Entzückende Geschenke – ungute Gedanken

Ich war wirklich ziemlich entspannt vor dem abgesagten Termin. Fast schon, als ginge es mich nichts an. Endgültig gekippt ist die Stimmung, als die Ärztin signalisierte, die Untersuchung sollte schon vor der Reha stattfinden. Das hat mich schlagartig in die Realität zurückgeholt.

Auf der Arbeit bin ich recht unkonzentriert, was aber nicht weiter auffällt. Dunkle Wolken hüllen mich langsam ein.

Nach der Arbeit bringe ich das Coupé zur Werkstatt und erst ein kleines Päckchen sorgt wieder für bessere Laune. Es ist das angekündigte Päckchen meines jüngsten Freundes. Als er hörte, dass es mir nicht gut geht, wollte er mir etwas schenken. Er malte mir ein Bild mit einem Oktopus, ritzte meinen Namen in einen Stein, den er im Wasser fand und kaufte mir einen kleinen Glücksbringer mit zwei Gesichtern. Als ich mitteile, dass das Päckchen da ist, startet er, natürlich mit Hilfe von Agnes, direkt einen Videoanruf. So klein und so wunderbar. Ich bin froh und dankbar, Teil seines Lebens zu sein, ihn aufwachsen und sich entwickeln zu sehen. Es mag egoistisch sein, aber ich hoffe, dass ich das noch länger kann, als es sich gerade anfühlt.

GlücksbringerDas freundliche Gesicht des Glücksbringers

Den ganzen Tag über erkundigen sich Freunde und Bekannte, wie die Untersuchung war. Wir alle müssen uns gedulden, was mir mit jeder Stunde schwerer fällt.

Mit Manni und Petra mache ich noch einen Spaziergang, aber die finsteren Gedanken setzen sich immer wieder durch, beanspruchen den Raum, den ich ihnen in den letzten Tagen nicht ließ. Das ist echt nichts für mich. Ein beknackter Psycho zu sein ist echt kein Vergnügen.

Am Abend ruft Loerz an, aber ich bin gedanklich im finsteren Tal unterwegs und wenig unterhaltsam. Wenn ich mich einmal in etwas reinsteigere, dann bin ich zu nichts mehr zu gebrauchen. Ich schaue drei Folgen Two and a half Men. Das lenkt etwas ab. Ich bin für derartige Krankheiten und körperliche Anomalien einfach nicht geschaffen. Völlig unbrauchbar.

Wir alle hoffen das Beste – doch tief im Inneren weiß ich, dass Hoffnung stets die schwächste meiner Disziplinen ist. Besonders, wenn es um mich geht.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  1. Sehr berührend mit dem jüngsten Freund und so lieb. ☺️ Du bleibst ihm erhalten und Ihr werdet bestimmt noch viele schöne Momente zusammen erleben.

    Es ist doch schön zu wissen, wievielen Menschen Du wichtig bist.