Fahrradergometer

Es ist ein ganz normaler Tag im Fitnessstudio. Ich bin
etwas genervt, dass zu viele Leute anwesend sind, trainiere aber konsequent vor
mich hin. Nachdem ich mich 35 Minuten auf dem Crosstrainer bewegt habe,
klettere ich aufs Fahrradergometer, um dort weitere 25 Minuten etwas für meinen
untrainierten Körper zu tun. Etwa zwei Minuten vor Ablauf meiner Trainingszeit
will eine Frau auf dem Fahrradergometer links neben mir trainieren. Ich mag es
absolut nicht, wenn jemand neben mit trainiert, weshalb ich sie konsequent ignoeriere.
Doch plötzlich spricht sie mich an, um mich zu fragen, ob ich ihr den Sitz vom
Fahrradergometer einstellen kann. Zuerst überlege ich, ihr zu sagen, dass sie
noch einen Moment warten soll, weil ich gleich fertig bin, entscheide mich aber
dann anders, klettere von meinem Fahrradergometer und mache ihren Sitz runter.
Weil ich irritiert bin, klettere ich zurück auf mein Fahrradergometer, um die
letzten zwei Minuten weiter zu trainieren. Keine Minute später kommt eine Frau,
um auf dem Fahrradergometer rechts neben mir zu trainieren. Das geht gar nicht.
Ich frage mich gerade, ob das ein schlechter Scherz ist, da sprich sie mich an
und fragt, wie man den Sitz nach unten stellen kann. Ich erkläre es ihr. Sie
sagt, dass sie das so versucht hat, der Sitz aber stattdessen immer höher ging.
Erneut klettere ich unplanmäßig von meinem Fahrradergometer, um der Frau zu
meiner rechten den Sitz einzustellen. Kaum ist das erledigt, beschließe ich,
dass es nun Zeit ist zu gehen. Unter solchen Umständen kann ich nicht
trainieren und meine Zeit ist eh um. Kaum habe ich mich umgedreht, fragt die
Frau von der linken Seite, ob ich ihren Sitz noch etwas tiefer stellen kann.
Die Frau auf der anderen Seite findet das witzig und lacht. Ich finde es eher
skurril und lache nicht. Nachdem der Sitz eingestellt ist, desinfiziere ich
mein Fahrradergometer und frage die Frau zu meiner rechten Seite, ob die Höhe
richtig eingestellt ist, weil ich jetzt gehen muss und ihr dann nicht mehr
helfen kann. Zu meiner Überraschung sieze ich sie. Dabei ist sie vermutlich in
meinem Alter. Oder jünger. Noch bevor ich darüber nachdenken kann, warum ich
das mache, sagt sie, dass ich den Sitz noch etwas tiefer stellen soll, weil er
ihr etwas hoch erscheint. Ich antworte, dass sie sich erst setzen soll, um es
zu testen. Sie erklärt, dass es etwas schwierig ist, weil sie einen
Trümmerbruch hatte. Ich beantworte ihre Geschichte mit einem „Oh“ und sie
klettert aufs Fahrradergometer, wo sie feststellt, dass die Höhe des Sitzes doch
gut ist. Ich wünsche ihr viel Spaß und verabschiede mich, weil mein Training eh
vorbei ist und weil ich nicht ins Fitnessstudio gehe, um irgendwelche Kontakte
zu knüpfen.
In der Umkleide sehe ich, dass mein Bauch zu dick ist.
Es wäre sinnvoller gewesen, wenn ich noch mindestens eine Stunde weiter
trainiert hätte. Traurig und unzufrieden verlasse ich das Fitnessstudio. Auf
die Frage, warum ich die Frau gesiezt habe, finde ich auch auf dem Rückweg
keine Antwort.
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