Besorgte Augenärztin

Kontrolluntersuchungen bei meiner Augenärztin stecken
meist voller Überraschungen, weshalb ich sehr gespannt bin, was heute passieren
wird. Zunächst werden mir Brimonidin und Ganfort Augentropfen aufgeschrieben.
Als ich an der Reihe bin, fragt mich die Augenärztin, ob
ich manchmal Probleme habe, mit der Brille ein Buch zu lesen. Ich sage ihr,
dass ich gelegentlich ohne Brille besser lesen kann. Das liegt an meinem Alter,
wie sie mir sagt und fragt, ob ich auch Probleme habe, am PC alles mit Brille
zu lesen. Ich verneine. „Das wird aber bald kommen. Sie sind in dem Alter
dafür. Dann brauchen Sie eine Gleitsichtbrille.“ – „Ah.“ Mehr sage ich nicht
dazu, weil mir das mit der Gleitsichtbrille doch etwas abwegig erscheint. In
meiner Vorstellung reicht, wenn es denn tatsächlich so kommen soll, eine
Lesebrille. Sie fragt, ob ich Probleme mit den Augentropfen habe oder die
Tropfen gut vertrage. Eine wirklich interessante, die ich wahrheitsgemäß damit
beantworte, dass ich keine Probleme habe. Dass ich keine Probleme habe, weil
ich keine Tropfen nehme, muss sie ja nicht unbedingt wissen. Auf mich wirkt es,
als wäre sie überrascht davon, dass ich keine Probleme habe. Vermutlich
hinterlassen die Augentropfen meist irgendwelche Spuren.
Es folgt die Augendruckmessung. Der Wert liegt heute bei
15, was der Ärztin, wie erwartet, zu hoch ist. Sie sagt, dass ein Wert von 12
ihr gereicht hätte, 15 aber zu viel ist. 15 ist bei anderen Patienten auch
absolut okay, bei mir aber nicht, weil meine Mutter ja ein Glaukom hatte und
bei meiner GDX-Untersuchung 2012 festgestellt wurde, dass nicht alles gut ist. Wenn
ich achtzig wäre, dann wäre es okay, aber so nicht. Ein viertes Medikament für
meine Augen wird, so sagt sie, vermutlich nicht helfen, weshalb sie mich an die
Augenambulanz überweist. Die sollen meine Augen mal richtig überprüfen und
möglicherweise hilft dann nur eine Augen-Op. Sie sieht sehr besorgt aus, als
sie mir das erzählt. Für einen Moment kommen mir Zweifel, ob es richtig war,
niemals irgendwelche Augentropfen zu nehmen. Doch als sie weiter redet, schiebe
ich meine Zweifel kurz zur Seite, weil die Untersuchungen dort nämlich umsonst
sein werden und vermutlich sogar eine GDX-Untersuchung gemacht wird. Das finde
ich gut, weil ich sonst achtzig Euro für die GDX-Untersuchung hätte zahlen
müssen. Außerdem, so sagt die Ärztin, kann es sein, dass ich eine Nacht in der
Klinik bleiben muss, weil die nachts meinen Augendruck messen wollen. Nachts
schlafe ich, da kann man meinen Augendruck nicht messen. Ich frage mich, ob sie
extra dafür bezahlt wird, wenn sie mich überweist und man mich gar operiert
oder ob ich mir tatsächlich Sorgen machen sollte, weil ich meine Augentropfen
nie genommen habe und ich schon bald die Quittung dafür bekommen werde.
Drei bis vier Monate kann es dauern bis ich einen Termin
dort bekomme. Soll mir recht sein. Dann brauche ich die große Untersuchung in
drei Monaten nicht hier machen, sondern kann mir die Meinung eines anderen
Arztes anhören. Vielleicht sieht er es entspannter. Sollte er allerdings
feststellen, dass meine Augen in einem desolaten Zustand sind, habe ich augenscheinlich
ein Problem.
Kaum zu Hause angekommen, rufe ich in der Augenambulanz
an, um einen Termin zu vereinbaren. Am 24. Juni um 08.40 Uhr soll ich mich in
der Augenambulanz im St. Johannes-Hospital in Dortmund vorstellen. Weil mich
der heutige besorgte Auftritt der Augenärztin durchaus verunsichert hat,
beschließe ich, dass ich Augentropfen nehme. Aber nicht die verordneten. Ich versuche
es auch natürlichem Weg mit Euphrasia Augentropfen. Im Juni weiß ich dann, ob
ich ein Narr bin oder die Ärztin wechseln muss.
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