01.2008 – 09.2011
Ursula und ich haben uns auf der Tagebuch-Plattform tagtt kennengelernt und schreiben uns seit kurzer Zeit. Unser Schriftverkehr ist äußerst unterhaltsam und macht sehr viel Spaß. Obwohl ich keine Ahnung habe, wie sie aussieht, würde ich sie gerne treffen. Wenn ein Treffen mit ihr nur halb so witzig ist, wie unsere schriftliche Konversation, wird es sicher ein netter Abend. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns treffen, liegt aktuell bei 93,27%.
Andererseits kann es auch anders kommen. Gerade weil unser Schriftverkehr so angenehm ist, kann ein Treffen auch ein Fiasko werden. Murphys Gesetz oder so.
Erstes Treffen
Freitag. 18:43 Uhr. Vor dem Café Max steht Ursula und wartet auf mich. Ich gehe davon aus, dass sie mich schon von weitem erkennt. Ein unbemerktes Entkommen ist somit unmöglich. Zum Glück habe ich nicht das Bedürfnis zu entkommen. Es steht kein Monster vor dem Café Max.
Nicht nur, dass ich nicht entkommen will, ich finde Ursula sogar auf Anhieb sympathisch. Nun kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Sie nimmt meine Hand, so wie wir es per Mail verabredet haben, und wir gehen ins Café, nehmen Platz und beginnen direkt mit einer Unterhaltung. Es läuft fast genauso gut wie das Mailen. Ich behaupte mal, dass es irgendwie passt. Ich überreiche Ursula die versprochene Banane. Bananen sind gesund und das ideale Geschenk für ein erstes Date. Sie hat ein süßes Lachen. Sag ich ihr aber nicht, sonst denkt sie noch, dass ich sie anbaggern will.
Die Zeit vergeht wie im Flug und ich frage mich, ob es nicht Sinn ergeben würde, meinen zweiten Vorsatz für 2008 (eine Frau küssen) hier einfach umzusetzen, denn wer weiß, wann ich mal wieder mit einer Frau so nett zusammen sitze. Andererseits könnte man mit einer solchen Aktion jetzt alles kaputt machen und das wäre doof. Außerdem habe ich mir ganz fest vorgenommen, dass es heute keinen Körperkontakt gibt. Daher verwerfe ich diese aufkommenden Gedanken unverzüglich wieder.
Ehe man sich versieht, ist es 23:00 Uhr und Ursula muss los. Das ist irgendwie schade, aber man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am schönsten ist. Natürlich verzichten wir auf einen Abschiedskuss, was vermutlich deutlich schwerer ist, als sich einfach zu küssen.
Zweites Treffen
Es ist etwa 12.27 Uhr, als ich mich auf den Weg nach Münster mache, um Ursula zu treffen. Warum wir uns in Münster treffen, obwohl keiner von uns dort wohnt, weiß ich nicht.
Die Fahrt nach Münster macht einen Mordsspaß. Ich könnte stundenlang mit dem Auto über die Autobahn fahren. Es ist wenig Verkehr und ich muss die linke Spur nur ganz selten räumen, um jemanden vorbei zu lassen. Selbst wenn das Treffen mit Ursula wider Erwarten völlig beschissen wird, kann es mir den Tag nicht versauen, denn schließlich habe ich die Heimreise danach noch vor mir und werde dabei wieder viel Spaß haben.
Als ich am Bahnhof auf Ursula warte, ruft eine scheinbar verwirrte junge Frau nach mir. Zumindest scheint es so, als würde sie mich rufen. Da ich sie noch nie gesehen habe, beschließe ich, dass sie nicht nach mir ruft.
Weil ich etwas früh dran bin wandere ich ein wenig durch den Bahnhof. Wieder begegnet mir die junge Frau. Sie ruft etwas und geht auf mich zu. Sie scheint mächtig verwirrt. Als sie fast vor mir steht und ich sie mustere, fragt sie ,,Mutter, wo bleibst Du nur?”. Ich bin definitiv nicht ihre Mutter. Sie sieht verzweifelt aus. Da ich nicht weiß, wie ich ihr helfen kann, gehe ich an ihr vorbei. Sie läuft mir noch ein paar Mal über den Weg in den nächsten Minuten. Sie ruft immer wieder etwas, geht auf Leute zu, die den Bahnhof betreten, und findet doch nicht, was sie sucht. Vielleicht hat ihre Mutter sie einfach am Bahnhof ausgesetzt. Arme Frau.
Als Ursula auftaucht, mich an die Hand nimmt und vom Bahnhof verschleppt, bleibt die junge, hilflose Frau verstört am Bahnhof zurück. Ob sie ihre Mutter jemals wiederfindet? Ursula schleppt mich ins Alex. Dort verweilen wir etwa fünf Stunden. Auch unser zweites Treffen verläuft äußerst angenehm. Die Zeit vergeht erneut wie im Flug. Im Verlauf des Gesprächs beschließen wir, dass wir eine platonische Beziehung führen wollen. Platonische Beziehungen kann man nie genug haben. Wenn es klappt, dann habe ich jetzt drei platonische Beziehungen. Drei sind mir aber nicht genug. Ich will mehr.
Da ich eine weite Anreise hatte, halte ich es für angebracht, dass Ursula für mich die Getränke bezahlt. Macht sie ohne zu murren. So stelle ich mir eine gute platonische Freundschaft vor.
