Nadja

07.2007 – 03.2010

Erste Begegnung
Eine dunkelhaarige Frau taucht im FZW vor uns auf und spricht den Loerz an. Sie will wissen, ob er barfuß in seinen Schuhen steckt. Sie erklärt ihm, dass sie auf Männerfüße steht, und fragt, ob er schöne habe. Er sagt, er hätte Hammerzehen, worauf sie enttäuscht verschwindet. Ich liebe derartige Situationen. Manchmal glaube ich, dass ich nur deshalb ausgehe. Ich will Skurriles erleben.
Später unterhält sich Loerz mit Blondchen Sofia und Kaugummi-Nadja. Da ich mich einfach nicht an dem Gespräch beteiligen mag, spricht Kaugummi-Nadja mich an. Mein Mundgeruch missfällt ihr sofort, weshalb sie mir schon nach wenigen Sekunden einen Kaugummi anbietet. Ich nehme ihn dankbar an. Auch wenn ich mit ihr nichts anfangen kann, möchte ich sie ungern weiter mit meinem üblen Geruch belästigen. Wenig später endet unser Gespräch. Zeit, nach Hause zu gehen.

Zweite Begegnung
Freitagabend. Live Station. 80er Party. Anfangs ist es so leer, dass ich glaube, im falschen Film zu sein. Es dauert etwa eine Stunde, bis es einigermaßen voll ist. Die Musik ist okay. Der Großteil des weiblichen Publikums eher übergewichtig. Ich bin nicht begeistert. Zum Glück habe ich Pfefferminzbonbons dabei. So muss mir Kaugummi-Nadja, der ich zufällig begegne, diesmal keinen Kaugummi geben. Ein Gespräch findet heute nicht statt zwischen uns.

Dritte Begegnung
Gegen 23.30 Uhr machen Loerz und ich uns auf den Weg zur Live Station. Diesmal ist es voll. Loerz wird von Minute zu Minute unterhaltsamer, ist in Flipperlaune und unterhält sich mit fast allen Frauen, die ihm im Laufe des Abends über den Weg laufen. Ich halte mich wie üblich zurück. Mein erstes längeres Gespräch an diesem Abend habe ich mit Kaugummi-Nadja. Sie findet mich zwar recht dröge, aber da sonst niemand wirklich Interesse an ihr hat, bin ich für den Moment gut genug. Mir macht so etwas grundsätzlich nichts aus. Hauptsache, eine Frau redet mit mir. Loerz flippert währenddessen weiter, bis er mich irgendwann von Kaugummi-Nadja wegholt, da sie verheiratet ist und daher aus seiner Sicht völlig unwillig und uninteressant.
Damit endet der Abend.

Vierte Begegnung
Ein weiterer Freitag in der Live Station. Es ist nicht wirklich voll, dennoch bin ich zufrieden. Petra, die ausnahmsweise mitgekommen ist, erwartungsgemäß nicht. Obwohl sie gleich zu Beginn einen Mann kennenlernt, mit dem sie im Laufe des Abends immer wieder ein wenig plaudert. Loerz und ich tun, was wir immer tun: Wir schauen uns Frauen an. Mehr wollen wir heute nicht. Die Musik ist gut, das reicht.

Kurz bevor wir aufbrechen wollen, spreche ich Kaugummi-Nadja an. Immerhin hat sie mir mal einen Kaugummi geschenkt. Sie sagt, sie freue sich, dass ich sie angesprochen habe. Ich habe da meine Zweifel. Warum sollte sie sich darüber freuen, von jemandem angesprochen zu werden, den sie dröge findet? Da ich keine Lust habe, darüber nachzudenken, gehe ich darauf nicht weiter ein.
Als sie mich fragt, ob ich an meiner Taktik gearbeitet habe, um Frauen kennenzulernen, sage ich ihr, dass ich keine Taktik habe, ihr aber ein Tic Tac anbieten könnte. Sie gibt mir stattdessen einen Kaugummi. Natürlich tut sie das. Sie ist schließlich Kaugummi-Nadja.

Wenig später frage ich sie nach ihrem Ehemann, und wir kommen auf ihren Ehering zu sprechen, den sie am Mittelfinger trägt. „Der passt nicht mehr an den Ringfinger, seit ich abgenommen habe.” – „Wie, Du warst mal noch dicker?” Die Bemerkung findet sie wenig charmant. Mir ist das egal. Wir kommen auf ihre Arbeit zu sprechen. Als sie von ihrem Chef erzählt, frage ich sie, ob sie sich hochgeschlafen hat. Sie tut empört und behauptet, dass sie so etwas nicht tun würde, und ihr Chef verheiratet sei und Kinder habe. „Und? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?“ Mir gefällt das Gespräch. Dann erzählt sie von ihrem früheren Chef, der sie angeblich vermisst. Also frage ich sie, ob sie mit dem geschlafen hat. Wieder verneint sie. Ich weiß ja nicht.

Nach einer Weile kommt der Loerz und signalisiert, dass er gehen will. Er kann Kaugummi-Nadja übrigens nicht leiden; er findet sie ziemlich übel und völlig hohl. Als ich ihr sage, dass wir gleich fahren, schlägt sie vor, dass Petra den Loerz nach Hause bringt und ich noch bleibe. Mein Gott, muss es ihr schlecht gehen, wenn sie schon solche Vorschläge macht. Ich gehe nicht weiter auf ihren Vorschlag ein. Stattdessen sage ich ihr, dass sie sich noch etwas anstrengen müsse, damit ich sie irgendwann sympathisch finde und unsere Gespräche positiv in Erinnerung behalten werde. Außerdem soll sie fürs nächste Mal ein paar Gesprächsthemen vorbereiten. Ich werde sie dann erneut beurteilen. Als sie fragt, wann „das nächste Mal“ sei, sage ich ihr, sie solle einfach zur nächsten Firestarter-Party kommen. Ich werde da sein und einen Kaugummi von ihr verlangen.

Fünfte Begegnung
Kurz nach Mitternacht betreten Petra, Lindi, Wauzi, Loerz und ich die Live Station. Es ist verdammt voll und irgendwie zu warm. Wir stellen uns an einen Platz, von dem aus wir alles gut im Blick haben. Loerz fordert mich unentwegt auf, Wauzi an den Arsch zu fassen und ist sicher, dass ihr das gefallen würde und ich sie dann demnächst auch poppen könne. Ich habe da so meine Zweifel. Loerz allerdings nicht. Er hört einfach nicht auf und ist von seiner Idee begeistert.
Da Lindi und Wauzi sich in der Live Station wenig wohlfühlen, machen sie sich früh auf den Heimweg. Als sich Lindi von mir verabschiedet, fordere ich sie auf, mir an den Arsch zu fassen. Sie macht es sofort. Sie weiß, was sich gehört. Gute Frau.

