Folgenschwerer Friseurbesuch

Spontan
und selbst für mich unerwartet gehe ich zum Friseur, um mein Haupthaar richten
zu lassen. Ich nehme Platz, der Friseur legt los. Irgendwann hustet er. Ich bin
irritiert, weil er erst bei meinem letzten Besuch erkältet war. Ein wenig
Konversation. Ist zwar nicht so meine Welt, aber warum nicht? Er erzählt, dass
er schon wieder erkältet ist. Erst war er es, dann seine Kinder, anschließend
seine Frau und jetzt wieder er. Morgen, so sagt er, wird er zu Hause bleiben
und nicht arbeiten. Warum erst morgen? Er hustet. Ich will weg, kann aber nicht
und bin gefangen inmitten seiner Erkältungsviren. Ich beende unverzüglich die Konversation
und erstarre. Ich spüre wie die Viren in meinen Körper eindringen und mein
Körper die Immunabwehr startet, um mich zu schützen. Ich atme nur, weil ich
sonst sterben würde. Er schneidet meine Haare direkt an der Stirn und atmet
aus. Die warme Luft erreicht mein Gesicht. Ich atme nicht weiter, aber spüre,
wie all seine Viren meine Nase besiedeln und sich auf meinem Gesicht verteilen.
Spätestens Freitag bin ich auch erkältet, wenn mein Immunsystem es nicht
schafft all diese Angriffe abzuwehren. Ohne mich auch nur im Geringsten zu
bewegen, warte ich auf das Ende dieser Tortur. Als es vorbei ist, bin ich nicht
schnell genug und er gibt mir meine Brille, die ich ordnungsgemäß vor dem
Haareschneiden abgenommen habe. Noch mehr Viren, die mich angreifen. Schneller
als je zuvor verlasse ich den Friseursalon, eile nach Hause, um mich dort zu
desinfizieren.
Kaum zu Hause angekommen werfe ich mein Hemd und mein
T-Shirt weg, sprühe Brille, Gesicht und Haare mit Sagrotan ein, lasse es kurz
einwirken und wasche mich ausgiebig. Brille, Haare, Gesicht, Hände. Alles
gründlich wie nie. Jetzt kann ich nur noch hoffen und abwarten. Ich habe alles
versucht, nun kann ich nichts mehr für mich tun. Ich glaube, spontane
Aktionen sind nicht gut für mich.
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