Auf dem Weg nach Hause bin ich etwas unkonzentriert und verpasse die richtige Abfahrt. Da man auf Autobahnen schlecht wenden kann, bleibe ich einfach auf der A43. Auch eine schöne Autobahn. Als ich später auf die A2 wechseln muss, entscheide ich mich spontan für die falsche Richtung. Selbst dieser sinnlose Umweg, der mich über Gelsenkirchen-Erle nach Herne führt, wo ich auf die A42 fahre, macht mir nichts aus. Autofahren macht Spaß. Ein rundum gelungener Tag bis zu diesem Zeitpunkt.
Drittes Treffen
Nachdem unsere ersten beiden Treffen so nett und platonisch abgelaufen sind, finden Ursula und ich, dass ein drittes Treffen nicht schaden kann. So verabreden wir uns in einer Bar in Senden. Warum wir uns in Senden treffen, weiß ich nicht.
Fast pünktlich erscheine ich am vereinbarten Treffpunkt. Ursula ist schon da. Sie trägt Stiefel und einen Rock. Gefährlich. Sie nimmt meine Hand und wir gehen ins FEZ, der vermutlich einzigen Bar in Senden. Ob es wirklich eine Bar ist, oder nur eine ganz normale Kneipe, die sich Bar nennt, kann ich nicht entscheiden. Ist auch nicht wirklich von Bedeutung. Wir setzen uns in eine gemütliche Ecke und unterhalten uns sofort prächtig. Was wir uns allerdings fragen ist, ob Inzucht in Senden üblich ist oder ob einige der Gäste einfach nur Pech hatten. Wir einigen uns auf Pech. Mein Problem ist, dass ich Ursula unbedingt küssen will, was aber nicht angebracht ist, weil wir uns ja auf eine platonische Freundschaft geeinigt haben. Deshalb halte ich mich selbstverständlich zurück.
Der Wunsch, sie zu küssen, verschwindet leider nicht und so lasse ich mir etwas ganz Besonderes einfallen. Nasenbluten. Vielleicht küsst sie mich ja aus Mitleid, wenn ich hier einfach so blute. Wie ich meine Nase dazu brachte einfach so zu bluten weiß ich nicht, aber geküsst werde ich trotzdem nicht. Mein Nasenbluten dient lediglich der Unterhaltung, da ich mir, um die Blutung zu stoppen, etwas von einem Taschentuch abreiße und in die Nase stecke. So hat meine Aktion mich zwar nicht weiter gebracht, aber immerhin für etwas Unterhaltung gesorgt.
Die Zeit vergeht auch heute wie im Flug. Mit der Zeit rücken wir immer näher zusammen und ich bin entzückt über unsere mehr oder weniger zufälligen Berührungen, die sich mit der Zeit auffällig häufen. Vielleicht bilde ich mir aber auch nur ein, dass es so ist. Außerdem habe ich das Gefühl, dass wir hier mächtig miteinander flirten. Allerdings kenne ich mich mit Flirten nicht wirklich aus, weshalb auch dieses Gefühl reine Einbildung oder Wunschdenken sein kann.
Irgendwann hält sie meine Hand, oder ich ihre, und wir liegen mehr oder weniger auf unserem Tisch. Das bilde ich mir definitiv nicht ein. Geht da heute was? Zumindest ist es eine harte Probe für unsere platonische Freundschaft. Sie lächelt mich an, sie lächelt viel zu oft. Ich liebe ihr Lächeln und finde, dass das alles hier zu viel für eine platonische Beziehung ist und beschließe, dass ich nicht ungeküsst nach Hause fahren kann. Auf keinen Fall. Und so teile ich ihr mit, dass ich sie küssen möchte. Nach einer kurzen Diskussion ist es endlich so weit. Es ist sehr angenehm und interessant, sie zu küssen. Das schmeckt nach mehr. Zeit, den Abend zu beenden. Besser kann es nicht werden und man soll ja gehen, wenn es am schönsten ist.
Als wir uns draußen verabschieden, fasse ich ihr unter den Rock an ihren Arsch. Das muss ich einfach tun. Fühlt sich gut an. Falls sie das nicht abgeschreckt hat, würde ich es gerne irgendwann wiederholen.
Warum lassen sich nicht alle Frauen von mir unter den Rock fassen? Das macht Spaß… .
Heavy Petting
Mittlerweile habe ich Ursula viermal getroffen. Beim dritten Treffen haben wir uns zum ersten Mal geküsst. Die Idee, eine platonische Freundschaft aufzubauen, haben wir nicht lange verfolgt. Im Nachhinein war es auch eine blöde Idee. Unser fünftes Treffen ist somit darauf ausgelegt, dass wir am Ende miteinander im Bett landen.
Ich besuche sie zum ersten Mal. Nach einem Begrüßungskuss gehen wir etwas spazieren. Nach dem Spaziergang landen wir auf ihrem Sofa und die Zeit vergeht rasend schnell. Wir küssen uns, machen uns Pizza, küssen uns erneut und dann schlägt sie mir vor, mich zu massieren.
Sie massiert wirklich gut. Nach der Massage legt sie sich neben mich und wir küssen uns. Erst noch leicht, dann immer wilder und leidenschaftlicher. Es dauert nicht lange, bis wir komplett nackt sind. Dummerweise hat keiner von uns Kondome. Deshalb werden wir heute Nacht keinen richtigen Sex haben. Ursula ist unglaublich leidenschaftlich und ich bin total verrückt nach ihr. So wild und leidenschaftlich hatte ich mir unser erstes sexuelles Erlebnis nicht vorgestellt. Der Fachbegriff für diese Art von Sex ist, glaube ich, Heavy Petting. Wenn das, was wir gerade hier machen, wirklich so heißt, dann finde ich Heavy Petting cool.
