Der Todesmarsch beginnt durchaus interessant, doch leider wird es schon bald etwas zu merkwürdig. Über manches kann ich hinwegsehen. Ich störe mich auch nicht weiter daran, dass die Teilnehmer der Wanderung auch nach etlichen Meilen noch fast ununterbrochen miteinander reden, als wäre es ein netter Spaziergang, und die Tatsache ignorieren, dass nur einer überleben wird. Was mich allerdings richtig nervt, ist, dass ich das mit den ganzen Warnungen nicht verstehe. Da geht einer einmal einen winzigen Schritt langsamer, sofort ertönt eine Warnung. Und dann werden in der ersten Nacht scheinbar wahllos Marschierende erschossen. Egal, ob sie sich am Anfang oder am Ende befinden. Ich muss nicht immer alles verstehen, aber das ist mir zu willkürlich. Oder muss man das Buch kennen, um es halbwegs nachvollziehen zu können?
Die Dialoge und Streitereien werden irgendwann ermüdend. Es entsteht auch kein echtes Interesse an den Wanderern, ihrer Motivation oder ihren Problemen. Beliebig austauschbare Figuren, nichts weiter. Dann schafft es plötzlich einer, sich ein Gewehr zu schnappen und einen Wächter zu erschießen, verliert anschließend aber jegliche Motivation und ist wenig später tot. Und weiter geht der Marsch, bis nur noch einer übrig ist. Dieser bekommt ein Gewehr und erschießt das Oberhaupt. Plötzlich sind alle Menschen verschwunden, und er geht alleine los. Wo sind alle hin? Warum wird er nicht erschossen? Oder wurde er es und wir sehen einen Toten, der ins Nichts geht?
Was soll das? Ist das Buch auch so langweilig? Und wenn ja, warum? So viele Fragen, so wenige Antworten.
Das ist jedenfalls ein Film, der mit jeder Minute langweilig wird, bis er nur noch nervt.
Fazit: Da reinigt man besser einmal gründlich seinen Backofen.
The long walk ist mein Lieblingsbuch. Es beschreibt gut jegliche menschliche, soziale Struktur. (Du musst nicht mitmachen, aber wenn doch, halt Dich besser an die Regeln. Und lauf los…) Und eignet sich auch gut für eine (kostengünstige) Verfilmung, weshalb es schade war, dass es 39 Jahre gedauert hat, bis es eine gab. Wobei das Spielfilmformat (im Gegensatz zu einer Miniserie) dabei schwierig ist, um die vielfältigen angesprochenen Geschichten und die Stumpfsinnigkeit des Marsches gut wiederzugeben und dabei einen die Akteure an Herz wachsen (bis auf Barkovitch, den Major, die Wachen und die Zuschauer) zu lassen. Aber der Trailer ließ hoffen…
Der Film ändert jedoch folgendes:
– explizite, unnötige Gewaltdarstellung
– es sind nur 50 statt 100 Läufer und sie sind immer zusammen, dabei haben sie auch verschiedene Figuren (z.B. Scramm und Stebbins) zusammengefasst
– keine Zuschauer ab dem dritten Tag
– sie haben das Ende geändert und es von einer Tragödie zu einer Romanze gemacht
Deshalb Empfehlung fürs Buch, aber nicht für den Film.
Ich habe sehr viele der Verfilmungen gesehen, aber kaum etwas von Stephen King gelesen. Ich kann nicht einmal sagen, warum das so ist. Obwohl ich sicher bin, dass viele seiner Bücher gut sind.