Luisa

12.2009 – 01.2010

Dezember 2009. Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass ich mich mit einer 20-jährigen getroffen habe. Zeit, es zu wiederholen. Glücklicherweise finde ich bei tagtt eine 20-jährige, die sich bereit erklärt, sich mit mir zu treffen. Allerdings frage ich mich, ob der Altersunterschied nicht etwas groß ist. Schließlich könnte ich ihr Vater sein. Andererseits haben Johannes Heesters und Franz Müntefering sogar Frauen, die altersmäßig deren Enkelkinder sein könnten. Und da die Frauen, die meine Enkelkinder sein könnten, noch gar nicht geboren sind oder erst gerade das Krabbeln gelernt haben, hebe ich mir diesen Schritt für später auf. Jetzt geht es erstmal los zu meinem Treffen.

Mein erster Gedanke, als ich Luisa sehe, ist „Wow.” Was für eine hübsche junge Frau, die mir auf Anhieb sympathisch ist. Genau so mag ich das. Wir gehen ins Maximilian, setzen uns ins Abseits und unterhalten uns. Sie ist nicht nur attraktiv, sondern auch intelligent und humorvoll. Ich bin entzückt. Was kann man kurz vor Weihnachten mehr verlangen? Fünf Stunden lang schläft keiner von uns gelangweilt ein, dann beschließe ich, den entspannten Abend langsam zu beenden. Schließlich bin ich alt und brauche meinen Schlaf. Die Idee, sie so spät in der Nacht mit der Straßenbahn nach Hause fahren zu lassen, finde ich nicht gut, weshalb ich ihr anbiete, sie nach Hause zu fahren. Ich bin nämlich ein hervorragender Chauffeur. Sie nimmt mein Angebot dankend an. Nach wenigen Minuten ist die Fahrt zu Ende, wir verabschieden uns und ich fahre zufrieden zurück nach Hause. Einziger Wermutstropfen ist die fehlende Banane, die diesen gelungenen Abend hätte perfekt abrunden sollen. Ich sollte mir unbedingt Bananen kaufen und ich sollte Luisa nochmal treffen. Vielleicht frage ich sie einfach, was sie davon hält. Vielleicht aber auch nicht.

Sonntag, 17. Januar 2010. Offensichtlich habe ich sie zwischenzeitlich gefragt und offensichtlich hatte sie Lust auf ein weiteres Treffen, denn wir sind zusammen im Las Salinas und bin zufrieden. Gleich der erste Ausflug des Jahres findet mit einer attraktiven Frau statt. Ich wusste doch, dass dieses Jahr super wird. Luisa ist nicht nur weiterhin äußerst attraktiv, sie ist auch keineswegs langweilig oder nervig, was es sehr angenehm macht, Zeit mit ihr zu verbringen. Sie hat immer was zu erzählen und es ist nichts dabei, wovon einem schlecht wird oder was einen einschläfert. Sehr interessant. So gefällt mir das. Ich habe allerdings das Gefühl, dass ich heute irgendwie nicht in Topform bin. Ich sollte wieder öfter weggehen, da ich arg aus der Übung zu sein scheine. Regelrecht eingerostet komme ich mir vor, fast schon langweilig. Um diese mögliche Langeweile zu durchbrechen, stößt Luisa gegen 22:00 Uhr ihr Glas Cola in meine Richtung um. Vermutlich irgendein Wink mit dem Zaunpfahl, um die Unterhaltung etwas aufzuwerten. Ich würde natürlich gerne behaupten, dass sie es tut, weil sie meinetwegen so nervös ist, aber ich sollte nicht überheblich werden und werte es einfach als kleines, grundloses Missgeschick von ihr.
Während ich überlege, wie ich etwas unterhaltsamer werden kann, höre ich die längst tot geglaubte Stimme in meinem Kopf. „Sie gefällt Dir.” – „Natürlich. Sonst würde ich mich wohl kaum mit ihr treffen.” – „Und warum küsst Du sie nicht?” – „Häh?” „Ich weiß, dass Du sie küssen willst. „Also was eierst Du hier rum?” – „Hau ab.” – „Feigling.” – „Was machst Du überhaupt hier? Ich dachte, Du bist tot.” – „Du scheinst tot zu sein. Wirst langsam alt was?” – „Geh weg.” – „Worauf wartest Du? Dass sie auf Deinen Mund fällt?” – „Geh und spiel mit dem Hund dahinten. Du bist tot.” – „Ha. Ha. Ha.” Ich kann mich für derartige Gespräche in meinem Kopf nicht begeistern. Außerdem wäre es völlig unangemessen und würde diese wunderbare Begegnung nur ruinieren. Vielleicht wäre es eine Option, wenn ich in ihrem Alter wäre, so ist es einfach nur unpassend und egal, wie sehr die Stimme im Kopf auch nervt, Luisa hat nichts zu befürchten. Nachdem die Stimme mich ausgelacht und sich verzogen hat und die Cola aufgewischt ist, setzen Luisa und ich unsere Unterhaltung fort.

Gegen 23:20 Uhr ist es Zeit zu gehen. Da ich es auch heute unangebracht finde, sie mit der Straßenbahn nach Hause fahren zu lassen, fahre ich sie nach Hause. Weil eine Ausfahrt gesperrt ist, müssen wir eine andere nehmen. So habe ich die Gelegenheit mich zu verfahren und die Zeit mit Luisa zu verlängern. Passend zur Stadtrundfahrt zeigt die Tankanzeige an, dass ich tanken sollte. Doch dafür habe ich jetzt keine Zeit, ich muss Luisa zeigen, wo der Zoo ist, welche schönen Orte es in der Umgebung gibt und beweisen, dass ich ein erstklassiger Chauffeur bin. Ich wette, sie ist schwer beeindruckt von der nächtlichen Stadtrundfahrt. Nachdem alle Sehenswürdigkeiten angefahren wurden, setze ich sie zu Hause ab. Sie steigt aus und die tot geglaubte Stimme meldet sich noch einmal zu Wort. „Ich glaube, Du bist behindert. Behindert. Behindert.” Ich ignoriere die Stimme, nehme die Banane aus dem Seitenfach, schäle sie, beiße rein und genieße die Heimfahrt. Ich bin zufrieden und die Stimme ist ein Arschloch.

Vielleicht hat Luisa gemerkt, dass ich komisch im Kopf bin oder ich habe sie einfach nur gelangweilt, denn es kommt zu keinem weiteren Treffen und wenig später haben wir gar keinen Kontakt mehr. Das ist sehr schade, aber irgendwie auch verständlich, denn ich bin nicht nur viel älter, sondern auch ein ziemlich merkwürdiger Typ.

 


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