Nach einer nächtlichen Pizzapause geht es weiter. Sie ist heiß. Erst gegen vier Uhr morgens lassen wir voneinander ab. Ich schlafe nicht gut und es ist noch keine 09.00 Uhr als wir beide aufwachen. Da ich nach der heißen Nacht tierische Lust auf sie habe, beginne ich erneut, sie zu küssen und zu streicheln. Es wird wieder wild. Noch vor dem Frühstück starten wir unsere dritte Runde Heavy Petting. Fantastisch.
Später machen wir einen Spaziergang. Gut, dass es etwas kalt im Wald ist, sonst würde ich über sie herfallen.
Nach dem Spaziergang setzen wir uns noch auf ihr Sofa. Es dauert nicht lange, bis wir uns erneut wild und leidenschaftlich küssen. Ich bin begeistert von ihrer Geilheit. Diesmal belassen wir es beim leichten Petting. Schließlich muss man sich auch mal beherrschen können.
Ursula statt Emma
Am Donnerstag um 20.00 Uhr will ich mich zum fünften Mal mit Emma treffen. Es wird Zeit, mit ihr ins Bett zu gehen und das Emma-Experiment fortzusetzen. Kaum bin ich mit ihr verabredet, fragt mich Ursula, ob ich am Donnerstag Zeit habe. Natürlich. Ich muss ja erst um 20.00 Uhr in Bochum sein. So kann ich an einem Tag gleich mit zwei Frauen Sex haben. Das klingt sehr gut. Es läuft.
Am Donnerstag um 13.00 Uhr ist Ursula bei mir. Wir gehen etwas spazieren und ich finde die Idee, am Abend nach Bochum zu fahren, nicht mehr wirklich gut. Ich frage Ursula, wann sie wieder zu Hause sein muss. „Morgen Mittag.“ Ich finde, dass ich das ausnutzen muss und so beschließe ich, dass ich Emma eine SMS schicke und ihr mitteile, dass wir uns heute nicht mehr treffen können, da ich krank bin und schlafen muss. Ja, ich bin ein Schwein. Aber manchmal muss man ein Schwein sein und Prioritäten setzen. Emma wünscht mir gute Besserung. Das Thema ist für heute erledigt.
Was mich als nächstes beschäftigt, ist die Frage, wo ich mit Ursula die Nacht verbringen kann. Da sie schon mal hier ist und erst morgen zurück muss, wäre es fatal, sie vor morgen nach Hause zu schicken. Weil ich meine beiden Mitbewohner nicht wegschicken kann und ich alleine mit Ursula sein möchte, fällt mir nur eine sinnvolle Lösung ein. Die Wohnung meines verstorbenen Onkels. Die Wohnung ist seit drei Monaten unbewohnt und Licht braucht man zu dieser Jahreszeit kaum und Kerzen reichen ohnehin. So beschließen wir, dass wir die Nacht in der unbewohnten, aber möblierten Wohnung meines Onkels verbringen.
Wir packen die nötigsten Dinge für die Nacht ein und ab geht es. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals eine Nacht in dieser Wohnung verbringen würde, und jetzt habe ich sogar eine Frau dabei. Herrlich.
Kaum sind wir in der Wohnung, schon liegen wir im Bett. Sorgen mache ich mir nur wegen der Nachbarn, die alle etwas älter sind und sicher jedes Geräusch wahrnehmen. Und wir zwei sind nicht gerade geräuschlos bei unserem Treiben. Da müssen die Nachbarn wohl mit klarkommen. Es ist der 22. Mai 2008 als ich endlich meinen letzten Vorsatz (Sex) für dieses Jahr in die Tat umsetze. Jahresziele erreicht. Die Pflicht ist erfüllt, was ab jetzt folgt ist die Kür. Jetzt bin ich endgültig im Jahr 2008 angekommen.
Offene Beziehung
Bei unseren Treffen wird aus einer Theorie langsam etwas Konkretes. Obwohl wir großartigen Sex haben, reden wir ernsthaft darüber, dass eine offene Beziehung vielleicht nicht nur eine Idee bleiben muss. Das ist vermutlich auch der Tatsache geschuldet, dass wir uns zwar regelmäßig, aber nicht so oft treffen, wie es theoretisch vielleicht möglich wäre.
Nachdem ich eine offene Beziehung für eine gute Idee halte und dafür bin, unternehme ich anfangs nichts weiter in diese Richtung. Ich habe auch kein Problem damit, dass Ursula irgendwann Sex mit einem anderen Mann hat. Ich suche auch weiter nicht gezielt nach anderen Frauen. Irgendwann trifft sie noch einen weiteren Mann, während ich mich zurückhalte, was sie irgendwie komisch zu finden scheint.
Erst ihre Aussage, dass ich das mit der offenen Beziehung nicht ernst nehme, sorgt dafür, dass ich anfange, mich konkret nach Sexmöglichkeiten umzuschauen. Es bringt ja nichts, wenn nur ein Teil die offene Beziehung auslebt.
Es dauert dann auch nicht lange, da ist es vollkommen natürlich, dass wir uns mit anderen zum Sex treffen. Das gefällt mir gut und ermöglicht vieles. Eine Entwicklung, die nicht zu erwarten war, mir aber in der Realität besser als in der Theorie gefällt. Möglicherweise sogar zu gut.
Ursula und ich
Mittlerweile hat es sich so eingependelt, dass Ursula und ich uns jedes zweite Wochenende treffen. Aktuell kommt sie meist zu mir, wo wir die leerstehende Wohnung meines Onkels nutzen, um dort ungestört Sex zu haben. Wenn wir weiter so zur Sache gehen, wird mein Kondomvorrat doch noch vor 2011 aufgebraucht sein.
