Der Verfall schreitet voran

Es ist noch nicht so viele Jahre her, da ging es darum,
was ich am Wochenende unternehme und mit wem. Oder darum, wann ich das nächste
Mal Sex habe und mit wem. Doch das erscheint ein anderes Leben gewesen zu sein.
Mittlerweile geht es meist darum, welche Lebensmittelunverträglichkeit für
meine Darmbeschwerden verantwortlich ist, ob ich diese Beschwerden je wieder
loswerde und ob ich genug trinke. Mein Leben dreht sich tatsächlich mehr um
Laktoseintoleranz, den Verzicht auf Zucker und die Zufuhr von Flüssigkeiten,
anstatt darum, was ich Schönes mit der immer weniger werdenden Lebenszeit
anstellen kann, damit die nächsten Jahren nicht weiter so hinplätschern, wie
die letzten Jahre.
Was für körperliche Gebrechen und Unzulänglichkeiten
befallen mich als nächstes und welche davon werde ich nochmal los? Für
derartige Themen fehlt mir irgendwie die Begeisterung. Doch weil ich ständig
träger werde, wird es schwer, diesen Teufelskreis zu verlassen. Irgendwie ist
es arg deprimierend, wenn ich mein jetziges Leben betrachte. Wie ein alter Mann
muss ich auf meine Ernährung achten, mich dazu anhalten genug zu trinken und
meinen alten Körper regelmäßig zum Sport zu zwingen, damit ich nicht schon vor
meinem fünfzigsten Lebensjahr völlig zerfalle. Geistig bin ich meist noch in
der Pubertät, mein Körper hingegen stürmt in einem Affentempo Richtung
Verfallsdatum. Das erscheint mir ungerecht. Ich will sofort einen jungen,
frischen Körper mit einer angemessen Haarfarbe und Muskeln, die ich noch nie
hatte. Das kann doch wirklich nicht zu viel verlangt sein. Doch ich schätze, da
ist ein Lottogewinn wahrscheinlicher. Ich glaube, ich bin ein hoffnungsloser
(Ver)Fall.

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