08.2008
Im Windows Messenger sehe ich, dass eine Frau mich zu den Kontakten hinzugefügt hat. Aus Neugier schreibe ich sie sofort an. Sie heißt Jenny, ist 20 Jahre und kommt aus Hamm. Meine MSN-Adresse hat sie bei Spin entdeckt und da mein Foto ihr zugesagt hat, wollte sie mich kennenlernen. Kein Problem.
Dem Foto nach ist sie nicht unbedingt mein Typ, aber Fotos sollte man eh nicht überbewerten. Als sie mir allerdings erzählt, dass sie am liebsten Schlager hört, verliere ich schlagartig das Interesse. Das törnt mich komplett ab.
Etwa eine Woche später ist sie wieder online und ich beschließe, dass ich sie noch mal kontaktiere, bevor ich den Kontakt lösche. Sie antwortet sofort. Wir texten eine Weile. Sie hat Langeweile und niemanden, der in der Woche etwas mit ihr unternimmt. Ich teile ihr mit, dass ich heute schon ausgebucht bin, morgen aber Zeit habe. Sie findet es gut und schlägt vor, zum See nach Lünen zu fahren. Den Vorschlag finde ich doof. Außerdem habe ich das Gefühl, dass sie mich verarschen will. Welche 20-jährige trifft sich sofort mit einem fast doppelt so alten Mann, mit dem sie exakt zweimal kommuniziert hat.
Trotzdem frage ich sie, wann und wo wir uns treffen sollen. Ihr Vorschlag: 14.00 Uhr in Hamm. Während ich noch überlege, fragt sie nach meiner Telefonnummer, weil man am Telefon besser einen Treffpunkt vereinbaren kann. Sehr professionell die Kleine. Ich gebe ihr meine Nummer und wenige Augenblicke später klingelt mein Telefon.
Ihre Stimme ist schrill, ihr Lachen schmerzt in meinen Ohren. Ich stelle mir vor, dass ich irgendwo mit ihr sitze und sie ständig so laut und schrill lacht, dass alle Leute sich die Ohren zuhalten müssen. Das sollte mich abschrecken. Tut es aber nicht. Offenbar bin ich nicht ganz bei Trost, denn wir vereinbaren tatsächlich ein Treffen für den nächsten Tag. Gespräch beendet.
Später schreiben wir noch einmal. Ich will noch ein Foto von ihr sehen. Sie schickt eins, auf dem sie bauchfrei in einem knallengen, gelben Top zu sehen ist. Sieht gar nicht schlecht aus. Fast sexy. Ich schreibe ihr das. Kurz darauf klingelt erneut mein Telefon. Sie ist quietschvergnügt, mein Ohr tut wieder weh. Wir telefonieren dennoch über zwanzig Minuten. Sie hat tierischen Spaß. Teilweise verstehe ich allerdings nicht, was sie sagt, da ihre Stimme einfach nicht zum telefonieren taugt. Zu laut, zu schrill, zu undeutlich.
Als sie mir erzählt, dass sie vor drei Wochen umgezogen ist, steigt mein Interesse. Sie hat eine eigene Wohnung, eine gute Figur und lacht über den Blödsinn, den ich von mir gebe. Da muss doch was gehen. Und im Bett redet sie bestimmt auch nicht, das schont meine Ohren.
Später schreibt sie mir, dass ich süß bin und sie mich schon in ihr Herz geschlossen hat. Oh Mann. Was soll denn das? Sie soll mich nicht in ihr Herz schließen. Das ist doch voll albern.
Am nächsten Tag ruft sie an und schlägt vor, dass ich direkt zu ihr nach Hause komme. Lässt sich einrichten.
Als ich bei ihr ankomme und sie die Haustür öffnet, trifft mich fast der Schlag. Vor mir steht eine zwanzigjährige Oma mit Überbiss, der dazu noch ein Zahn im Oberkiefer abhandengekommen ist. Ähnlichkeit mit der Frau von dem Foto kann ich keine entdecken. Irgendwie tut sie mir leid. Ich meine, was hat man vom Leben zu erwarten, wenn man so aussieht? Nicht viel. Ich beschließe, mit ihr und ihrem Hund eine Runde Gassi zu gehen und mich danach zu verabschieden. So gehen wir Gassi und plaudern ein wenig belanglos daher. Was in ihrem Leben wohl alles schiefgelaufen ist? Fast alles, würde ich mal behaupten. Zurück an ihrer Wohnung, teile ich ihr mit, dass ich mich nun auf den Weg mache. Sie scheint nichts anderes erwartet zu haben. Kurz bevor ich in mein Auto steige, entdecke ich etwas ganz und gar Abscheuliches. Unter den Armen hat sie mehr und vor allem längere Haare als ich. Mir bleibt aber auch nichts erspart. Ich steige in mein Auto und bin weg. Mir reicht es für heute.
Meine Dates werden auch immer gruseliger. Vielleicht sollte ich einfach mit diesem Blödsinn aufhören. Dennoch darf das Positive an diesem Date nicht unerwähnt bleiben: Ich war an der frischen Luft.