Bücher 2022

Obwohl im letzten Jahr niemand ein Buch von mir geschenkt haben wollte, biete ich auch dieses Jahr (zumindest in der Theorie) an, drei Bücher zu verschenken. Wer also ein Buch geschenkt haben möchte, der schaut sich hier an, was ich im Angebot habe und schreibt dann unten als Kommentar den gewünschten Buchtitel. Eine E-Mail geht natürlich auch. Die ersten drei Wünsche werden erfüllt. Zur Not schreibe ich auch eine persönliche Widmung, die dank meiner Krakelschrift keiner lesen kann, in das Buch. Versand aber nur innerhalb Deutschlands.


01. Roboterland
Roboterland wirft einen Blick auf die Zukunft in den Bereichen Lieben, Essen, Fortpflanzen und Sterben. Das Buch ist sehr informativ und interessant. Es zeigt einen Blick auf die aktuelle Entwicklung in den Bereichen und woran derzeit gearbeitet wird. Wie weit sind die Menschen in den einzelnen Bereichen und was erwartet uns. Leben irgendwann mehr Menschen mit Robotern als mit Menschen zusammen? Brauchen Männer Frauen für Sex noch? Müssen Frauen den Vorgang der Geburt mitmachen oder kann man die Babys auch außerhalb der Frauen wachsen lassen? Welche Zukunft hat das Schlachten von Tieren, wenn der Mensch dennoch nicht auf Fleisch verzichten will? Und wie sieht es mit der Sterbehilfe in Zukunft aus?
Mir hat das Buch gut gefallen und es wirft Fragen auf, welche für die Zukunft wichtig sein werden. Absolut empfehlenswert.


02. Schlau, schwarz und kunterbunt – Die Welt der Rabenvögel
Das Buch gibt einen kleinen Überblick über die Welt der Rabenvögel. Es gibt ein paar kurze Texte, einige Zeichnungen und Informationen zu Unterschieden zwischen einigen Raben- und Krähenarten. Kurz, informativ und unterhaltsam. Ein Buch für Kinder und Erwachsene, die gelegentlich Krähen zu Besuch auf ihrem Balkon haben.


03. Sadisten
Was kann es erbaulicheres und interessanteres geben als ein Buch über Sadisten? Bestimmt einiges, aber dennoch hatte ich nach dem Buch über Psychopathinnen Lust auf ein weiteres Buch von Lydia Benecke. Und so habe ich mich für Sadisten entschieden. Das Buch ist ebenfalls sehr aufschlussreich und bietet einen Einblick in die Welt der Sadisten, aber auch in die BDSM-Szene, was irgendwie auch zusammengehört. Es gibt Interviews, es werden Fälle und Verbrechen beschrieben und man bekommt einen spannenden Einblick in eine Welt, die manchem sicherlich sehr fremd ist.
Ich fand Psychopathinnen ein wenig besser, kann aber auch Sadisten nur empfehlen. Das nächste Buch der Autorin wartet auch schon im Regal darauf von mir gelesen zu werden. Wird sich sicher auch lohnen.


04. Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot
Auf der Suche nach dem Glück läuft es nicht immer so, wie die Romanfiguren es sich vorgestellt haben. So kommt es, dass sie am Ende tot sind. Es erscheint unwahrscheinlich, dass sie diese Art des Glücks gesucht haben, aber ausschließen kann man es auch nicht.
Ich habe eine Weile gebraucht, um in dem Roman anzukommen, aber das liegt weniger an dem Roman als an meiner Verwirrtheit. Die Begegnungen und Erlebnisse der Personen sind unterhaltsam, nachvollziehbar und treffend beschrieben und es hat mir Spaß gemacht sie bis zu deren bitteren Enden zu begleiten. Vielleicht ist das ein bisschen trostlos oder deprimierend, was die Leute erleben und durchmachen, aber ich finde, es ist durchaus realistisch und ob man das Ende nun als Happy End bezeichnet oder nicht, kann man selbst entscheiden. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht das Buch zu lesen und ich kann es durchaus empfehlen. Nur halt nicht, wenn man möchte, dass sich am Ende alle glücklich in den Armen liegen oder es noch Hoffnung gibt. Denn das geht natürlich nicht, weil die ja tot sind, die Leute, die das Glück suchten.


05. Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze
Schon alleine der Titel “Kein Geld, keine Uhr, keine Mütze” ist genau nach meinem Geschmack. Auch wenn es jetzt nicht so wirklich um Geld, eine Uhr und eine Mütze geht, finde ich den Titel einfach gelungen. Inhaltlich klingt das Buch teilweise wie andere Bücher von Genazino, wobei ich es dieses Mal einen Tick gelungener finde, ohne benennen zu können, warum es so ist. Der Protagonist beschreibt sein Leben, seine Beziehungen und besonders seine Gedanken. Alles sehr nach meinem Geschmack, auch wenn es mir manchmal etwas durcheinander erschien, was dem Lesevergnügen aber nicht geschadet hat. Es kann allerdings auch sein, dass gar nichts durcheinander ist und ich mir das nur eingebildet habe, weil ich oft durcheinander bin. Letztlich hat mir das Buch aber Freude gemacht und ich kann es nur empfehlen. Direkt im Anschluss habe ich mir zwei weitere Bücher des Autors zugelegt, was sowohl für den Autor als auch für dieses Buch spricht.


06. Das Leben ist zu kurz für später
Was würde man anders machen, wenn man nur noch ein Jahr zu leben hätte? Alexandra Reinwarth schreibt, was sie tun würde und das ist durchaus nachvollziehbar und klingt oft auch vernünftig. Manchmal, besonders im ersten Drittel des Buches, fand ich ihre Geschichten allerdings nicht so wirklich überzeugend, da mir das stellenweise etwas zu konstruiert wirkte. Ich hatte in der Phase kurz daran gedacht, dass Buch nicht weiter zu lesen, aber dann wurde es wieder besser. Das sind natürlich alles keine neuen oder gar überraschenden Tipps, die man erhält. Zumindest nicht, wenn man sich gelegentlich Gedanken über die begrenzte Zeit, die man so lebt, macht, aber dennoch regt das Buch auch zum (neuerlichen) Nachdenken an. Am Ende war es mir dann aber schon ein bisschen viel und klang auch zu schön, um wahr zu sein. Fast wie ein kitschiges Happy End aus einem kitschigen Film, aber vielleicht bin ich einfach nur zu kritisch, wenn etwas so gut wird, wie es meistens eher nicht wird. Aber es kann vermutlich schon so werden, wenn man seine Passivität ablegt. Das Buch ist insgesamt ganz nett mit einigen Phasen, die mir nicht so gefallen haben und man kann es durchaus lesen, wenn einen solche Themen interessieren.


07. Wenn der Wind singt
Der erste Roman von Haruki Murakami ist zwischendurch für mich etwas verwirrend, aber das ist bei Romanen von Murakami eigentlich immer so. Abgesehen davon lässt sich die Geschichte gut lesen und sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Auch in diesem Roman geht es um eine Beziehung, die möglicherweise nicht ganz normal ist, aber da niemand weiß, was normal ist, ist es vermutlich eine ganz normale Beziehungsgeschichte. Für kurzweilige Unterhaltung oder als erstes Buch, welches man von Haruki Murakami liest, eignet sich “Wenn der Wind singt” ganz hervorragend.


08. Pinball 73
Es könnte das erste Mal sein, dass ich direkt zwei Bücher von einem Autor hintereinander gelesen habe. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, dass ich das schon öfter so gemacht habe. Hier hat sich das auch angeboten, weil beide Bücher zusammen in einer Ausgabe erschienen sind. Pinball 73 folgt auf Wenn der Wind singt und setzt die Geschichte des Erzählers fort. Parallel dazu wird die Geschichte von Ratte weitererzählt. Darüber hinaus geht es um einen besonderen Flipperautomaten, Zwillinge und was das Leben noch so zu bieten hat. Mir gefällt auch der zweite Roman von Murakami und ich werde sicher noch das eine oder andere Buch von ihm lesen.


09. Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben: Die Weisheit der Hundertjährigen
Das Geschichten aus dem Buch sind durchaus interessant, aber letztlich auch deprimierend, da die meisten der Menschen nun einmal am Ende ihre Lebens angekommen sind. Einige starben noch vor der Veröffentlichung, was aber wenig überraschen kann, wenn man bedenkt, dass sie während der Interviews schon länger gelebt hatten als die meisten anderen Menschen. Die Frage, warum manche Menschen so viel älter werden als andere, ist natürlich nicht einfach zu beantworten. Zufall? Glück? Und ist es Glück, wenn man alt ist, aber der Körper nicht mehr wirklich funktioniert? Natürlich gibt es auch recht fitte Interviewpartner, die bis ins hohe Alter kaum körperliche Beschwerden hatten, aber da muss man schon doppeltes Glück haben. Dennoch ist es ein lesenswertes Buch, welches ich durchaus empfehlen kann.


10. Herr Jensen steig aus
Herr Jensen verliert seinen Job, den er einfach nur hatte, weil es sich so ergeben hat. Herr Jensen lebt danach als Arbeitsloser und beschließt, dass er keinen Fernseher, keinen Videorekorder und keinen Briefkasten mehr braucht. Und so steigt er immer weiter aus bis irgendwann fremde Menschen in seiner Wohnung stehen.
Ich hatte das Buch vor vielen Jahren geschenkt bekommen und mochte es, hatte aber zwischenzeitlich fast alles vergessen, weshalb ich es noch einmal gelesen habe. Und ich mag es noch immer. Guter Schreibstil, gut zu lesen, irgendwie mitten aus dem Leben. Als ich das Buch damals gelesen habe, war ich selber arbeitslos und es hätte sein können, dass es mir jetzt, wo ich das nicht bin, nicht mehr gefällt. Aber das ist nicht so. Herr Jensen steigt aus ist auch weiterhin ein Buch nach meinem Geschmack und der Ausstieg des Herrn Jensen eine Empfehlung wert.


11. Du darfst nicht alles glauben, was Du denkst
Ich mag den Humor von Kurt Krömer und dachte, der Mann kann dann sicher auch gut über Depressionen schreiben. Daher war es selbstverständlich, dass ich das Buch lesen musste. Und ich finde, es ist gut geworden. Interessante Schilderungen des Therapiealltags und seiner Gedanken dazu. Es ist kein leichtes Thema, aber dennoch liest sich das Buch leicht. Es beschreibt die Lebenssituation des Autors und wie er mit Hilfe der Therapie seinen Weg gefunden hat, um aus der Krise zu kommen. Für mich ist das Buch eine Empfehlung wert.


12. Der Glanz der Matschblase
Sven wird nicht nur von seiner Freundin verlassen, auch sonst läuft es nicht gut in seinem Leben. Das ändert sich scheinbar als Katharina in seinen Leben tritt. Nur besser wird das Buch dadurch leider nicht, denn zu der Liebesgeschichte, die manchmal lächerlich peinlich und konstruiert daherkommt, hat der Autor es sich auch zur Aufgabe gemacht, aktuelle Gesellschaftsprobleme einzubauen. Quasi aus dem Nichts gibt es dann einen Generationenkonflikt oder immer wieder das Thema Datenschutz, welches mit öden, virtuellen Unterhaltungen anfangs gerne eingestreut wird. Das wirkt leider nicht natürlich, sondern eher so als mussten die vielen Gedanken des Autors noch untergebracht werden. Diese eingestreuten Fremdkörper behindern aber den Lesefluss und helfen der Geschichte auch nicht weiter. Auch ohne diese ganzen Einstreuungen kommt die Liebesgeschichte nicht über das Mittelmaß hinaus. Es ist immer wieder ein Tick zu viel, ein Zufall hier, ein Geschehnis dort. So richtig stimmig ist der Buchstabensalat irgendwie nicht. Und je mehr man liest, desto weniger Spaß macht es. Überraschende Wendungen sind durchaus reizvoll, doch das ist einfach zu viel des leider nicht Guten. Das ausufernde Happy End setzt dem ganzen Unsinn natürlich die Krone auf. Es gibt nach diesem Debüt für mich jedenfalls keinen Grund, sich auf ein weiteres Buch des Autors zu freuen.

© 2022

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: