Die letzten Tage von Zahn 16

Zahn 16 macht in unregelmäßigen Abständen Probleme, doch zu einer Entfernung konnte ich mich bisher nicht durchringen. Am 6. März fällt auf, dass mein Atem nach Entzündung riecht. Nichts ist peinlicher als Mundgeruch. Und nichts unangenehmer. Einfach nur abstoßend. Irgendwie widerlich. Zumindest, wenn ich so stinke.
Später kontrolliere ich den Bereich um Zahn 16, komme aber zu keinem befriedigenden Ergebnis, da meiner Meinung nach der Geruch von Zahn 17 ausgeht.

Tage später bin ich noch immer ratlos und bekomme Zahnschmerzen. Das ist nicht ungewöhnlich, da Zahn 16 seit Jahren immer mal wieder für Aufmerksamkeit sorgt. Es sind die subtilen Zeichen, die ich konsequent ignoriere. Vielleicht sollte ich ihn endlich erlösen. Oder mich vor ihm.
Schmerzen bereitet ebenfalls das Zahnfleisch über Zahn 17. Zumindest fühlt es sich so an. Da ich den Bericht der 3D-Röntgenaufnahme erst Anfang Mai bekomme, nehme ich ein Zahninstrument und stochere oberhalb der Kronen beider Zähne herum. Es scheint, als könnte ich bei Zahn 16 tatsächlich in den Zahn hineinstoßen. Jedenfalls tut es weh. Vielleicht sind auch beide Zähne Schrott. Also schreibe ich am Donnerstagabend der Zahnarztpraxis und frage, ob beim 3D-Röntgen etwas Auffälliges zu sehen war, da ich aktuell Probleme habe.

Schon am nächsten Abend ruft mich die Zahnärztin an und bestätigt, dass die Aufnahme eine leichte Entzündung an der Wurzelspitze bei Zahn 16 zeigt. Sie ist da seit Jahren und fühlt sich offensichtlich wohl. Der Zahn sollte meinen Körper verlassen. Eile besteht nicht. Wir vereinbaren, Anfang Mai wieder zu telefonieren und dann entscheiden, was zu tun ist.
Ich setze mir jedoch in den Kopf, ihn direkt am kommenden Montag beim Kontrolltermin entfernen zu lassen – sofern die Praxis das macht. Begründen kann ich es mit Schmerzen, Mundgeruch, erhöhten Entzündungswerten und meiner Grunderkrankung. Sollten sie keine Zeit haben, besteht allerdings die Gefahr, dass ich es wieder monatelang hinausschiebe, weil sich manchmal merkwürdige Dinge in meinem Kopf abspielen, die mir Angst machen und eine Zahnentfernung sinnvoll erscheinen lassen.

Am Montag bin ich um 05:15 Uhr wach und nicht mehr wirklich entspannt.
Gegen 08:50 Uhr finde ich immer mehr Gründe, die gegen eine Zahnentfernung sprechen. Gute Gründe, wie ich finde. Alles Unsinn, wie ich weiß. Um mich selbst irgendwie zu überzeugen, stochere ich erneut mit einem Zahninstrument in dem Bereich über der Krone herum. Keine Schmerzen. Es ist schwer, eine Stelle zu finden, die empfindlich reagiert. Das überzeugt mich nicht. Also rede ich mir ein, dass die leicht entzündete Zahnwurzel mein Immunsystem belastet und dafür verantwortlich ist, dass meine Haut gerade mehr Probleme macht. Erwartungsgemäß schlägt mir das alles auf den Darm.

In der Praxis weise ich sofort auf meine Probleme und meinen Wunsch hin. Der Zahn wird erneut geröntgt. Diesmal zeigt sich, dass nur eine der Wurzeln leicht entzündet ist – was mich überrascht, denn auf der Aufnahme im Dezember waren noch alle betroffen. Die Zahnärztin bietet eine Wurzelspitzenresektion an, die ich sofort ablehne. Das hat bei einem anderen Zahn nichts gebracht, und ich habe beschlossen, so etwas nicht mehr machen zu lassen. Also einigen wir uns darauf, dass er entfernt wird. Aber nicht heute. In zwei Wochen. Ein anderer Arzt aus der Praxis wird das übernehmen. Der Termin wird auf 30 Minuten angesetzt und mir wird ein Antibiotikum aufgeschrieben, das ich bei Bedarf nehmen soll. Ich sage, dass ich davon nichts halte und seit Langem keine Schmerzmittel genommen habe. Ich will, dass es ohne die Mittel geht. Zeit, sich zu verabschieden. Die letzten Tage von Zahn 16 haben begonnen.

4 Kommentare

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  1. Du bist manchmal echt radikal. Ich kann das allerdings gut verstehen. Vielleicht bringt die Zahnfee Glück. 🦷🧚🏻‍♀️

    Gute Besserung! 🍀

    • Wenn ich radikal wäre, hätte ich mich schon vor fünf Jahren von dem Zahn getrennt. 🙂

      Danke. Immer her mit dem Glück. 🍀