Arbeit, Urlaub, Rente, Tod

Als ich vor unendlich vielen Jahren mal für sechs Tage ein Fließbandarbeiter war, habe ich fast nur mit Frauen gearbeitet. Schnell gingen die meisten mir einfach nur auf die Nerven, weil ihre Unterhaltungen sich ständig um den nächsten Urlaub drehten. Drei- bis viermal im Jahr ging es in den Urlaub, dafür machten sie regelmäßig Überstunden, um sich den Urlaub leisten zu können. Ich hätte fast gekotzt, wenn ich mir die stets gleichen Geschichten anhören durfte. Für mich hatten die einen Knall und ich fand deren Leben irgendwie armselig. Zu der Zeit hatte ich allerdings auch noch nie, abgesehen von der Ausbildung, über einen längeren Zeitraum gearbeitet. Nun arbeite ich seit fast sechs Jahren und mittlerweile schleppe ich mich auch nur noch von Urlaub zu Urlaub. Ich rede zwar nicht ständig davon, hoffe ich zumindest, aber ansonsten lebe ich so, wie ich es damals schauerlich fand. Vielleicht würde ich sogar Überstunden machen, wenn die bezahlt würden, aber das ist unwahrscheinlich, denn wenn ich mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten würde, dann brächte mich das schon bald um und ich würde nicht mehr wirklich viele Urlaube vor mir haben. Was eine traurige und gruselige Entwicklung ich doch durchgemacht habe.

Mittlerweile habe ich sogar totales Verständnis dafür, dass jemand stirbt, kurz nachdem er in Rente gegangen ist. Vielmehr noch fange ich sogar an zu glauben, dass es die einzig sinnvolle Aktion ist, die einem als Rentner noch bleibt. Man wird nicht mehr gebraucht, hat nichts zu tun und noch weniger zu erwarten, da wäre es fast töricht nicht innerhalb kürzester Zeit zu sterben. Vielleicht bin ich ja nun doch Erwachsen geworden, weil anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich so denke. Oder ich bin einfach nur frustriert von mir und dem Leben, welches ich führe. Was auch immer es ist, es ist erbärmlich und Scheiße.

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