Bayer AG

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit vielen Jahren benutze ich Ihre Produkte, wenn es darum geht, meine Gesundheit wiederherzustellen. Das liegt daran, dass ich ein Fan von Ihrem Fußballclub, Bayer 04 Leverkusen, bin. Ich bilde mir nämlich ein, dass ich den Verein durch den Kauf Ihrer Produkte unterstütze.

Seit ich nicht mehr arbeiten gehe, also direkt nachdem ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte, neige ich dazu zu kränkeln. Eine Erkältung hier, ein verspannter Rücken dort und andere Wehwehchen, die sich prima mit Ihren Mittel bekämpfen lassen, schütteln meinen Körper regelmäßig durch und zwingen mich zum handeln. Allerdings benutze ich Ihre Mittel nie, bevor ich sie an jemandem getestet habe. Ich bin nämlich nicht blöd und habe Angst vor Nebenwirkungen.

Seit Jahren teste ich Ihre Mittel nun schon an meiner mittlerweile 87jährigen Nachbarin, deren Wohnungsschlüssel ich habe, um nach dem Rechten zu sehen. Die Dame ist nämlich nicht mehr ganz fit, vor allem im Kopf, und da ist es wichtig, dass jemand ein Auge auf sie hat. Diese Tatsache machte ich mir vor einigen Jahren zunutze, um Medikamente, die irgendwann für mich von Bedeutung sein könnten, an ihr zu testen. Vorher nutzte ich für diese Tests ihren kleinen Dackel, aber der starb eines Tages im Alter von nur 7 Jahren ganz plötzlich, so dass ich mir etwas anderes einfallen lassen musste, weil die Dame sich partout keinen neuen Hund anschaffen wollte. Zu tief saß der Schmerz in ihrem alten Herzen.
Jedenfalls ist meine Nachbarin wirklich praktisch. Sie merkt auch gar nicht, dass ich ihr ab und zu Medikamente untermische. Und für mich ist es halt wichtig zu sehen, wie sich ihre Gesundheit nach der Einnahme diverser Mittel entwickelt. Meist prächtig. Nur selten bekam sie Durchfall oder musste sich übergeben. Nur einmal fielen ihr die Haare aus. Das sah vielleicht albern aus.
Die Medikamente, die das ausgelöst haben, nahm ich dann selbstverständlich nicht. Ich bin ja nicht blöd. Zumindest glaubte ich das. Doch vor ein paar Tagen, als ich mit einem Tierpfleger über meine Nachbarin sprach, sagte dieser, dass man die Nebenwirkungen nicht eins zu eins vergleichen kann, da meine Nachbarin nicht nur eine alte Frau sei, sondern vermutlich auch anders als ich auf die Medikamente reagiert. Außerdem meinte er, dass er es verwerflich finde, wenn ich meine Nachbarin zu solchen Zwecken missbrauche, und wollte mich anzeigen. Sofort schlug ich ihn nieder und rannte weg, weil ich nicht wollte, dass er mich wegen so einer Lappalie anzeigt.
Doch zu Hause angekommen, gab mir das, was er sagte, zu denken. Und nun schreibe ich Ihnen, um zu erfahren, ob diese ganzen Tests an meiner Nachbarin vielleicht gar keinen Sinn machen, verwerflich sind und für mich keine Aussagekraft haben. Kann ich Nebenwirkungen haben, die bei ihr gar nicht auftreten? Wäre es sinnvoll, wenn ich nicht nur an einer Person die Medikamente ausprobiere oder ist es tatsächlich erforderlich, dass ich all diese wundervollen Medikamente mit den vielen Nebenwirkungen an mir teste, um herauszufinden, ob sie mir bekommen oder nicht?

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir rasch antworten, damit ich weiß, ob der Tierpfleger am Ende Recht hatte und ich ihm Unrecht tat, als ich ihn niederschlug. Ich bin nämlich ein sehr frommer Mensch und möchte keine Experimente machen, die am Ende sinnlos sind. Dazu ist mir meine Nachbarin mittlerweile zu sehr ans Herz gewachsen.

In freudiger Erwartung Ihrer baldigen Antwort verabschiede ich mich nun von Ihnen und hoffe, dass Sie noch viele tolle Medikamente erfinden und Ihre Mannschaft bald Deutscher Meister wird.

Mit erwartungsfrohen Grüßen
Herr Fischer

© 07.2013

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