Das eine und das andere Ich

Ich kann nicht behaupten, dass ich normal  bin. Oft glaube ich, dass mindestens zwei Personen in mir stecken. Wie bei einem 2 in 1 Pflegeprodukt. Diese Produkte kann man auch meist vergessen. Es gibt ein Ich, welches ich durchaus brauchbar finde. Dieses beobachtet meist alles, schweigt größtenteils und wenn es mal etwas zu sagen hat, dann ist es meist treffend. Es redet nie zu viel und scheint auch das intelligentere Ich zu sein. Dieses Ich wäre vollkommen ausreichend für mich doch dieses Ich schafft es leider nicht, sich gegen das andere Ich durchzusetzen. Dieses andere Ich redet zu viel und denkt zu wenig. Oder denkt erst, nachdem es geredet hat, versucht dann zu retten, was nicht zu retten ist, und macht alles nur noch peinlicher. Es ist definitiv das dümmere Ich. Dieses Ich würde ich zu gerne töten, weil es nicht nur unnütz ist, sondern mich auch immer wieder aufs Neue wie einen Vollpfosten wirken lässt. Das ist furchtbar, vor allem, wenn es vom anderen Ich bemerkt wird, was eigentlich immer der Fall ist. Dann fehlen dem eh meist schweigsamen Ich völlig die Worte. Etwas, was meinem anderen Ich sehr gut zu Gesicht stehen würde. Und so muss ich dieses vollkommen dämliche Ich, welches mit zunehmendem Alter auch immer mehr das andere Ich in den Hintergrund schiebt, vermutlich bis an mein Lebensende ertragen und hoffe inständig, dass ich es irgendwann zum Schweigen bringen kann. Dieses Ich ist einfach eine Zumutung und viel zu präsent. Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr mit anderen Menschen reden, dann hat das dumme Ich endlich Sendepause.

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9 thoughts on “Das eine und das andere Ich

  1. ich glaub, du hast ein falsches außenbild von dir. es ist wie mit der eigenen stimme hören, die findet man auch immer miserabelst.

    1. In der Tat finde ich meine Stimme miserabel, aber da kann ich mittlerweile akzeptieren, dass sie als Telefonstimme gern genommen wird. Das zweite Ich zu akzeptieren ist mir aber nicht möglich.

    1. Nachsicht mit dem zweiten Ich ist nicht möglich.
      Aber wenn Sie mich mögen, sollten wir uns duzen. Wie klingt das?

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