Kurze Zeit später verabschiedet sich auch der Loerz. Kaum ist er weg, steht Kaugummi-Nadja vor mir, begrüßt mich und fragt, ob ich ebenfalls schon gehen will. Offenbar hat ihr unser letztes Gespräch so gut gefallen, dass sie sich unbedingt wieder von mir unterhalten lassen möchte. Nach wenigen Sätzen beschwert sie sich darüber, dass ich nach Knoblauch rieche. Sie scheint eine Art Supernase zu besitzen, denn ständig hat sie Probleme mit meinem Atem. Da sie Kaugummi-Nadja ist, gibt sie mir natürlich einen Kaugummi. Dabei weist sie mich darauf hin, dass man davon weiße Zähne bekomme Meine Zähne sind ihr also auch nicht weiß genug.

Da ich ein netter Mensch bin, fordere ich sie auf, mir ein Gedicht vorzutragen. Und tatsächlich trägt sie mir die erste Strophe irgendeines Gedichtes vor. Wozu das gut ist, weiß ich nicht. Als ich ihr sage, dass sie mir als nächstes das Schwalbengedicht aufsagen soll, muss sie passen. Sie kennt es nicht. Das habe ich mir gedacht. Dabei ist das Schwalbengedicht wunderschön.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs bin ich scheinbar nicht besonders charmant. Als ich zum wiederholten Mal einen Witz über ihre missratene Frisur mache, reicht es ihr. Sie will nicht weiter von mir verarscht werden und kündigt an, dass ich mir etwas besonders Nettes einfallen lassen müsse, wenn ich wieder mit ihr reden wolle. Was bildet sie sich eigentlich ein? Wenn sie meine harmlosen Späße auf ihre Kosten nicht mag, soll sie halt gehen. Was sie auch tut.

Einige Minuten später kommt sie allerdings zu mir zurück und beginnt erneut eine kurze Unterhaltung. Ich glaube, sie steht auf mich. Kurze Zeit später verabschiede ich mich. Für heute habe ich genug von ihr. Das Ganze ist mir zu anstrengend.

Sechste Begegnung – Therapeutin Nadja
Wochen später. Freitagabend. Live Station.
Da ich beim letzten Mal nicht besonders nett zu ihr war, habe ich mir vorgenommen, heute netter zu sein. Als ich zu ihr hinübergehe, wirkt es kurz so, als wolle sie mich zur Begrüßung umarmen. Diesen Blödsinn blocke ich sofort. Nur weil sie sonst keiner umarmt, lasse ich mich für diesen Quatsch doch nicht missbrauchen. Geht ja gar nicht. Trotzdem bekomme ich einen Kaugummi von ihr. Hatte ich auch nicht anders erwartet. Sie macht ihrem Namen erneut alle Ehre.

Zunächst führen wir ein relativ normales Gespräch. Sie fragt: „Was machst Du Weihnachten.” – „Nichts.” – „Wie, nichts? Besuchst Du nicht Deine Eltern?” – „Ach ja. Hatte ich vergessen. Gewöhnliche Dinge vergesse ich immer schnell.” – „Wieso gewöhnlich? Besuchst Du sie etwa jeden Tag?” – „Genau.”
Bevor ich ihr erzähle, dass meine Eltern noch bei mir wohnen, wechsle ich das Thema. Da sie bei BMW arbeitet, frage ich, ob sie mir einen Praktikumsplatz besorgen kann. Kann sie nicht, möchte aber meine Bewerbungsunterlagen. Vermutlich, um mehr über mich zu erfahren. Das kann sie vergessen. Meine Unterlagen bekommt sie nicht.
Als nächstes macht sie Witze über Langweiler. Die gäbe es hier viele, sagt sie, und manche seien so schlecht angezogen, dass es nicht mehr schön ist. Gut, dass ich nur dröge bin. Irgendwie kommen wir auf ihren Mann zu sprechen. Der ist auch unpassend angezogen und, oh Wunder, heute sogar hier. Da bin ich jetzt aber gespannt. Sie zeigt mir, wo er steht. Er macht einen ganz netten Eindruck. Freundlich winkt er zu mir rüber. Ob es sich bei ihm tatsächlich um ihren Mann handelt, oder ob sie ihn engagiert hat, um ihren Mann zu spielen, weiß ich nicht. Ist mir auch egal.
Als uns der Gesprächsstoff ausgeht, erfindet sie ein Rollenspiel. Sie ist meine Therapeutin und will mir erklären, wie man Frauen kennenlernt. Den Blödsinn versucht sie schon seit unserer ersten Begegnung immer wieder. Sie erklärt mir, dass es falsch ist, Frauen meine Nummer zu geben. Stattdessen soll ich die Frauen nach ihren Nummern fragen. Ich sehe darin wenig Sinn, aber sie hat scheinbar eine Menge Spaß, also lasse ich sie weiter die Therapeutin spielen.

Dann will sie wissen, was ich ihr schreiben würde, wenn ich ihre Nummer hätte. Ich habe ihre Nummer aber nicht und will sie auch nicht haben, was ich ihr direkt mitteile. Das kann sie nicht verstehen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie mir ihre Nummer aufschwatzen will. Während des Gesprächs fasst sie mir immer wieder an Arm und Schulter. Ich glaube, sie ist interessiert an mir. Zwischendurch macht sie immer wieder Witze über mich, lästert über meine Augenringe und andere Dinge. Da ich beschlossen habe, heute nett zu bleiben, lasse ich ihr den Spaß. Und ehrlich gesagt ist sie teilweise sogar recht witzig. Hätte ich ihr nicht zugetraut. Als sie meint, es sei nicht gut, dass ich so lange bei ihr stehe, weil Patienten ja immer auf ihre Therapeutinnen stehen, sage ich ihr, dass wir hier nicht bei Wünsch dir was sind und sie aufhören soll zu träumen. Zeit, das Gespräch zu beenden, bevor sie völlig abhebt.

Nach einer Weile kommt sie erneut zu mir und sagt, ich müsse freundlicher gucken, wenn ich eine Frau kennenlernen will. Ich antworte, dass ich das offenbar nicht nötig habe, da sie mir doch auch ständig nachrennt, obwohl ich nicht freundlich gucke. Ich glaube, sie ist irgendwie behindert.

Mittlerweile ist sie wieder beim Thema Telefonnummer. Penetrant versucht sie alles, damit ich nach ihrer Nummer frage. Und ständig fasst sie mich an. Echt hartnäckig. Ich fasse sie selbstverständlich nicht an. Sonst werde ich sie nie mehr los. Ich weise sie darauf hin, dass ich ihre Nummer nicht will, weil sie verheiratet ist und mich nicht interessiert. Das glaubt sie nicht. Sie möchte, dass ich ihr zu Weihnachten ein Gedicht per SMS schicke. Seltsamerweise vergesse ich sofort, welches Gedicht genau.

