Alpträume und andere Befindlichkeiten

Seit Tagen denke ich über meine Arbeit nach und komme immer zu demselben Ergebnis. Mein Kollege sollte die Maßnahme leiten, denn er verfügt über viel mehr Fachwissen als ich. Ich verblöde immer mehr und mag keine Entscheidungen mehr treffen, ich will keine Verantwortung mehr und will unauffällig zurück in die zweite oder dritte Reihe. Ich will meine Ruhe und nicht der Entscheidungsträger sein über zwei Menschen, die intelligenter als ich sind und über mehr Fachwissen als ich verfügen. Sollte die Maßnahme tatsächlich ein Jahr verlängert werden, was sich diese Woche entscheiden könnte, wäre es eine prima Idee, die internen Dinge zum Wohle aller zu verändern, was aber wohl nicht passieren wird und mich ratlos macht.

Doch nicht nur das beschäftigt mich derzeit, es scheint mehr zu sein, denn ich bin seit einer Weile total angespannt, verspannt, leer, ziehe mich in mich zurück, beobachte und habe Magen- und Darmprobleme, die meiner Meinung nach von meiner totalen Angespanntheit kommen. Es fällt mir immer schwerer zu entspannen und ich finde alles, was nur minimal von meinen Routinen abweicht, total anstrengend, fast schon zermürbend. Ganz so als hätte ich eine depressive Phase. Ausgelassen sein, loslassen, lachen, nichts davon will mir gelingen. Ich bin teilweise fast schon apathisch. Es ist als hätte ich ewig nicht wirklich gelacht. Natürlich ist das nicht ganz richtig, ab und zu lache ich schon, aber ich bin so reduziert, dass alles nicht zu meinem Kern gelangt. Mein Kern ist schwarz, misstrauisch und umgeben von einer dunklen Leere. Ich spüre, es stimmt etwas nicht mit mir, doch ich komme nicht an mich ran und blockiere, was immer ich blockieren kann. Durchaus beängstigend und hoffentlich nur eine Phase. Dennoch ist es mehr als offensichtlich, dass ich mich zu verlieren scheine. Ich funktioniere in einer Art Notfallprogramm, welches mich irgendwie künstlich am Leben zu erhalten scheint. Die meisten Funktionen sind ausgeschaltet und wir sind kurz vor dem dahinvegetieren angelangt. So kann das alles nicht richtig sein. Die Frage ist, wie schaltet man mich wieder ein und was stelle ich dann mit mir an? Das ist schon gruselig seine eigene Leblosigkeit zu beobachten. Wann bin ich nur so kaputt gegangen und wieso merke ich das überhaupt noch? Gibt es nicht irgendwo einen Reset-Knopf? Und falls nicht, kann dann bitte jemand den Stecker ziehen und den Scheiß beenden?

Seit Tagen muss ich, weil ziemlich verspannt bin, die Heizdecke nutzen, um liegen und einschlafen zu können. Die Wärme hilft zum Glück sehr beim Einschlafen, was ich ganz toll finde. Auch diese Nacht träume ich von Orten, die eine Mischung aus Realität und vergangenen Träumen sind. Eine Frau kommt in dem Traum vor. Ich mag sie und als sie an dem Ort, an dem ich mich mit vielen anderen befinde, ankommt, interessiere ich mich nur noch für sie. Sie hat kein Gesicht und nicht wirklich einen Körper, obwohl sie einen Körper hat. Es ist ihre Präsenz, die ich so mag und sie möchte, dass ich mit ihr komme, sie nach Hause begleite. Meine Stimmung kippt, während wir zu ihr gehen. Ich weiß, worauf es hinausläuft und bin gestresst. Ich will nicht mit ihr schlafen, ich will nur mit ihr befreundet sein und nichts weiter. Ich verkrampfe immer mehr. Muss das alles wirklich sein? Plötzlich taucht mein Vater auf, kurz vor ihrer Wohnung, und möchte, dass ich ihm bei irgendwas helfe. Ich lehne ab, weil ich zu verspannt bin und mir mein Nacken weh tut. Er hört nicht zu, meine Wut wird stärker. Und plötzlich schreie ich ihn an, dass ich Ruhe brauche, es mir beschissen geht, ich keine Zeit für all das habe. Dann zertrümmere ich Gegenstände, trete sie kaputt, werfe sie durch die Gegend. Meinen Vater werfe ich gegen die Wand, drücke ihn dagegen, so viel Wut und so viel Kraft. Ich bin unfassbar angespannt, wundere mich, wie ich meinen kräftigen Vater so durch die Gegend werfen konnte und wache atmend, als hätte ich mich tierisch angestrengt auf. Eine Weile liege ich da, atme weiter als hätte ich trainiert und komme nur langsam zurück ins jetzt. Die grausige Verkrampfung löst sich etwas auf, ich schaue auf die Uhr. Kurz nach Mitternacht. Fast die gleiche Zeit zu der ich gestern aus einem anderen Alptraum aufgewacht bin. Darin kam möglicherweise auch mein Vater vor. Gestern wachte ich voller Angst auf, musste das Licht sofort einschalten und bräuchte eine Weile bis ich mich beruhigt hätte und wirklich wusste, wo ich bin. Ich mag meine Träume gerade nicht besonders, bin aber sicher, dass sie mir etwas sagen wollen. Vermutlich werde ich es aber nicht verstehen. Ich verstehe nie irgendwas und verdränge, was immer ich verdrängen kann.

In der nächsten Nacht ist es kein Alptraum von dem ich wach werde, dieses Mal sind es Magenschmerzen, die mich nicht schlafen lassen. Es ist kurz nach 03.00 Uhr und ich wandere durch die Wohnung, weil ich nicht mehr liegen kann. Es ist als wollte etwas mit aller Macht aus mir raus. Unterdrückte Emotionen, vermute ich, sind der wahre Grund. Wie immer habe ich keinen Zugang oder gewähre ihn nicht. Gefühle gehören verschlossen und irgendwann bringt mich das noch um. Eines Tages erhole ich mich nicht mehr, irgendwann hat es sich erledigt mit am ganzen Unterdrücken. Ich weiß ja oft schon gar nicht, was ich überhaupt empfinde, was in mir vorgeht, was ich überhaupt will. Ich spüre nur seit Tagen, dass ich etwas anderes will. Mein Leben und meine ständigen Routinen gehen mir dermaßen auf die Nerven, dass die ich eine Zerrissenheit spüre, die mich letztlich aber ratlos zurück lässt. Flucht, Flucht, Flucht, ist alles, was mir dazu einfällt. Stets dieselben Verhaltensmuster bis es wieder geht und ich weiter mache, wie bisher. Und anstatt wieder zur Akupunktur zu gehen, weil mir das gut tat, verbiete ich es mir, weil ich jeden Cent für meine Implantate sparen will. Wenn ich irgendwann tot umfalle, oder es zunächst mit einem Herzinfarkt oder Magengeschwür versuche, nützen mir meine neuen Implantate einen Scheiß. Aber beim Setzen von Prioritäten war ich schon immer ein Versager. Dafür verstehe ich es hervorragend mich zu beleidigen und abzuwerten. Ich kann echt nicht behaupten auf einem guten Weg zu sein. Trotzdem würde ich gerne weiterschlafen und falls ich doch noch halbwegs zu Verstand komme, sollte ich demnächst zur Akupunktur gehen. Und vielleicht auch mal wieder zur Massage. Und überhaupt sollte ich mehr Dinge tun, die mir guttun, aber davon habe ich nur bedingt eine Ahnung.

Freitag nach der Arbeit ist mir irgendwie übel und ich habe Magenschmerzen als ich plötzlich auch noch Kreislaufprobleme bekomme. Spontan sind meine Beine wie Pudding und ich fühle mich erschöpft. In der Hoffnung, dass eine Mahlzeit Abhilfe schafft, esse ich eine Kleinigkeit. Nach dem Essen bin ich nur noch schlapp, habe aber zu meiner Überraschung keinen zu niedrigen Blutdruck und schlafe kurz ein. Wenig später gehe ich ins Bett und schlafe ein paar Minuten. Als ich wieder aufwache fühlen sich meine Beine an als gehörten sie nicht zu mir, sie sind warm und fühlen sich an als hätten sie furchtbar anstrengenden Sport hinter sich gebracht. Ich döse verwirrt vor mich hin und frage mich ernsthaft, ob ich gestorben bin. Da ich vermute, dass sich Verstorbene so etwas nicht fragen, ist die Frage wohl unsinnig. Als Agnes anruft weiß ich, dass ich noch nicht tot bin. Nur was stimmt seit Tagen nicht mit mir und meinem Körper? Immerhin rieche ich gut, weil ich meinen Körper und meine Kleidung am Morgen mit Davidoff Cool Water eingesprüht habe. Ich könnte, wenn man mich kurz nach meinem Ableben entdeckt, eine wohlriechende Leiche sein. Gibt es auch wohlschmeckende Leichen? Ich weiß echt nicht, was ich von solch merkwürdigen Gedanken halten soll.

8 Kommentare on "Alpträume und andere Befindlichkeiten"


  1. ehrlich, das ist tragisch, ich kenne das, ich war auch in einer Führungsposition in der ich mich nicht wohlgefühlt habe, ich wollte auch zurück in die zweite Reihe, ganz schlimm ist es wenn du einfach vorgesetzt wirst und du hast keine Ahnung von dem Geschäft und keiner hilft dir. Mobbing hoch drei. ich bin damals mit Bauchschmerzen morgens zur Arbeit und total gestresst heimgekommen, kaum daheim sass ich schon wieder dort. ich weiß nicht wie ich da alles überlebt habe. bin auch mal zusammengebrochen.

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    1. Klingt irgendwie ganz schön übel.
      Bei mir ist es eigentlich alles ziemlich entspannt, nur ich bin es halt nicht. Ob zweite Reihe wirklich hilft, kann ich nicht sagen, in meinem Kopf macht es aber derzeit Sinn.

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  2. Ich wünsche mir auf der Arbeit jeden Tag ein kleines, ignorantes Licht ohne Verantwortung und Gewissen zu sein. Es erfüllt sich nicht. Wenn Sie den Notfallprogramm-aus-Reset-Neustarten-Knopf gefunden haben, sagen Sie gerne Bescheid. Gegen mein Lost-Gefühl komme ich zurzeit ebenfalls nicht an. Sie haben sehr gut beschrieben, was mir schwer fällt in Worte zu fassen. Halten Sie weiterhin durch… Ps: Gut zu riechen ist gewiss immer ein sensationeller Vorteil… :o)

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