Kardiologe vs. Hausarzt

Wegen
meiner gesundheitlichen Defizite und meiner vom Hausarzt festgestellten
Arterienverkalkungen, sitze ich nun beim Kardiologen, um ihm meine Probleme zu
schildern. Vor vielen Jahren saß meine Mutter regelmäßig hier. Ein schlechtes
Omen? Nachdem ich meine Probleme geschildert habe, werde ich zur
Ultraschalluntersuchung gebeten. Mein Herz, so sagt der Kardiologe, sieht
normal aus. Immerhin. Er fragt sich, während er meine Halsschlagadern
untersucht, was der Hausarzt gesehen haben will. Für ihn sehen die
Halsschlagadern absolut normal aus. Es folgt die Untersuchung der
Bauchschlagader. Der obere Teil lässt sich dank unnötiger Luftansammlungen
nicht erkennen, der untere Bereich ist, so sagt der Kardiologe, vollkommen in
Ordnung. Klingt gut, aber wer weiß, wie der obere Bereich aussieht?
Möglicherweise ist da alles verrottet und verkalkt. Weil der Kardiologe gerade
dabei ist, untersucht er auch die Adern in der Leiste. Auch hier kann er nichts
entdecken, was nicht so ist, wie es sein sollte. Erneut sagt er, dass er keine
Ahnung hat, was der Hausarzt gesehen haben will. Ich weiß es auch nicht. Ich
bin ja nicht einmal Arzt. Nächste Untersuchung: Belastungs-EKG. Ich werde verdrahtet,
der Blutdruck wird gemessen und ab geht die wilde Fahrt auf dem
Sitzfahrradergometer. Ein kleiner Plausch mit der Angestellten und als der
Widerstand auf 200 gestellt wird, mag ich nicht mehr, weil ich sonst zu stark
schwitzen würde, was mir vor fremden Menschen unangenehm ist. Ich darf aufhören
und werde wenige Minuten später zum finalen Gespräch mit dem Kardiologen
gebeten. Er sagt, dass er nichts feststellen kann und alle Werte in Ordnung
sind. Ich bedanke mich, bin erleichtert und verlasse die Praxis. Kaum bin ich
draußen, frage ich mich, wer denn nun Recht hat. Der Kardiologe oder der
Hausarzt? Früher oder später werde ich mir eine dritte Meinung einholen müssen.
Aber nicht so bald, denn in diesem Jahr habe ich schon genug  Zeit bei Ärzten verbracht. Doch eine dritte
Meinung, so viel ist gewiss, wird es irgendwann geben müssen, weil ein
Unentschieden zu viele Fragen offen lässt.

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