Bevor sie völlig verzweifelt, sage ich ihr schließlich, dass sie mir ihre blöde Nummer geben soll. Sonst hört das Anbiedern nie auf. Ich glaube, ich mache sie mit der Aufforderung glücklich. Sofort holt sie einen Schminkstift raus und schreibt mir die Nummer auf.
Obwohl sie völlig überzeugt ist, dass ich ihr das Gedicht schicke, sagt sie noch, dass wir uns, falls ich aus unerklärlichen Gründen keine SMS schreibe, auf der nächsten 80er-Party hier treffen und wünscht mir schöne Feiertage. Ich antworte, dass es mir ein Vergnügen sein wird, sie in zwei Wochen wieder zu sehen, und es schon jetzt kaum erwarten kann. Mehr kann ich heute wirklich nicht für sie tun. Glücklich und zufrieden, weil sie endlich einmal jemandem ihre Telefonnummer geben durfte und ein Mann sich so lange mit ihr unterhalten hat, macht sie sich auf den Weg. Ich glaube, ich habe sie heute sehr glücklich gemacht.

Weihnachten 2007
Wie versprochen schicke ich ihr zu Weihnachten ein Gedicht per SMS. Irgendein Gedicht, das ich im Internet gefunden habe. Sie bedankt sich und schickt mir ebenfalls ein Gedicht. Damit habe ich sie innerhalb kurzer Zeit nun schon zum zweiten Mal glücklich gemacht. Ich frage mich, ob das der Beginn einer wunderbaren, platonischen Freundschaft ist. Wahrscheinlich nicht. Aber wer weiß das schon.

2008

Siebte Begegnung – Anfang 2008
Obwohl ich am Freitag noch erkältet bin, gehe ich in die Live Station. Ich hoffe auf ein paar nette Gespräche mit Bekannten. Tatsächlich erfüllt sich diese Hoffnung. Sam zeigt mir eine Frau, die er heute für mich ausgesucht hat. Ich finde, sie sieht ein wenig irre aus. Er findet das lustig. Ich will sie nicht ansprechen. Ich habe noch nie eine der Frauen angesprochen, die er für mich ausgesucht hat. Werde ich vermutlich auch nie.

Der bizarre Höhepunkt des Abends ist die Zeit mit Kaugummi-Nadja. Unter anderem deshalb, weil wir während unseres Gesprächs ständig in Bewegung sind. Da ich normalerweise bei Gesprächen nicht umherwandere, muss es an ihr liegen. Irgendwas stimmt nicht mit ihr. Nur was?

Optisch ist eigentlich alles okay. Bei einer Körpergröße von 1,83 m wiegt sie, nach eigenen Angaben, 65 kg. Sie hat schöne Augen, gepflegte Zähne, gepflegte Hände und zieht sich meist ansprechend an. Heute trägt sie ein schwarzes, eng anliegendes Oberteil, schwarze Stiefel, ausgefallene, fast schon sexy Strumpfhosen, ebenfalls in schwarz, und einen kurzen, schwarzen Rock. Man kann sie durchaus als attraktiv bezeichnen. Aber es ist auch weniger das Äußere, was an ihr so merkwürdig ist. Es sind ihre Gesten, ihre scheinbar nervösen Verrenkungen und ihr Verhalten insgesamt. Wir kennen uns nun fast ein Jahr, und Kaugummi-Nadja gibt immer mehr Rätsel auf.

Warum erwähnt sie regelmäßig die 100-Quadratmeter-Wohnung, die sie mit ihrem Mann bewohnt? Warum möchte sie drei Kohlrabi von mir? Warum will sie meine Küche auf Sauberkeit überprüfen, meine Schubladen auf Krümel untersuchen und mein Bad inspizieren? Will sie eine Einladung in meine Wohnung, die ich ja gar nicht habe? Was will sie von mir hören? Ich sage ihr, dass mein Bad sie nichts angeht und es vorerst keine Kohlrabi gibt.

Um das Thema zu wechseln, erzähle ich ihr, dass Loerz mir gesagt hat, ich solle ihr an die Möpse fassen. Sie ist entsetzt. Vielleicht gibt sie auch nur vor, entsetzt zu sein. Ich weiß es nicht. Da ich ohnehin nicht das Bedürfnis habe, sie anzufassen, verzichte ich auf die Aktion.

Als ich ihr sage, dass ich nicht weiß, ob ich mich mit ihr unterhalte, weil sie mir sympathisch ist oder einfach nur, weil sie so gut riecht, ist sie schon wieder entsetzt. Ihr kann man es aber auch gar nicht recht machen. Sie ist dermaßen verwirrt, dass sie unmittelbar danach zwei Typen anspricht, die vor uns stehen. Ich bekomme leider nicht mit, was sie den beiden sagt, und wie es scheint, können die beiden ihr ebenfalls nicht folgen. Wozu diese Aktion gut ist und was sie damit bezweckt, wird vermutlich immer ihr Geheimnis bleiben. Ist das eine Art Balzverhalten? Ich weiß es nicht.

Nachdem wir wieder etwas umhergewandert sind, beschwert sie sich darüber, dass es fast ein Jahr gedauert hat, bis wir uns überhaupt einigermaßen miteinander unterhalten haben beziehungsweise dass ich so lange gebraucht habe, mich an den Gesprächen zu beteiligen und sie nicht mehr die Alleinunterhalterin sein musste. So etwas ähnliches hat sie mir bei unserem letzten Gespräch auch schon vorgeworfen. Außerdem beschwert sie sich darüber, dass sie mich ansprechen musste, da von mir, dem drögen Stuten, ja gar nichts kam.
Wozu dienen all diese Ausführungen? Will sie mich provozieren? Und wenn ja, wozu? Soll ich ihr ein Glas Wasser ins Gesicht schütten? Einen Witz erzählen? Sie schütteln? Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts mehr. Ich finde das Gespräch zwar noch immer irgendwie witzig, aber weiß nicht einmal mehr warum.

Offenbar passt es ihr zusätzlich nicht, dass sie noch immer so gut wie nichts über mich weiß. Doch was gibt es da schon zu wissen? Worauf will sie hinaus? Und warum fasst sie mir ständig an die Schulter? Das ergibt doch alles keinen Sinn. Oder doch?
Plötzlich ist sie auch mit den Gesprächsthemen, die sie meist selbst vorgibt, unzufrieden. Sie sagt, sie verstehe nicht, dass wir noch nicht einmal über Sex gesprochen haben, und fragt mich, ob ich noch Jungfrau sei. Ist sie nun völlig durchgeknallt? Will sie mich verarschen? Hat sie zu viel getrunken? Meine Ratlosigkeit kennt keine Grenzen mehr. Das Gespräch ist mir mal wieder völlig aus den Händen geglitten.

Ich versuche, ein paar dumme Sprüche zu machen. Darauf hat sie allerdings sichtlich keine Lust. Sie beschwert sich sogar, dass ich mich bisher noch nie mit ihrer Freundin unterhalten habe. Könnte daran liegen, dass ich ihre Freundin merkwürdig finde. Das behalte ich aber für mich.

Schließlich scheint ich sie dermaßen zu nerven, dass sie sagt, sie müsse zurück zu ihrer Freundin gehen, bevor ein Unglück passiert. Ich frage mich, was für ein Unglück sie meinen könnte. Ein Zugunglück? Eine akute Klimakatastrophe? Ein menschliches Unglück? Noch während ich darüber nachdenke, verabschiedet sie sich und geht. Sie lässt mich einfach so stehen. Vollkommen ratlos bleibe ich zurück. Was habe ich nur falsch gemacht?