Die Tatsache, dass Ursula mittlerweile noch jemanden hat, mit dem sie eine ähnliche Beziehung wie mit mir führt, stört mich erstaunlicherweise nicht. Selbst die Tatsache, dass sie manchmal direkt von ihm zu mir kommt, bereitet mir keine Probleme. Ich denke, dass es so, wie es derzeit läuft, absolut perfekt für mich ist. Wir sind in vielen Bereichen erstaunlich kompatibel und der Sex ist einfach nur geil. Wir tun es, wenn wir ins Bett gehen und nach dem Aufwachen tun wir es erneut. Und zwischendurch werden wir es vermutlich irgendwann auch noch tun. Außerdem fummeln wir ständig aneinander rum. Ein herrlicher Zustand.
Täglich schreiben wir uns SMS und ein- bis zweimal pro Woche telefonieren wir. Außerdem sind wir dazu übergegangen uns hin und wieder Briefe zu schreiben. Alles in allem eine runde Sache. So etwas habe ich mir schon lange gewünscht. Mal schauen, wie lange uns diese Art der Beziehung gefällt.
Notgeiles Paar
Ursula und ich schreiben auch weiterhin regelmäßig Briefe. In ihrem letzten steht, dass sie sehr viel für mich empfindet und überlegt sogar, ob sie die Sache mit dem anderen Mann beendet, was mich vollkommen überrascht. Als sie dann auch noch sagt, dass sie doch nicht zweigleisig fahren kann, bin ich irritiert. Was bedeutet das nun für unsere Zukunft? Bleibt es bei einer offenen Beziehung oder nicht?
Wir vereinbaren, dass erstmal alles bleiben soll, wie es ist. Niemand von uns will eine Ausschließlichkeitsbeziehung. Ich bin irgendwie erleichtert.
Am Samstag kommt Ursula vorbei, um den Kühlschrank aus der Wohnung meines Onkels abzuholen. Sehr schön, da wir uns eigentlich aus Zeitgründen vier Wochen nicht gesehen. Nachdem der Kühlschrank verstaut ist, haben wir noch ein wenig Zeit. Und da wir ständig an uns rumfummeln, dauert es nicht lange, bis unsere Hosen geöffnet sind und runtergezogen werden. Sie möchte, dass ich sie von hinten am Sekretär nehme, was ich selbstverständlich sofort mache. Ich liebe unseren Sex. Er ist wild. Nach der Nummer haben wir noch ein wenig Zeit, die wir leidenschaftlich auf dem Fußboden verbringen. Irgendwann fragt sie mich, ob wir Notgeil sind. Ich verneine, obwohl ich vermute, dass wir es doch sind. Das ist definitiv die sexuellste Beziehung, die ich jemals hatte.
Ding
Wir treffen uns weiterhin regelmäßig zweimal im Monat. Meist kommt sie zu mir und bleibt über Nacht. Da meine Mitbewohner sich nicht vertreiben lassen, übernachten wir immer in der ziemlich leer stehenden Wohnung meines Onkels. Unsere Beziehung kann man als offene Beziehung bezeichnen, doch da wir beide keine Beziehung wollen und Ursula selbst den Begriff ‚Beziehung‘ gruselig findet, nennt sie das, was wir haben “Ding”. Wir haben also ein offenes Ding. Nicht zu verwechseln mit einem offenen Bein.
Ramazzotti Ursula & 10.000 Kerle
Es ist bereits November und ein riskanter Abend liegt vor mir, als ich mich am Freitag auf den Weg zu Ursula mache, denn heute werde ich ihre Kinder und andere Menschen aus ihrem Leben kennenlernen.
Da ich Kinder für gefährlich halte, ist mir etwas mulmig, als ich aufbreche. Schließlich übertragen Kinder nicht nur Krankheiten, sie sind auch schonungslos ehrlich und können furchtbar gemein sein. Doch heute haben Ursulas Kinder wohl ihren sozialen Tag: Die Tochter ist sehr freundlich, neugierig und kommunikativ und der Sohn beachtet mich nicht weiter. Das war ja einfach.
Am Abend machen Ursula und ich uns auf zu einer Geburtstagsparty. Ursula scheint vergnügt. Sie trinkt Ramazzotti und leidet unter einem furchtbaren Drang zu tanzen. Und so dauert es nicht lange, bis sie zum ersten Mal die Tanzfläche stürmt. Mal tanzt sie alleine, mal mit irgendwelchen Bekannten. Ich bleibe an meinem Platz und beobachte alles, was um mich herum passiert. Und es ist in der Tat so, dass ich mit der auffälligsten Frau des Abends zusammen bin. Ich überlege, ob es mich überrascht, entscheide dann aber, dass es keine Rolle spielt. Ursula ist okay. Ich bin zufrieden.
Irgendwann spricht mich Gunther an und fragt, ob er direkt sein kann. „Sicher. Immer raus damit.” – „10.000 Kerle beneiden Dich um Deine Olle.” – „Hier sind keine 10.000 Kerle.” Das war wohl nicht die Antwort, die er von mir erwartet hatte. Nun habe ich ihn aus dem Konzept gebracht. Er sagt, dass er nicht nur die Kerle hier meint, sondern auch andere, die nicht hier sind. Vermutlich ist er auch einer von diesen 10.000 ominösen Kerlen. Ich kann ihm da nicht weiterhelfen. Weil ihm das Gespräch mit mir scheinbar nichts bringt, geht er mit Ursula tanzen.
