, sodass ich vorher immer aufräumen und putzen kann. Das sind mittlerweile fast die einzigen Tage, an denen ich tatsächlich putze. Wobei es sich freitags meist auf das Badezimmer beschränkt, weil ein schmutziges Badezimmer irgendwie ekelig ist. Wenn ich niemanden erwarte, lasse ich es schleifen und die Wohnung vor sich hingammeln. Noch gibt es zum Glück eine persönliche Grenze, die mich davon abhält, zusammen mit meiner Wohnung komplett zu verwahrlosen. Wenn diese erreicht ist, putze ich auch mal, ohne Besuch zu erwarten, etwas gründlicher. Doch irgendwann wird auch das sicher nicht mehr der Fall sein und der Schmierfink, der einst als eine Art Putzteufel aktiv war, wird seine Wohnung vor lauter Faulheit immer weiter vergammeln lassen.
Ich kann nicht ausschließen, dass ich, spätestens wenn ich nicht mehr arbeiten muss, auch vollkommen verwahrlose. Dass ich je wieder ein sauberer und regelmäßig putzender Vorzeigearbeitsloser werde, kann ich mir dagegen beim besten Willen nicht vorstellen.