Zeit, den Abend zu beenden. Möglicherweise steht tatsächlich Unglück unmittelbar bevor, da sollte man besser gehen. Die gut gekühlte Banane auf dem Weg nach Hause lässt mich das merkwürdige Gespräch mit Kaugummi-Nadja rasch vergessen.

Unglück
Als ich am Samstagmorgen aufwache, fühlt sich mein Gesicht irgendwie komisch an. Meine Lymphknoten sind geschwollen, und ich sehe fast aus, als hätte ich Mumps. Sofort fahre ich zum Arzt, bekomme Penicillin verschrieben und soll viel schlafen. Außerdem habe ich striktes Sportverbot.

Ist das jenes Unglück, von dem Kaugummi-Nadja gesprochen hat? Oder hat sie mich gar mit einem Fluch belegt? Werde ich je wieder gesund? Wird Kaugummi-Nadja jemals ihre Kohlrabi von mir bekommen? Und werde ich je erfahren, was sie eigentlich von mir will?

Achte Begegnung – Erneut in der Live Station
Bevor ich mich auf den Weg in die Live Station mache, werfe ich noch eine weitere Schmerztablette ein. Ich muss mich ja nicht unnötig quälen.

Der Plan des Abends sieht vor, dass ich eine Frau kennenlerne, die den Samstag mit mir verbringen will. Während des ganzen Abends werde ich allerdings von den anwesenden Frauen herzlich wenig beachtet. Das finde ich gar nicht gut.

So bleibt mir nichts anderes übrig, als mir bei Kaugummi-Nadja einen Kaugummi zu holen und mich von ihr vollquatschen zu lassen. Und heute hat sie viel zu erzählen. Bald kenne ich ihr halbes Leben. Da sie meine Therapeutin ist und ich angeblich auf sie stehe, mache ich ihr drei Komplimente. Zwei bezüglich ihres Aussehens und eins über ihren Charakter. Ich glaube, sie freut sich.

Als sie wenig später wieder davon anfängt, dass ich dröge bin, reicht es mir. Zeit, ein paar Witze über sie zu machen. Ich war lange genug nett zu ihr. Da sie trotz meiner Witze noch immer gut gelaunt ist, bleibt mir nichts anderes übrig, als sie wegzuschicken. Da bin ich konsequent.

Gemüse
Zwischen den zufälligen Treffen in irgendwelchen Discos, schreiben Kaugummi-Nadja und ich uns gelegentlich ein paar SMS. Meistens ist die Konversation recht belanglos, aber auf eine merkwürdige Art doch unterhaltsam.
Heute geht es um die Wochenendplanung. Sie will auf die Amore-Mio-Party. Ich frage sie, was sie dort zu suchen hat, da sie doch verheiratet ist. Sie schreibt, sie sei auf der Suche nach einer Herausforderung. Dabei kann ich ihr nicht helfen. Ich wünsche ihr viel Glück und beende die Konversation.
Am nächsten Tag geht es weiter. Sie fordert nun drei Kohlrabi und eine Möhre von mir. Ich weiß nicht, warum ich ihr Gemüse schenken soll, aber da es sie offenbar glücklich macht, sage ich ihr zu. Gleichzeitig stelle ich klar, dass sie meine Küche, die ich bekanntlich nicht habe, nicht zu sehen bekommt, da sie sie nichts angeht. Sie ist einverstanden. Ich schlage ihr vor, ihr das Gemüse in der Live Station zu überreichen. Findet sie nicht gut. Sie meint, ich solle mir was anderes einfallen lassen. So kann sie gleich meine Kreativität testen. Da ich nicht kreativ bin, teile ich ihr mit, dass ich ihr das Gemüse auf keinen Fall bringen werde. Sie soll es sich abholen.

Ihre Antwort entfernt sie schlagartig unglaublich weit von dem Gemüse. „Du bist ein Stiesel! Forget it! Da musst Du Dir schon etwas Besseres einfallen lassen!!!” Ich weiß nicht, was ein Stiesel ist, aber es kann nichts Gutes sein. Außerdem hasse ich dieses Forget it!‘. Und ich habe auch nicht die geringste Lust mir etwas einfallen zu lassen. Langsam wird mir Kaugummi-Nadja zu anstrengend. Aus diesem Grund erhält sie auch keine Antwort von mir. Ich habe einfach keinen Bock auf diese sinnlose Scheiße.
Sie ist raus. Aber das war sie eigentlich immer. Wenn sie wirklich ins Spiel will – welches Spiel auch immer das sein soll – dann muss sie sich schon mehr anstrengen und von ihrem Prinzessinnentrip herunterkommen. Sonst bleibt ihr das Erlebnis, welches auch immer, für immer verwehrt.

Neunte Begegnung – Prinzessin Nadja
Als wir gegen 23.00 Uhr in der Live-Station eintreffen, ist es bereits verdächtig voll. Es dauert kaum eine Stunde, bis man sich so gut wie nicht mehr bewegen kann. Man fühlt sich teilweise wie Vieh auf einem Viehtransporter. Allerdings werden wir nicht transportiert, und so genau weiß man auch nicht, wie sich Vieh auf einem Transporter eigentlich fühlt.

Mir ist es zu voll, die Luft ist dank der verfluchten Raucher stickig, es ist dunkel und verdammt laut. Vielleicht bilde ich mir das mit der Lautstärke auch nur ein. Jedenfalls dauert es nicht lange, bis ich völlig müde bin. Kurz bevor ich im Stehen einschlafe, steht Kaugummi-Nadja vor mir.

Ich habe mir vorgenommen, diesmal keinen unserer blödsinnigen und oberflächlichen Dialoge mit ihr zu führen. Das ist mir auf Dauer einfach zu anstrengend. Doch schon nach wenigen Sätzen fängt sie wieder mit ihren Albernheiten an. Ich sage ihr, dass sie schwierig ist und es einem fast unmöglich macht, ein vernünftiges Gespräch mit ihr zu führen.
„Sobald man sich normal mit Dir unterhalten will oder was Nettes zu Dir sagt blödelst Du nur rum.” – „Du sagst ja nie was Nettes. Nur einmal hast Du gesagt, dass ich gut angezogen bin.” – „Ich habe Dir auch gesagt, dass Du schöne Augen und schöne Zähne hast. Worauf Du nur meintest, dass Du das weißt und Dir das ständig gesagt wird. Du bist eine eingebildete Prinzessin.” – „Du hast mir nie gesagt, dass ich schöne Augen habe.” – „Du hast schöne Augen.” – „Danke.” Die erste akzeptable Reaktion von ihr. Zeit, das Gespräch vorübergehend zu beenden.

Nachdem ich mich etwas erholt habe, gehe ich wieder zu ihr. Als sie sich erneut darüber beschwert, dass sie mich ansprechen musste und es ewig dauerte, bis ich mich überhaupt einigermaßen an unseren Gesprächen beteiligte, sage ich ihr, dass wir das Thema nun endgültig abhaken können, da wir es schon oft genug hatten.