Wenig später komme ich mit Nils ins Gespräch. „Du trinkst kaum was. Du rauchst nicht. Hast Du gar keine Laster?” – „Doch. Frauen.” Irgendwie hat ihn meine Antwort wohl irritiert. Doch er hakt nach. „Echt?” – „Ja. Frauen sind mein Laster.” – ,,Und die findest Du im Internet?” – „Es ist mir egal, wo ich die finde. Hauptsache Frauen.” Er wirkt zwar ein wenig ungläubig, aber letztendlich scheint er mir doch zu glauben. Wenig später weist er mich darauf hin, dass wir die gleichen Lachfalten haben und dass man an diesen Lachfalten glückliche Menschen erkennt. Bin ich etwa ein glücklicher Mensch oder habe ich nur die Lachfalten eines glücklichen Menschen?
Als Ursula wenig später genug Ramazzotti getrunken hat, verlassen wir die Party und gehen unverzüglich zusammen ins Bett. Und ich habe das Gefühl, als wäre ich in der Tat ein glücklicher Mensch. Hatte Nils mit seiner kindlichen Theorie am Ende also doch Recht?
Geburtstagsfeuer
Bis vor wenigen Sekunden hatte ich noch gehofft, dass Ursula scherzte, als sie sagte, dass wir ihren Geburtstag im Garten feiern und dabei grillen werden. Jetzt ist diese Hoffnung gestorben, denn ich stehe im Garten, blicke auf den Grill und die Feuerstelle, sehe die Stühle, welche um die Feuerstelle herum aufgestellt sind und weiß, dass Ursula keinen Scherz gemacht hat. Ihre Geburtstagsparty findet tatsächlich im Garten statt. Und das mitten im November. Ich bin entsetzt. Glücklicherweise besteht die Möglichkeit, sich in die Wohnung zurückzuziehen und so verschwinde ich nach etwa drei Minuten in ebendiese.
Pünktlich um 19.00 Uhr treffen die ersten Gäste ein.
Lediglich Ursulas Bruder gesellt sich zu mir. Die anderen stürmen direkt ins Freie. So stehen Ursulas kleiner Bruder und ich allein in der Wohnung und knabbern Chips. So lässt es sich aushalten. Weitere Gäste trudeln ein. Drei davon, Ursulas großer Bruder, der Mann ihrer Schwester und ein Mann, der vergessen hat, sich zu kämmen, stellen sich ungefragt an unseren Tisch. Zunächst finde ich das nicht schlimm, doch als die drei ein Gespräch beginnen, wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass sie nach draußen verschwinden. Sie sprechen über Autos, Motoren, Zylinderköpfe und anderen langweiligen Kram. Da ich mich nicht für Autos interessiere und die Art, wie das Gespräch geführt wird, mich langweilt, gucke ich demonstrativ woanders hin. Nicht, dass sie mich am Ende noch in ihrer schrecklichen Gesprächsrunde aufnehmen wollen.
Ursula versucht mehrmals, mich dazu zu bewegen, nach draußen ans Feuer zu kommen. Ich sage ihr, dass ich für 12 Minuten nach draußen komme, wenn sie sich auf der Stelle ihre Strumpfhose auszieht. Und was macht Ursula? Sie zieht ihre Schuhe und Jeans aus, um sich von ihrer Strumpfhose zu trennen. Also muss ich für 12 Minuten raus ans Feuer. Zum Glück ist es direkt am Feuer nicht so kalt wie befürchtet. Nach exakt 12 Minuten gehe ich zurück in die Wohnung. Nicht, dass ich mich am Ende noch erkälte.
Es ist schon verrückt, was man mit Ursula alles erlebt. Ich bin schon sehr gespannt, was sie sich als nächstes ausdenkt.
Fingerspiele
Am Samstagabend sitzen Ursula und ich irgendwo im Café Extrablatt. Am Tisch schräg gegenüber sitzen zwei frisch geschlüpfte Achtzehnjährige. Zumindest schätzen wir sie etwa so alt. Da Ursula Hunger hat und unser Essen noch nicht da ist, lutscht sie an meinen Fingern. Eine der beiden frisch geschlüpften Achtzehnjährigen beobachtet uns dabei. Sobald ich zu ihr rüber schaue, guckt sie weg. Ich glaube, sie ist scharf auf mich und möchte auch an meinen Fingern lutschen.
Um sie ein wenig zu unterhalten, lutsche ich nach dem Essen an Ursulas Fingern. Auch das beobachtet die frisch geschlüpfte Achtzehnjährige sehr interessiert. Vermutlich wünscht sie sich, dass sie an Ursulas Stelle wäre. Ich glaube, sie will mich.
Ursula und ich beschließen, dass ich ihr Ursulas Telefonnummer gebe. Einfach so zum Spaß. Als Ursula zur Toilette geht, nehme ich mir einen Zettel und schreibe ihre Telefonnummer auf. Wenig später beschließen wir, das Café zu verlassen. Ursula bezahlt die Rechnung und wir machen uns auf den Weg Richtung Ausgang. Dabei müssen wir an dem Tisch der beiden frisch geschlüpften Achtzehnjährigen vorbei. Beim Vorbeigehen lege ich den Zettel mit Ursulas Telefonnummer auf den Tisch der beiden. Als sie zu mir hoch guckt, kneife ich ihr ein Auge zu und lächle sie an.
Ich bin gespannt, wann sich Ursula und die frisch geschlüpfte Achtzehnjährige kennenlernen, damit wir drei gemeinsam an unseren Fingern lutschen können. Ich liebe es, dass man mit Ursula solche Dinge tun kann.
