Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir uns das letzte Mal getroffen, als sie ihr Audi TT Cabrio noch nicht so lange hatte. Wir wollten das Treffen wiederholen, aber es kam aus ungeklärten Gründen nicht dazu. Das Cabrio ist mittlerweile Geschichte, möglicherweise sind zehn oder mehr Jahre vergangen. Es können auch weniger gewesen sein, aber wahrscheinlich ist das nicht. Seitdem gab es neben Geburtstags-, Weihnachts- und Neujahrsgrüßen wenig Kontakt, weil man sich nicht trifft, wenn man es nicht vereinbart.
Als wir uns neulich zufällig begegneten, verblieben wir so, dass wir demnächst zusammen frühstücken. Es bestand durchaus die Möglichkeit, dass wir es, wie so oft, dabei belassen hätten. Doch dieses Mal blieb es nicht bei einer einfach so dahingesagten Option.
Und so gehen wir jetzt zur Bäckerei Kanne und bestellen Frühstück. Kaum habe ich ein vegetarisches Frühstück bestellt, heißt es, dass es das nicht gibt. Nur, was auf der Karte steht. Auf der Karte steht allerdings an dritter Stelle „Münsteraner Veggie”. Ich will gerade darauf hinweisen, da wird mir mitgeteilt, dass nur Frühstück 1 und Frühstück 4 zur Auswahl stehen. Ich entscheide mich für die 1, die Große wählt die 4.
Der Mann, der das Frühstück zubereitet, fragt, ob ich Zwiebeln auf dem Mett will. Ich will gar kein Mett, sondern eine Scheibe Wurst. Sofort weist eine andere Mitarbeiterin darauf hin, dass man zwar Sachen weglassen, aber nicht durch andere ersetzen darf. Die Große will sich aufregen, aber das macht keinen Sinn. Ich sage, dann soll er halt das Mett weglassen. Wir beschließen, dass wir hier nie wieder frühstücken werden.
Mit dem Frühstück nehmen wir Platz und sind erstaunt, wie gut der Laden läuft und wie viele Leute hier einkaufen. Wirklich gemütlich finden wir es nicht. Meine Nachbarin, die viel Zeit in dieser Bäckerei verbringt, kommt zu uns. Sie hat mal wieder ihren Schlüssel in der Wohnung vergessen und fragt, ob ich ihre Tochter anrufen kann. Ein Klassiker. Sie zieht ständig die Tür zu und vergisst ihren Schlüssel. Die Tochter informiert den Pflegedienst, der irgendwann mit dem Ersatzschlüssel kommen wird. Vielleicht wäre es nicht so verkehrt, wenn ich auch einen Schlüssel hätte.
Das Frühstück ist auch ohne Mett gut, und wir haben viele Gesprächsthemen. Irgendwann kommt einer der Versehrten dieses Ortes in die Bäckerei. Laut begrüßt er alle, fragt, ob es allen gutgehe, und redet davon, dass morgen ein Feiertag sei. Keiner der Gäste scheint sich daran zu stören, vielmehr wirkt es so, als kenne man seine Auftritte bereits. Einigen Gästen schenkt er Taschentücher. Unseren Tisch meidet er. Ich erinnere mich, dass er nicht immer so war. Nachdem er verrückt wurde, trug er eine ganze Weile einen weißen Sommaranzug, dazu einen weißen Hut. Er wirkte auch damals schon entrückt. Heute nur noch verrückt. Aber er scheint harmlos zu sein. Sicher sein kann man aber nie. Einen Führerschein hat er, wenn ich mich nicht irre, nicht.
Mehrmals kommt die ungeduldige Nachbarin an unseren Tisch, will und Kaffee ausgeben, möchte, dass ich ihre Tochter anrufe, rennt vor die Tür und kommt wieder zurück. Einerseits surreal, aber scheinbar doch normal. Werde ich auch so enden? Und werde ich es wissen, wenn es so weit ist?
Wir bleiben über zwei Stunden an unserem Platz, dann verlassen wir die Bäckerei. Weil es keinen Sinn macht, wenn man sich vornimmt, ein Treffen zu wiederholen, aber nichts Konkretes ausmacht, einigen wir uns am Nachmittag darauf, dass wir am 17. Januar wieder frühstücken gehen. Nur halt nicht in der Bäckerei Kanne, die sich zwar günstig in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung befindet, uns aber nicht überzeugen konnte.