Schon wird sie wieder albern und erzählt, dass sie seit Monaten ständig mit mir redet, weil es so unglaublich toll mit mir ist, dass es ihr eine Ehre ist, mit mir zu reden, und bedankt sich dafür, dass ich ihr dieses Vergnügen bereite. „Du bist unglaubwürdig. Deine Geschichte und die vollkommen übertriebene Gestik sind zu dick aufgetragen. Du solltest Schauspielerin werden.” – „Meinst Du, ich wäre eine gute Schauspielerin?” – „Nein! Höchstens Soap-Schauspielerin bei GZSZ mit Deinem beschissenen Over-Acting. Das ist erbärmlich.” Ich weiß noch immer nicht, was das alles soll. Doch heute gebe ich nicht auf. Entweder wir führen ein halbwegs ernstes Gespräch – oder sie kann mich mal.
Plötzlich fällt ihr ein, dass sie eigentlich nichts über mich weiß, und sie möchte erfahren, was ich nach der Schule gemacht habe. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust, darüber zu reden, aber da heute nicht geblödelt wird, füge ich mich. Glücklicherweise taucht schon nach wenigen Augenblicken ein kleiner Bekannter von ihr auf und fordert ihre Aufmerksamkeit. Zeit für eine erneute Pause. Kräfte sammeln für den Endspurt.
Zu ihrer Überraschung fasse ich ihr heute auch mal an die Schulter oder an die Hüften. Ich denke, es gefällt ihr, denn auch sie kann es nicht lassen, mir an die Schulter zu fassen. Ein komisches Ritual. Aber ich freue mich ja bekanntermaßen über jede Berührung einer Frau.

Den letzten Teil unserer Konversation verbringen wir damit, einen Übergabetermin für drei Kohlrabi und eine Möhre festzulegen. Die Kohlrabi möchte sie allerdings in Form einer Maus überreicht bekommen. Man soll zumindest erkennen, dass ich mir Mühe gegeben habe – selbst wenn man die Maus nicht eindeutig als solche identifizieren kann. Jetzt wird sie wieder schwierig. Grässliches Weibsbild. Olle Prinzessin. Aber okay, ich will zumindest in diesem Moment kein Spielverderber sein und willige ein.

Ich habe plötzlich das Gefühl, dass sie mich wirklich einmal allein treffen will und nicht rumblödelt. Und ich liege richtig mit meiner Vermutung. Sie möchte, dass ich mir etwas einfallen lasse. Den Übergabeort. Es muss auch nichts Besonderes sein. Ich frage sie, was das denn sein könnte. „Sei kreativ.” – „Bin ich aber nicht. Und was bedeutet kreativ für Dich?” Sie ist kurz davor, sich aufzuregen. „Lass das. Gib mir ein Beispiel. In Dortmund. Ich fahre nie weiter als nach Dortmund. “ Außer nach Nordwalde, doch das hat sie nicht zu interessieren. „Man könnte zusammen einen Kaffee trinken.” So etwas Einfaches hätte ich nicht von ihr erwartet. Fast glaube ich, menschliche Züge an ihr zu erkennen. Wobei es schwer ist, sie intensiver anzugucken, da sie dermaßen zappelig ist, dass einem schon beim Zuschauen schwindelig wird. Liegt es an mir oder zappelt sie immer so rum? Ich weiß es nicht, aber das muss ich ihr abgewöhnen, es macht mich wahnsinnig. „Okay. Warum nicht? „Treffen wir uns in Dortmund, und ich übergebe dir dein Gemüse.”
So einigen wir uns darauf, dass ich das Gemüse besorge, irgendetwas daraus zaubere, das eventuell aussieht wie eine Maus, und mich dann in Dortmund mit ihr treffe, um ihr das Gemüse zu übergeben und etwas mit ihr zu trinken.

Zum Abschied sage ich ihr noch, dass meine Küche, die ich bekanntlich nicht habe, für sie weiterhin Tabu bleibt. Sie scheint einverstanden. Ich verabschiede mich, und sie darf nun darauf warten, dass ich mich bei ihr melde.

Vielleicht mache ich das. Vielleicht auch nicht.

Eine Maus für die Prinzessin
Wie nicht anders von mir zu erwarten, entscheide ich mich dafür, mich mit der Prinzessin, besser bekannt als Kaugummi-Nadja, zu treffen.

Da sie aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen darauf besteht, dass ich zu dem Treffen drei Kohlrabi und eine Möhre mitbringe, mache ich mich auf den Weg, um die Zutaten für unsere Verabredung zu besorgen. Doch weil die Prinzessin eine Prinzessin ist, reicht ihr das natürlich nicht. Sie will, dass ich aus dem Gemüse eine Maus bastle. Weder kann ich basteln, noch weiß ich, wie eine Maus aus Kohlrabi und Möhre auszusehen hat. Daher bastel ich ihr etwas viel Schöneres als eine normale Maus. Eine außerirdische Maus. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Werk und fühle mich während des Bastelns, und nach der Fertigstellung, wie ein Sonderschüler oder ein Big-Brother-Bewohner, der seine Wochenaufgabe nun zur Präsentation und Bewertung vorzeigen darf.
Wie wird ihr meine Kreation wohl gefallen?

Maus für die Prinzessin

Zehnte Begegnung – Übergabe der Maus
Pünktlich um 17:00 Uhr erscheine ich im Barrock. Die Prinzessin ist bereits da. Immerhin pünktlich, was bei ihr, wie ich später erfahre, eine Seltenheit ist. Da habe ich ja Glück gehabt.

Ich stelle die außerirdische Maus, die ich zur Sicherheit in einer Plastiktüte transportiert habe, auf den Tisch und schiebe sie zu ihr rüber. Sie wirft einen Blick in die Tüte und scheint zufrieden. Vielleicht freut sie sich sogar.
Für mich einigermaßen überraschend beginnt sofort eine Unterhaltung. Keine Blödeleien, alles völlig normal. Unter der Prinzessin steckt also doch ein Mensch. Ihr Gesprächsanteil liegt bei etwa 80 bis 85 Prozent, was mich allerdings nicht weiter stört. Ich bin übrigens für sie kein dröger Stuten mehr, sondern ein saftiges Milchbrötchen. Offenbar kurz davor, die die dritte Stufe zu erreichen, die bislang noch keine Bezeichnung hat.

Wir einigen uns darauf, dass sie eine anstrengende, nachtragende, zickige, verwöhnte Prinzessin ist. Trotzdem ist sie heute erstaunlich gut erträglich. Die zweieinhalb Stunden vergehen fast wie im Flug und es sieht ganz danach aus, als hätte ich meiner Sammlung eine weitere platonische Freundin hinzugefügt.

Elfte Begegnung – Nadjas Neugier
Wochen nach unserem Treffen meldet sich Kaugummi-Nadja mal wieder bei mir. Der Grund ist schnell gefunden: Ihre Freundin hat mich zusammen mit Ursula im FZW gesehen und diese Information weckt Kaugummi-Nadjas Neugier. Sie schlägt vor, dass wir uns auf einen Kaffee treffen.

