Gabriel – Die Linke

Sehr geehrter Herr Gabriel,

auf der Suche nach einem Kandidaten, der meine Stimme verdient und auch bekommt, bin ich auf Sie aufmerksam geworden. Ihre Vorstellung ist durchaus okay. Sie machen einen sympathischen Eindruck.

Obwohl ich nie Tucholsky gelesen habe, habe auch ich den Kriegsdienst verweigert. Krieg ist einfach nichts für mich. Kriegsfilme finde ich okay, aber echter Krieg geht mir dann doch zu weit und führt eh zu nix Gutem.

Sie schreiben, dass Sie im Herzen und im Kopf schon immer links waren. Ich habe mein Herz links, weiß aber noch nicht, ob ich grundsätzlich links bin. Ich suche noch immer nach meiner Mitte. Den Kampf gegen Dummheit, so fürchte ich, kann man nicht gewinnen. Dummheit breitet sich aus wie eine Seuche und es scheint kein Gegenmittel zu geben.

Ich bin übrigens auch für einen Mindestlohn, obwohl ich schon seit Jahren nicht arbeite. Ich habe mich nach meinen beiden Ausbildungen quasi zur Ruhe gesetzt. Nicht nur, weil ich grundsätzlich faul bin, sondern weil ich psychisch nicht in der Lage bin, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Einmal in der Woche betätige ich mich allerdings ehrenamtlich, weil ich einen Tag in der Woche problemlos tätig sein kann. Doch das nur am Rande.

Ich habe mich übrigens schon dagegen entschieden, der FDP meine Stimme zu geben, obwohl der Kandidat einen sehr netten Eindruck hinterlassen hat. Er ist aber leider in der falschen Partei.

Im Moment tendiere ich dazu, meine Stimme dem jungen Ding von den Grünen zu geben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, da die Partei ja damals, als der Herr Schröder, der nie seine Haare färben wollte, unser Land regierte, ja jeden Unsinn mitgemacht hat. Und ich fürchte, dass die das wieder tun, wenn sie mitregieren dürfen. Egal, ob in diesem Wahlkreis oder Deutschlandweit.

Und so sehe ich durchaus die Möglichkeit, meine Stimme für Sie zu reservieren. Was halten Sie davon? Meinen Sie, dass sich das für Sie und mich lohnen würde? Ich bitte Sie aber davon abzusehen, mir nun irgendwelche Floskeln zukommen zu lassen, um mich von Ihnen zu überzeugen. Einverstanden?

Wenn Sie also meine Stimme wollen und mich im Gegenzug keine Wahlfloskeln zukommen lassen, dann können Sie auf meine Stimme zählen.

Sollte ich bis zur Wahl nichts von Ihnen hören, gehe ich davon aus, dass Sie meine Stimme nicht brauchen und gebe Sie an jemanden, der wirklich daran interessiert ist. Dumm nur, dass bisher nur der Herr von der FDP meine Stimme will. Aber gut, das ist mein Problem und soll Sie nicht weiter stören.

Auch wenn ich nichts von Ihnen hören sollte, wünsche ich Ihnen für die Wahl und Ihren weiteren Lebensweg alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen
Herr Fischer

Sehr geehrter Herr Fischer,
ich freue mich, dass Sie sich gründliche und kritische Gedanken machen!
Eine Wahlempfehlung haben Sie sich ja im Grunde schon selbst gegeben.
Über Ihre Analyse freue ich mich, weil sie uns gemeinsam was bringt.
Und noch mehr freue ich mich, wenn Sie Ihre Stimme wirklich für mich und die Linke in die Waagschale werfen.Mit freundlichem Gruß
Udo Gabriel

© 09.2013

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