2009
Trennung
Es ist bereits 2009. Ursula und ich führen weiterhin eine tolle offene Beziehung. Wir empfinden viel füreinander, unser Sex ist Klasse, unser gemeinsamer Alltag funktioniert. Wir sehen uns weiter regelmäßig, fummeln ständig aneinander rum und mögen es draußen ebenso gern wie drinnen. Wir mögen fast alles und wir machen es gut.
Doch im Mai ändern sich die Dinge plötzlich und es wird Gewissheit, was mir schon seit Tagen unvermeidlich schien. Ursula trennt sich per Mail von mir. Es gibt sicher einige gute Gründe für die Trennung, dennoch trifft es mich sehr, hatte ich doch selten zuvor eine Beziehung mit einer Frau, die so gut zu mir passte bzw. zu passen schien. Dennoch kann ich ihre Entscheidung gut nachvollziehen. Ich tauge nicht für feste Beziehungen und sie will jetzt plötzlich eine solche Beziehung. Da ist eine Trennung wohl die logische Konsequenz.
Letzte Gespräche, letzter Sex
Ein letztes Gespräch über eine mögliche Zukunft folgt ein paar Tage später. Schon im Vorfeld habe ich nach Abschiedssex gefragt, was Ursula unpassend fand. Nun haben wir trotzdem unseren Abschiedssex. Und selbst unser Abschiedssex ist gut. Wie kann sie nur auf derart herrlichen Sex verzichten wollen? Obwohl sie in Aussicht stellt, über ihre Entscheidung nochmal nachzudenken, bin ich sicher, dass sie ihre Meinung nicht ändern wird. Es ist aus.
Ein paar Tage später teilt sie mir telefonisch mit, dass es endgültig bei der Trennung bleibt.
Richtungswechsel
Einige Tage nach der Trennung haben wir wieder Kontakt. Erst per Mail, dann am Telefon. Sie scheint nicht so wirklich glücklich mit ihrer Entscheidung zu sein und ich würde sie gerne zurücknehmen. Schließlich bekommt man eine solch gute Beziehung nicht alle Tage auf einem Silbertablett serviert.
Während unserer immer häufiger werdenden Telefonate zeichnet sich ab, dass es das mit uns noch nicht gewesen sein kann. Und irgendwann kündigt Ursula an, mich an meinem Geburtstag besuchen zu wollen.
Geburtstagssex
Zu meinem Geburtstag bringt mir Ursula einen Kuchen und eine Rose mit. Da sie etwas früher als erwartet erscheint und ich eben erst die Dusche verlassen habe, trage ich nur meine Unterhose. Wenig später ist auch diese verschwunden und wir vögeln zur Begrüßung im Bad. Ich liebe den Sex mit ihr. Später klären wir, wie es mit uns weitergeht, bevor wir erneut Sex haben. Es sieht so aus, als würden wir in Zukunft wieder regelmäßig Sex haben. Die Trennung wird rückgängig gemacht. Der Spaß kann weitergehen.
Sex im Park
Nach der rückgängig gemachten Trennung geht es weiter, als hätte es sie nie gegeben. Und zu unserem Alltag gehören weiterhin absurde Ideen.
Damit Ursula auch mal sieht, wie schön und gemütlich es im Park ist, nehme ich sie mit. Wir setzen uns auf eine der beiden Parkbänke, genießen die Natur und beobachten die Graureiher, die ihre Runden über dem Teich drehen. Dann blasen wir zwei Luftballons auf, befestigen sie an einem Ast und stellen diesen am Ufer auf. Das macht zwar keinen Sinn, ist aber etwas, was ich mir sehr gewünscht habe.
Da ich die Möglichkeit, mit einer Frau hier zu sein, sinnvoll nutzen möchte, mache ich Ursula auf einen kleinen Trampelpfad hinter der Bank aufmerksam. Ich sage ihr, dass man da zu einer Stelle gelangt an der man prima Sex haben kann. Zunächst ist sie skeptisch, doch da ich ein Ziel habe, bleibe ich dran, gehe zu dem Pfad und sage ihr, dass wenige Meter weiter ein Baum steht, an den sie sich prima lehnen könnte, während ich sie von hinten beglücke. Jetzt ist ihr Interesse geweckt. Ich sage, dass uns dort niemand sehen wird und fordere sie auf, mir zu folgen. Dass nur wenige Meter hinter dem Baum ein Weg, von dem man uns sehr wohl beobachten könnte, entlang geht, teile ich ihr nicht mit. Wir folgen dem Pfad zu dem Baum. Obwohl mir hier eindeutig zu viele Insekten umherfliegen, machen wir das, weshalb wir hier sind. Da ich ein ganz fixer bin, ist das Risiko entdeckt zu werden, ziemlich gering. Und obwohl ich so fix bin, schafft es irgendein Insekt mir in den Oberarm zu stechen. Es scheint, als wäre dies eine guter Ort zum Stechen.
Nachdem wir fertig sind, teile ich Ursula mit, dass nur wenige Meter hinter diesem Baum ein Weg herführt. Außerdem stellen wir fest, dass wir auch vom Hauptweg jederzeit hätten beobachtet werden können. Gut, dass mir das egal ist und ich so fix bin. Wir gehen zurück zur Bank, setzen uns und widmen uns unseren Büchern. Die Parkordnung ist jetzt wiederhergestellt.