Treffpunkt Barrock. Ich bin ein paar Minuten vor ihr da und habe deshalb das Vergnügen, sie bei der Ankunft zu beobachten. Sie sieht so schrecklich aus, dass ich sie zunächst nicht erkenne. Sie trägt hässliche, flache Schuhe, schwarze Leggins, eine Art Kostüm, einen Schal, ein schwarzes Gedöns und eine dunkle Jacke. Zum ersten Mal trägt sie eine Brille und ihre Frisur ist furchtbar. Sie wirkt streng und älter. Fast schon gruselig. Was ich ihr auch sofort zur Begrüßung sage.

Die Bedienung schreibt unsere Getränke auf einen Deckel. Für mich bedeutet das, dass Kaugummi-Nadja heute zahlt. Damit sie am Ende nicht überrascht ist, teile ich ihr das auch direkt mit. Sie ist einverstanden.

Kaugummi-Nadja hat viel zu erzählen und natürlich viele Fragen zu Ursula, die ich allerdings nicht alle beantworten möchte. So hat sie genügend Gelegenheit, zu reden und vieles loszuwerden. Zwischendurch mache ich sie immer wieder darauf aufmerksam, dass sie heute ziemlich furchtbar und älter aussieht, als sie ist. Dennoch lädt sie mich zu ihrem 30. Geburtstag ein. Ich sage ihr, dass ich keine Zeit habe.

Als uns die Gesprächsthemen ausgehen, zeigt sie mir Fotos. Dekorationen und Menschen. Ihr Mann sieht recht gut aus.

Nachdem sie mich bislang meist als dröge bezeichnet hat, schaltet sie nun einen Gang höher. Sie sagt, meine Augenfalten sehen schrecklich aus und ich sehe absolut nicht aus wie ein Typ, der sich pflegt. Jetzt hat sie es mir aber gegeben. Vermutlich habe ich das davon, dass ich ihr ständig gesagt habe, wie gruselig sie heute aussieht.

Da man bekanntlich gehen soll, wenn es am schönsten ist, verlangen wir nach der Rechnung. Wie knapp drei Stunden zuvor angekündigt, lasse ich sie bezahlen. Sie zahlt ohne zu murren. So mag ich das.

Zum Abschluss fährt sie mich sogar noch zu meinem Auto. Sie weiß halt was sich gehört. So endet ein skurriler und witziger Abend. Ich habe viel gelacht. Von mir aus können wir das in ein paar Monaten wiederholen.

Zwölfte Begegnung – Ein weiteres Treffen im Barrock
Ein paar Wochen später treffen wir uns erneut. Heute sieht sie besser aus. Keine Brille, aber schreckliche Schuhe. Zur Begrüßung sagt sie mir, dass ich ja noch mehr Falten habe als bei unserem letzten Treffen. Ich sage ihr, dass sie mir heute besser gefällt und mache den ganzen Abend keine Witze über ihr Aussehen. Zwischendurch erzählt sie mir, dass sie einen Lover sucht. Da ich mit dieser Aussage nichts anfangen kann, gehe ich nicht näher darauf ein und stelle keine Fragen. Wir verbringen einen netten Abend zusammen, und erneut zahlt sie für mich. Ich bin zufrieden mit ihr.

Dreizehnte Begegnung – Letztes Treffen 2008
Eine Woche später treffen wir uns in der Live Station. Meine Begleiter glotzen alle neugierig, genauer gesagt: Sie beobachten uns regelrecht. Kaugummi-Nadja findet das ziemlich bescheuert. Mir geht es genauso, aber ich habe keine Lust, darüber nachzudenken.

Nach einer Weile ist sie unzufrieden mit unserem Gespräch. Warum erfahre ich leider nicht, denn irgendetwas scheint sie zu erschrecken. Offenbar hat sie jemanden gesehen, der sie durcheinander bringt. Sie wird hektisch, scheint sich hinter mir zu verstecken und hält mich am Arm fest. So kenne ich sie: immer für merkwürdige Aktionen bereit. Sie deutet an, dass sie gehen muss und später ein ernsthaftes Gespräch mit mir führen will. Ich erkläre mich einverstanden, und sie verschwindet in der Menge.
Leider findet dieses ernste Gespräch im weiteren Verlauf des Abends nicht mehr statt.

Als ich am nächsten Tag darauf hinweise, dass ich sie in der überfüllten Live Station nicht wiedergefunden habe und wir das Gespräch gern zu einem späteren Zeitpunkt führen können, scheint sie daran kein Interesse mehr zu haben. Stattdessen wirft sie mir vor, dass es mir wichtiger war, mit anderen Frauen zu kommunizieren, als zu ihr zu kommen. Ich nehme ihre Aussage einfach so hin und gehe nicht weiter darauf ein. Vielleicht hat ihr jemand etwas in den Tee getan. Vielleicht ist sie einfach nur verwirrt.

Jahreswechsel 2008/2009
Zu Weihnachten fordere ich sie auf, mir ein Gedicht zu schicken. Nach einer Weile schickt sie eins. Es gefällt mir ebenso wenig wie das Gedicht im letzten Jahr. Dennoch finde ich die Geste nett. Vielleicht machen wir das jetzt jedes Jahr so.
Da wir mittlerweile sogar per Mail kommunizieren, schreiben wir uns in den nächsten Tagen einige belanglose Nachrichten. Sie beschwert sich über ihre nervenden Nachbarn, und ich empfehle ihr, diese unverzüglich zu entsorgen. Nebenbei vereinbaren wir vollkommen unverbindlich, dass wir uns zur ersten Firestarter Party des Jahres 2009 treffen. Am 16. Januar in der Live Station treffen.

2009

Vierzehnte Begegnung – Zum letzten Mal Firestarter
Freitag, 16. Januar 2009. Live-Station.
Es ist bereits nach 01:00 Uhr, als ich Kaugummi-Nadja entdecke. Da mir der Weg zu ihr zu beschwerlich erscheint, beschließe ich, später zu ihr zu gehen.

Gegen 01:36 Uhr entdeckt sie mich und macht sich auf den Weg zu mir. Sie beschwert sich über den DJ und sagt, dass sie nie wieder in die Live-Station kommen wird, wenn DJ Firestarter auflegt. Sie sieht gruselig aus. Eine Mischung aus Rosemarie, nur ohne Baby, einer suizidgefährdeten Patientin aus einer Suchtklinik und einer Frau, die sich bewusst schrecklich anzieht, um ihre Weiblichkeit in extraordinäre Bahnen zu lenken. Selten hat mich eine Frau so abgetörnt. Nichts an ihrem Auftritt ist in irgendeiner Weise anziehend. Perlen vor die Säue.

Sie sagt, dass sie zurück zu ihren Begleitern muss und ich gerne später zu ihr runterkommen kann. Das will ich aber nicht. Sie sieht krank aus. Zu krank, um mich heute noch einmal mit ihr zu unterhalten. Ich überlege kurz, ihr zu einer Therapie zu raten, verzichte aber darauf und sage stattdessen, dass ich vielleicht später zu ihr komme. Dabei bleibe dabei ich so unverbindlich wie möglich.

Eines Tages werde ich sie vielleicht fragen, warum sie sich in eine Art Vogelscheuche der Neuzeit verwandelt hat. Vielleicht aber auch nicht.

