Ausflüge, Kunst und Geheimdienste

Normalerweise ist am Freitag Filmabend. Das ist seit langer Zeit Tradition und nur selten fällt so ein Filmabend aus. Daher ist es durchaus verwunderlich, dass Petra und
ich jetzt nicht vor dem Fernseher, sondern in meinem Coupé sitzen und nach Dortmund fahren. Eine spontane Entscheidung, weil das Wetter schön ist und wir nicht jünger werden. Während wir nach einem Parkplatz suchen, beschleicht mich das dumme Gefühl, dass wir mit dem falschen Wagen unterwegs sind. Wochenendausflüge bei schönem Wetter sollten grundsätzlich in einem angemessenen Fahrzeug stattfinden. Dummerweise steht der Benz in der Garage. Ich bin echt aus der Übung. Das kommt davon, wenn man abends normalerweise immer zu Hause hockt.

Nach einem Rundgang über das Weinfest und einem Spaziergang durch die City, nehmen wir im Cotton´s Platz. Hier ist es nicht zu voll und eigentlich immer nett. Ich bestelle einen O-Saft und muss mir unbedingt merken, dass der O-Saft im Cotton´s nicht schmeckt. Da trinkt man besser direkt aus einem Tetrapack.

Ich beobachte die Menschen und finde, dass erstaunlich viele blonde Frauen um uns herum platziert wurden. Schnell erkennt man aber, dass das keine echten Blondinen sind, was mich aber nicht weiter stört, weil ich die Leute eh schon bald vergessen haben werde. Es ist wie vor vielen Jahren als ich noch regelmäßig ausging. Der einzige Unterschied ist, dass ich mittlerweile alt bin, obwohl das eigentlich nicht sein kann.
Auf der Rückfahrt stelle ich erneut fest, dass der Benz die bessere Wahl gewesen wäre. Außerdem habe ich keine Banane dabei. Ich bin echt aus der Übung.

Am Samstagabend wollen wir, weil es gestern so entspannt war, wieder nach Dortmund. Diesmal ins Kreuzviertel und mit Manni als Begleitung. Den Benz nehmen wir dieses Mal bewusst nicht, weil es im Kreuzviertel so eng und voll ist und es keine angemessenen Parkplätze für ihn gibt. Also darf Petra fahren. Wir gehen zuerst ins Uncle Tom´s, wo Petra diesen Kaffee serviert bekommt.

Ich trinke zwei Bionade-Limonaden und bastle aus den Strohhalmen dieses Kunstwerk, welches meine ausgeprägte Kreativität unterstreicht.

Anschließend wird es ernst. Wir unterhalten uns über Petras Aktivitäten bei Facebook und darüber, dass sie damit längst ins Visier des Verfassungsschutzes geraten ist und vermutlich längst überwach wird.  Daher verfasst sie nun auch Kommentare auf Englisch, weil der Verfassungsschutz kein Englisch versteht. Dummerweise hat das nun die CIA auf den Plan gerufen, ebenso den französischen Geheimdienst. Da uns der Name für den französischen Geheimdienst nicht einfällt, müssen wir danach googlen. Vorher erzählt Manni noch, dass Jean Reno in Godzilla einen Geheimdienstler gespielt hat und dabei sagte, wie dieser Geheimdienst heißt. Leider kann sich Manni aber nicht an mehr erinnern. Direction Générale de la Sécurité Extérieure. So steht es im Internet. Nun halten wir Ausschau nach Agenten, die Petra wegen ihrer ominösen Einträge wohl beschatten. Dabei stellen wir fest, dass sowohl der Mossad als auch der FSB Leute um uns herum platziert hat, um Petra zu beobachten. Nachdem wir am Nebentisch die Herren vom Geheimdienst enttarnt haben, verlassen diese bald darauf den Biergarten. Wir machen Petra darauf aufmerksam, dass wir sie auf keinen Fall decken werden, wenn wir verhört werden und sagen das auch ganz deutlich, damit alle Geheimdienste wissen, dass wir unschuldig sind. Sollte tatsächlich jemand mitbekommen, was wir hier reden, werden wir definitiv eingewiesen und dürfen uns nicht wundern, wenn an uns eine Lobotomie durchgeführt wird. Als sich weitere Agenten einfinden, zahlen wir und machen uns auf den Weg durchs Kreuzviertel. Nach einer Weile landen wir im El Mundo, wo die Optik noch etwas besser ist. Die Agenten scheinen wir abgehängt zu haben. So können wir ganz entspannt noch etwas trinken, weiteren Unsinn reden und auch mal lachen. Ich beobachte die jungen, attraktiven Frauen und finde es irgendwie traurig, dass mein Körper immer weiter altert während mein Geist da einfach nicht mitmachen will. Dann ist es plötzlich nach Mitternacht und wir machen uns auf den Heimweg. Für eine Weile werden wir noch vom BND verfolgt, dann haben wir es geschafft. Ein denkwürdiger Abend geht zu Ende und es bleibt fraglich, ob wir dieses Jahr noch öfter ausgehen werden. Leider fehlte auch heute die Banane, um den Abend perfekt zu machen.

7 Kommentare

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  1. sehr netter zeitvertreib…ich mag ja solche konfusen gedankenspiele…ähnliches hatte ich gestern abend spontan mit dem nachbarn mit dem französischem akzent…

  2. p.s. ich habe heute ein paar bananen gekauft…also falls sie eine benötigen, um einen abend perfekt zu machen…sagen sie einfach bescheid;-)

    • Sehr anständig. Ich bräuchte die dann kurzfristig. Also ganz spontan, wenn ich wieder mal abends unterwegs sein sollte. Es ist immens wichtig immer Bananen im Angebot zu haben.