Einige Wochen später gehen wir in einem dem Park nahegelegenen Wald spazieren. In guter Erinnerung an unsere Nummer im Park, bietet mir Ursula an, dass wir für einen Quickie den Weg verlassen und uns abseits der Wanderwege vergnügen. Und so verlassen wir die Wege, ziehen uns ins Dickicht zurück und tun es. Dummerweise lockt unser Liebesspiel unzählige Insekten an, die sich, vermutlich angeregt durch unseren Akt, nichts Schöneres vorstellen können, als ebenfalls zuzustechen. Dummerweise bereitet mir das allerdings keine Freude. Ich finde es nämlich ganz und gar nicht entzückend, nach jedem kleinen Zwischenspiel vollkommen zerstochen aus dem Dickicht zu klettern. Diese kleinen Biester versauen einem echt die Freude. Und obwohl ich mir ganz fest vornehme, in Zukunft auf solche sexuellen Exkursionen zu verzichten, werde ich, wenn Ursula mir eine Nummer im Freien vorschlägt, nicht nein sagen können und mich wieder zerstechen lassen. Das ist irgendwie vollkommen idiotisch. Aber auch zu geil, um darauf zu verzichten. Sex mit Ursula ist einfach überall zu gut, um darauf zu verzichten. Und das schon über zwei Jahre.
2011
Die Zeit vergeht
Vor drei Jahren haben Ursula und ich uns zum ersten Mal getroffen. Aus einer Sexbeziehung ist eine offene Beziehung geworden. Aus einer Sexbeziehung ist über die Zeit eine offene Beziehung geworden. In der Regel treffen wir uns jedes zweite Wochenende. Durchschnittlich haben wir dann fünfmal Sex miteinander. Meist geht die Initiative von ihr aus, was ich gut finde. Wenn es nach ihr ginge, hätten wir öfter Sex, aber ich finde, wir müssen auch noch andere Dinge gemeinsam tun. Außerdem bin ich nicht mehr der Jüngste. Unser Sex ist weiterhin sehr gut. Sie weiß, was ich mag und ich bekomme es. Besonders meine Vorliebe für Quickies wird von ihr voll und ganz befriedigt. Insgesamt ist sie derzeit die ideale Frau für mich. Nicht nur sexuell betrachtet.
7 Tage und eine Ballonfahrt
Im August 2011 verbringen wir sieben Tage am Stück zusammen. Es werden die unbeschwertesten und entspanntesten Tage seit vielen Jahren. Als sie mich nach sieben Tagen verlässt, vermisse ich sie auf der Stelle. Das ist echt heftig.
Eine Woche später erfüllt mir Ursula einen weiteren Kindheitstraum. Wir machen eine Ballonfahrt. Das ist herrlich und weil kaum Wind ist, auch völlig gemütlich, beinahe schon langweilig und deshalb vermutlich auch so entspannend. Nach der Ballonfahrt wird uns noch ein Titel verliehen und ich kann mich fortan “wird nachgetragen” nennen.
Nahendes Ende und Promethazin
Wenige Tage später, zurück im Alltag, geht es uns beiden nicht gut. Und so reden wir über unsere Zukunft, die wir nicht mehr haben. Die Entfernung zwischen unseren Wohnorten ist zu groß. Niemand wird umziehen und so werden sich unsere Wege früher oder später trennen. Um das Gespräch zu ertragen, nehme ich fünf Tropfen Promethazin. Habe ich von meiner Therapeutin als Ersatz für mein geliebtes Diazepam bekommen. Es scheint zu wirken.
In der folgenden Nacht schlafe ich bis 05.30 Uhr. Direkt nach dem Aufwachen bin ich fertig. Verlustängste, Angst vor Einsamkeit und all meine inneren Dämonen machen mich fertig. Dabei ist das vermutlich unnötig, aber ich komme mit Verlust nicht klar. Selbst wenn rational alles Sinn ergibt, dreht mein Kopf einfach durch.
10 Tropfen Promethazin sollen helfen, doch zunächst spüre ich davon nichts. Dafür habe ich eine aufregende Fahrt zur Arbeit. Ich bin vollkommen müde und sehe, wie sich die Bäume einer Allee zu einem Burgtor verwandeln, das ich gerade noch so passieren kann, ohne es zu streifen. Wenige Meter weiter kommt ein Haus auf mich zu. Ich bremse, um es vorbeizulassen. Unnötig. Es will gar nicht vorbei. Ob das Promethazin für diese Effekte zuständig ist? Oder ist es die unglaubliche Müdigkeit? Und ist es überhaupt klug, in diesem Zustand Auto zu fahren? Vermutlich nicht.
Die Trennung naht
Es ist September und es sieht nicht wirklich so aus, als würde uns noch viel Zeit bleiben. Manni sieht das ganz sachlich und sagt, dass es doch klar war, dass so eine Fernbeziehung nicht von Dauer sein würde. In Beziehungsfragen hat er immer eine Meinung und den Durchblick. Vielleicht ist er unser Beziehungsexperte, obwohl er selbst auf Beziehungen verzichtet. Besser und erträglicher wird es durch seine Einschätzung allerdings auch nicht.
Am Montag, den 12. September 2011, spricht Ursula es aus. Es ist vorbei. Sie kann so nicht mehr weitermachen. Ich nehme diese Information so sachlich wie möglich auf und versuche, es gefühlsmäßig von mir fernzuhalten. Als ich merke, dass mir das schwerfällt, nehme ich ein paar Tropfen Promethazin und bringe das Gespräch sachlich – so sachlich es mir möglich ist – zu Ende. Das kommende Wochenende wollen wir noch zusammen verbringen, dann gibt es UNS nicht mehr. Zumindest nicht als Paar. Komische Situation.