Mail von Kaugummi-Nadja
Da ich sie am Freitag nicht weiter beachtet habe, gehe ich davon aus, dass wir nun für längere Zeit nichts mehr voneinander hören werden. Doch ich irre mich. Am Donnerstag, den 23. Januar erhalte ich eine E-Mail von ihr:

„Hey! So, nun eine ganz schlechte Nachricht: ich werde dem A….Firestarter nie wieder einen Cent in den Rachen werfen. Der ist am Freitag voll ausgetickt. So einen dummen Menschen habe ich selten erlebt. Und aus diesem Grunde: haben wir auch in der Live Station nun noch weniger Hoffnung auf ein Zusammentreffen.

Dann werden wir wohl auf unsere Kaffee-Dates im Barrock zurückgreifen müssen.

Viele Grüße und ein schönes WE (ist ja fast soweit)! „

Ich habe keine Ahnung, was ihr an diesem Freitag so Schlimmes widerfahren ist. Dennoch finde ich es ein wenig schade, auf meine längst liebgewonnene Freitagsunterhaltung verzichten zu müssen. Damit sie mich nicht allzu sehr vermisst, schreibe ich ihr, sie soll mir einfach ein Zeichen geben, wenn sie mal Zeit für einen Kaffee hat.

Frühling 2009
Die Wochen vergehen. Unser Kontakt beschränkt sich auf gelegentliche Mails. Sie zieht nach Dortmund und kündigt an, dass sie sich melden wird, sobald der Umzug erledigt ist.

Nach einiger Zeit ist der Umzug geschafft. Sie schlägt ein Treffen vor.

Fünfzehnte Begegnung – Zufallsbegegnung
Nach langer Zeit bin ich mal wieder im Sixx.PM. Begleitet werde ich von Markus.

Gegen 23:33 Uhr sehe ich etwas, das aussieht wie Kaugummi-Nadja mit blonden Haaren und zwei Männern. Wenige Minuten später wird es Gewissheit. Es ist Kaugummi-Nadja. Zunächst stellt sie mir ihre Begleiter vor. Die Namen wandern kurz durch meinen Kopf und sind direkt wieder vergessen. Da sie Markus noch nicht kennt, quatscht sie ihn nun erst einmal voll, was für ein dröger Stuten ich doch bin und wie lange es gedauert hat, bis ich mich endlich mit ihr unterhalten habe. Diese Geschichte wird sie wohl bis an ihr Lebensende nicht mehr vergessen. Während sie die alten Geschichten erzählt, frage ich mich, warum wir eigentlich am Montag verabredet sind.

Einer ihrer beiden Begleiter scheint ihr Mann zu sein. Er fasst sie ständig an und küsst sie. Da ich weder das eine noch das andere mit ihr tun möchte, frage ich mich erneut, warum wir uns alle paar Monate treffen. Während ich noch darüber nachdenke, erzählt sie mir, dass sie am Montag Fotos von ihrer neuen Wohnung mitbringen wird, um mir zu zeigen, dass sie einen guten Geschmack hat. Hätte ich genau das vorher nicht angezweifelt, hätten wir am Montag vermutlich kein Gesprächsthema.

Doch damit nicht genug. Nun erzählt sie mir, dass ich sie irgendwann einmal zu mir nach Hause eingeladen habe und sie schon sehr gespannt auf meine Wohnung ist. Ich kann mich an eine solche Einladung nicht erinnern, aber es ist mir unmöglich, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Also wird sie irgendwann meine Wohnung besichtigen, um ihre Neugier zu befriedigen.

Ich frage mich, ob ich jemals verstehen werde, was uns eigentlich verbindet. Bin ich so einsam, dass ich mich über jede Frau freue, die sich mit mir abgibt? Oder bin ich einfach nur verpeilt? Oder gibt es etwas an ihr, das mich reizt, ohne dass ich es benennen kann?
Bevor ich mir den Abend mit derartigen Gedanken vermiese, lassen wir Kaugummi-Nadja, die mir übrigens während der ganzen Zeit kein Kaugummi anbietet, stehen und wenden uns den anderen Frauen zu, die uns nicht beachten.

Sechszehnte Begegnung – Erstes echtes Treffen 2009
Wie nicht anders zu erwarten, erscheint Kaugummi-Nadja ein paar Minuten zu spät zu unserem Treffen. Passend dazu ist der erste Platz, den wir uns im Strobels aussuchen, ganz übel. Es stinkt bestialisch nach Scheiße und Tod, sodass wir uns sofort einen anderen Platz suchen müssen.

Ich kann es mir nicht verkneifen, ihre strenge Frisur zu bemängeln. Sie hat etwas von der neuen Frau Effenberg und der alten Brigitte Nielsen. Das ist nicht schön. Nach meiner Kritik an ihrer Frisur unterhalten wir uns über verschiedene Themen und nach etwa zwei Stunden bin ich überrascht, wie schnell die Zeit vergangen ist und wie normal, fast schon angenehm, unser Gespräch bisher verlief. Unverzüglich setze ich sie von meiner Überraschtheit in Kenntnis. „Du lieferst mir ja auch keine Vorlagen.” – „Auf den Scheiß habe ich auch keine Lust mehr.”
Bevor das Gespräch wieder in alte Bahnen gerät, beschließen wir, den Abend zu beenden. Sie bezahlt erneut für mich mit und ich bin der Meinung, dass es gut ist.

Wir gehen zu unseren Autos und sie sagt, dass wir nicht wieder so lange mit einem Treffen warten sollten. „An mir soll es nicht liegen.” – „Gut, dann treffen wir uns in zwei Wochen.” – „Meld Dich einfach, wenn Du Lust hast. Ich habe ja meistens Zeit.” – „Gut, dann melde ich mich bei Dir. Gute Heimfahrt.” – „Ja.”

Warum schon in zwei Wochen? Hat ihr der Abend so gut gefallen, dass sie unbedingt eine Wiederholung braucht? Und wieso haben wir nach zwei Jahren Anlaufzeit heute plötzlich einen so normalen, fast schon angenehmen Abend verbracht? Ich glaube, ich werde immer sympathischer.

Siebzehnte Begegnung – Zweites Treffen 2009
Montag. 19.00 Uhr. Vor dem Cafe del Sol wartet Kaugummi-Nadja auf mein Eintreffen.

Sie ist bestens gelaunt und charmant wie immer, macht sich über meine Augenringe lustig und kritisiert meine Kleidung, da sie meine viel zu dünne Figur unterstreicht. Ich bin entzückt über so viel Offenheit. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zwischen uns auch weiterhin platonisch bleibt, liegt konstant bei 99,98%. Mehr Sicherheit geht kaum.

Am Ende des Abends bezahle ich zum ersten Mal die Rechnung für sie mit und bekomme zur Belohnung einen Kaugummi. Wir verlassen das Café del Sol und verabschieden uns auf unbestimmte Zeit.
Dass sie mich am Ende irgendwie freundschaftlich anzufassen versucht, ignoriere ich. Ich will das nicht. Dafür muss sie beim nächsten Mal die Rechnung bezahlen. Das kommt davon, wenn man versucht mich anzufassen.

Achtzehnte Begegnung – Drittes Treffen 2009
Am späten Nachmittag treffe ich mich mit Kaugummi-Nadja im Café del Sol. Sie hat viel zu erzählen und während sie das tut, schaue ich sie mir an. Ihre blauen Augen gefallen mir, haben sie schon immer. Ihre Zähne finde ich auch gut, selbst ihre Frisur finde ich heute gut. Merkwürdig. Wie kommt denn das bloß?

Unser Gespräch empfinde ich ebenfalls als sehr unterhaltsam und es verläuft völlig harmonisch. Das gefällt mir. Wir werden von Treffen zu Treffen besser. Jetzt mache ich ihr sogar ein Kompliment für ihre Frisur. So etwas mache ich sonst nie. Ich weiß nicht – eigentlich sollte sie mir nicht gefallen.

Da ich gerade etwas verwirrt bin, sage ich ihr, dass ich überlegt habe, sie mal zu mir einzuladen und ein paar Kerzen anzüzünden, wenn sie bei mir ist. “Da könnte man ja fast auf den Gedanken kommen, dass Du was vorhast.” – “Nein! Wir kennen uns jetzt so lange, da bedeutet das nichts.”

Da habe ich gerade noch die Kurve gekriegt. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, war das vielleicht doch keine so gute Antwort. Aus der Vorlage hätte ich mehr machen sollen. Oder doch nicht? Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich bin heute nicht zurechnungsfähig und sollte aufhören, ihr immer in die Augen zu gucken. Auch wenn sie darauf nicht reagiert, muss ich damit jetzt aufhören. Und warum grinse ich sie so blöd an. Hoffentlich merkt sie das nicht.

Wenig später endet unser Treffen. Gut, dass jetzt wieder ein paar Monate bis zum Wiedersehen vergehen.

Kaugummi-Nadja meldet sich zurück
Nach langer Zeit meldet sich Kaugummi-Nadja zurück und fragt, ob ich am Donnerstag Zeit habe. Ein Blick in meinen Terminplaner bestätigt, dass ich am Donnerstagnachmittag noch frei bin.

Wir vereinbaren Uhrzeit und Treffpunkt und ich schreibe ihr, dass ich mich darauf freue, von ihr unterhalten zu werden. Daraus entsteht folgender Dialog:
„Sorry, hatte auf deine Geschichten gehofft. Ich erlebe zwischen Job, IHK und meinem zu kurzen Schönheitsschlaf nichts mehr!“
„Oh. Dann schweigen wir uns an und ich genieße deinen Anblick und die Tatsache, mit einer attraktiven Frau Kaffee zu trinken. Mir reicht das.“
„Ich glaube, mit der Attraktivität ist nix zu machen. Du wirst deine Zeit mit einer abgearbeiteten, karnevalsgeschädigten Tussi absitzen! Aber auch das kann lustig werden. Ab der 100. Falte hast du keine Lust mehr weiterzuzählen.“
„Alles, was an Attraktivität fehlt, musst du durch deinen Charme ausgleichen. Ich bin sicher, dass du mich nicht enttäuschen willst – und wirst.“
„Ich werde mir Mühe geben. Dann werde ich wirklich versuchen müssen, mal nett und charmant zu sein. Keine einfache Aufgabe! Bis dann.“

Ich bin gespannt, ob ihre angekündigte Charmeoffensive mich am Donnerstag begeistern kann. Wenn nicht, schicke ich sie einfach nach Hause. Alles andere wäre unnötige Zeitverschwendung.

Neunzehntes Treffen – WOANDERS IST AUCH SCHEISSE
Freitag, 16.30 Uhr, Cottons Dortmund. Während ich auf Kaugummi-Nadja warte, frage ich mich, warum ich mich immer wieder mit einer Frau treffe, die mir sagt, ich sei dröge und ungepflegt, Witze über meine Haare macht, meinen Kleidungsstil blöd und meine Tränensäcke furchtbar findet. Und ich frage mich, wieso sie sich mit mir trifft. Ob es ihr Spaß macht, einem Mann diese Dinge zu sagen? Oder trifft sie sich nur deshalb mit mir, weil ich der Einzige bin, der sich das gefallen lässt und trotzdem immer wieder kommt?

Während ich nach Antworten suche, betritt sie den Laden. Sie trägt einen Minirock, der sehr gut zu ihren scheinbar endlos langen Beinen passt. Vielleicht bin ich wegen dieses Anblicks hier. Männer schmücken sich ja gerne mit attraktiven Frauen. Und attraktiv finde ich sie heute definitiv. Außerdem riecht sie gut. Ich liebe es, wenn eine Frau gut riecht.

Es dauert nicht lange, bis sie mir sagt, dass sie meine Uhr schrecklich findet. Danke, Kaugummi-Nadja. Danach folgt eine Bemerkung zu meiner Frisur. Im Gegenzug sage ich ihr, dass mir ihre Frisur gut gefällt und dass sie insgesamt gut aussieht. Danach stellt sie ihre Kritik an mir für heute ein.
Die restlichen knapp zwei Stunden sind entspannt. Unser Gespräch scheint ihr zu gefallen. Jedenfalls so gut, dass sie nicht ans Telefon geht, als ihr Mann anruft. Ich bin erstaunt. So freundlich kenne ich sie gar nicht.

Dann schenkt sie mir eine bedruckte Postkarte mit der Aufschrift “WOANDERS IST AUCH SCHEISSE”. Sie sagt, dass sie sie witzig findet. Komisch. Gisa hat mir auch öfter Postkarten geschenkt, die sie witzig fand.

Vielleicht hätte es mit uns auch anders laufen können. Vielleicht sind wir jetzt auf einem anderen Weg. Vielleicht hätte ich das von Anfang an in eine andere Richtung lenken können. Vielleicht ist das aber auch alles Unsinn.

Es folgt der übliche Abschied. Sie sagt, dass es diesmal nicht so lange dauern wird, bis sie sich bei mir meldet. Wir werden sehen.

Zurück zur Eingangsfrage. Warum treffe ich mich mit ihr?

A: Weil sie unter ihren schrecklichen Verkleidungen meistens gut aussieht.
B: Weil sie gut riecht.
C: Weil sie drei- bis viermal im Jahr Zeit für mich hat.
D: Weil ich es liebe, wenn mir gesagt wird, dass ich scheiße aussehe.
E: Weil sie intelligent ist.
F: Weil sie kein Kind von mir will.
G: Weil sich sonst kaum Frauen mit mir treffen wollen.

Vielleicht ist sogar mehr als eine Antwort richtig.
Ach, hätte ich doch nur eine Banane hier, dann würde ich vielleicht eine Antwort finden.

Selbst für mich überraschend meldet sie sich nie wieder bei mir. Auf meine Nachricht, die ich ihr schicke, antwortet sie nicht. Fast so, als hätte es sie nie gegeben. Vermutlich war ich einfach zu dröge und passiv. Oder sie wurde zwischenzeitlich von einem Auto überfahren

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