Das letzte gemeinsame Wochenende
Am Wochenende wird mich Ursula ein letztes Mal besuchen, weil eine Trennung am Telefon nicht wirklich zu uns passen würde. Sie fragt, ob sie über Nacht bleiben darf. Wie könnte ich etwas dagegen haben? Alles ist wie damals, als sie sich schon einmal von mir getrennt hat. Damals lief es ähnlich ab. Doch heute weiß ich, dass es kein Zurück geben wird. Diese Trennung wird keine Vorübergehende sein, sondern endgültig.
Es ist komisch, aber es gibt Momente, in denen ich denke, dass die Trennung gut ist, weil es keine andere Möglichkeit für uns gibt. Dann denke ich, dass die Dinge eben den Lauf nehmen, den sie nehmen müssen. Fast so, als würde eine Last von uns beiden fallen. Dann wieder gibt es Momente, in denen ich nur heulen möchte. Hoffnungslosigkeit, Orientierungslosigkeit und Verzweiflung machen sich breit. Ich versuche alles mit Promethazin zu dämpfen. Widersprüchlich ist das alles ohnehin, denn ich habe längst auch Gefühle für Agnes entwickelt. Allerdings habe ich Agnes sehr weh getan, um diese endende Beziehung fortzuführen. Wie ein Elefant im Porzellanladen habe ich zwei Frauen und mich selbst verletzt. Wieder einmal fühle ich mich einfach nur wie ein mieses Arschloch.
Am Freitag besucht mich Ursula zum letzten Mal. Schon bevor sie da ist, geht es mir schlecht. Mein Magen rebelliert und ich fühle mich, als hätte ich ein Magengeschwür. Die Begrüßung findet ohne Worte statt. Stattdessen umarmen wir uns minutenlang und weinen. Zu mehr sind wir nicht in der Lage. Während wir uns umarmen, onaniert Pflegehund Manu neben uns. Was für ein bizarres Schauspiel. Irgendwann schaffen wir es, uns voneinander zu lösen, setzen uns und weinen auf dem Sofa weiter. Bis wir reden können, vergeht eine Weile. Als wir keine Tränen mehr haben, essen wir zu Abend.
Später stehen wir auf den Balkon, küssen uns und es folgt – weil wir einfach so sind – ein letzter Blowjob auf dem Balkon. Weil so ein orales Vorspiel Lust auf mehr macht, gehen wir anschließend zusammen ins Bett und haben Sex. Danach machen wir einen Spaziergang mit Pflegehund Manu. Es folgt unsere vorletzte gemeinsame Nacht.
Den Samstag verbringen wir zunächst in Dortmund, bummeln durch die Stadt, essen eine Kleinigkeit und setzen uns ins Maximilian. Der Tag ist ebenso schön wie fast alle unsere Tage. Ich bin entspannt und glücklich. Am Nachmittag machen wir einen langen Spaziergang am Kanal entlang mit Pflegehund Manu. Am Abend stehen wir auf dem Balkon. Mir wird bewusst, dass unsere letzten Stunden verrinnen. Die letzte Nacht steht kurz bevor und schon morgen wird es uns so nicht mehr geben. Ursula fragt, ob wir Masochisten sind, weil wir unseren Abschied so gestalten. Ich weiß es nicht. Sind nicht alle Menschen Masochisten? Ursula sagt, dass wir uns vielleicht zu früh getroffen haben und dass unsere Zeit vielleicht in zehn Jahren kommt. In zehn Jahren wäre ich über 50. Warum sollte unsere Zeit noch kommen? Wir hatten unsere Zeit doch längst. Später schlafen wir ein letztes Mal zusammen, bevor weitere Tränen fließen. Weinen Masochisten?
Am Sonntag wache ich gegen 06.12 Uhr auf. Mir ist schlecht. Die Übelkeit des Abschieds? Ursula legt ihren Kopf auf meine Schulter und schläft zum ersten Mal in dieser Position ein. Zum Abschied noch eine Premiere. Und während sie so daliegt und entspannt, lässt meine Übelkeit nach und ich kann auch etwas entspannen. Später, als wir beide wach sind, lassen wir unseren Tränen ihren Lauf. Ich kann es gar nicht kontrollieren und weine mich vollkommen leer. Ich sage ihr: ,,Wenn Du jetzt nicht glücklich wirst, trete ich Dir in den Arsch.” Aber das meine ich natürlich nicht so. Dann weine ich weiter. War ich wohl doch noch nicht leer geweint.
Wir fahren nach Dortmund, essen beim Chinesen, machen einen letzten Spaziergang. Dann möchte sie, dass wir zurückfahren. Unsere Zeit geht zu Ende. Ich bringe sie zu ihrem Wagen. Es ist etwa 14.30 Uhr, als wir uns zum letzten Mal verabschieden. Wir wollen Freunde bleiben. Werden wir? Es folgt unser letzter Dialog. „Ich liebe Dich.” – „Ich Dich auch. Fahr bloß vorsichtig.” – „Mache ich. Soll ich Dir eine SMS schreiben, wenn ich angekommen bin? – „Ja.” Kurze Pause. „Leb wohl, Süße.”
Epilog
Nach der Trennung komme ich mit Agnes zusammen und Ursula mit dem Mann, mit dem sie sich während unserer Beziehung auch schon getroffen hat. Irgendwann heiraten die beiden. Wir hätten alles einfacher haben können, aber hinterher ist man meistens schlauer.
Erwartungsgemäß versaue ich Jahre später auch die Beziehung zu Agnes. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier niemals erzählt werden wird.