Voruntersuchung

Vor
meiner stationären Augendruckmessung steht die Voruntersuchung an. Auf die
Minute pünktlich erscheine  ich um 08.30
Uhr im St. Johannes Hospital. Ich muss eine Nummer ziehen und dann zur
Anmeldung. Dort ist man direkt unzufrieden mit mir, weil ich statt einer
Einweisung nur eine Überweisung mitgebracht habe. Die sind irgendwie kleinlich
und durchaus  unfreundlich zu mir.
Unfreundliche Dienstleister finde ich zum kotzen. Ich muss eine Kontaktperson
nennen. Weil mir niemand einfällt, nenne ich meinen Vater. Ich werde gefragt,
welcher Religion ich angehörige und ob ich eine Patientenverfügung habe. Ich
dachte, ich bin hier, um meine Augen untersuchen zu lassen. Irgendwie finde ich
das Ganze jetzt schon bedenklich. Was hat meine Religion mit all dem zu tun und
wozu fragen die nach einer Patientenverfügung? QM? Nach der Befragung werden mir
ganz viele Aufkleber ausgedruckt, dann soll ich in die zweite Etage fahren.
Zusammen
mit Petra, die als Fahrerin fungiert, fahre ich in die 2. Etage und schaue mich
leicht orientierungslos um. Eine Frau, die an einem Stehtisch steht, ruft mich,
um mir mitzuteilen, dass sie schon auf mich wartet. Auch ihr Ton ist alles
andere als freundlich. Ich habe schon keine Lust mehr. Die strenge Frau fordert
mich auf ihr zu folgen und führt mich zu einem Wartezimmer. Petra verlässt das
Krankenhaus, weil ich vorläufig nicht gefahren werden muss. Das Wartezimmer ist
voll und da ich der letzte, der auf der Liste, welche die strenge Frau bei sich
hatte, durchgestrichen wurde, bin, gehe ich davon aus, dass alles länger als
geplant dauern wird. Drei Stunden Aufenthalt hatte ich geplant. Die erste halbe
Stunde sitze ich einfach nur da. Dann endlich werde ich aufgerufen, muss ins
Anmeldezimmer und darf ein paar Fragen beantworten. Meine
Lebensmittelunverträglichkeiten werden in einem Fragebogen notiert. So soll
gewährleistet werden, dass ich bei meinem stationären Aufenthalt nur Sachen zu
essen bekomme, die ich vertrage. Ich habe da so meine Zweifel. Erneut werde ich
nach einer Patientenverfügung gefragt. Gehen die davon aus, dass ich hier
nächste Woche sterbe? Spontan wird mir ein langes Wattestäbchen in die
Nasenlöcher gebohrt. In meiner Nase wird nach gefährlichen Multiresistenten
Keimen gesucht. Eine durchaus sinnvolle Maßnahme, ich weiß allerdings gar nicht,
ob ich wirklich das nächste Wochenende hier im Krankenhaus verbringen möchte.
Womöglich mit einem oder mehreren Unsympathen zusammen auf einem Zimmer.
Gruseliger Gedanke. Ich darf das Zimmer verlassen und soll mit drei Stunden
Aufenthalt rechnen, was wenig ist, weil heute Freitag ist. Sonst dauert alles
viel länger. Ich glaube ja, dass man das mit vernünftiger Terminvergabe besser
regeln kann. Aber davon habe ich sicher keine Ahnung. Dann sitze ich auch schon
wieder im Wartezimmer und warte vor mich hin.
Es
ist etwa 09.40 Uhr als mich eine hübsche, junge Frau zur Untersuchung abholt.
Die Sehnerven und die Hornhaut werden vermessen. Dauert ungefähr fünf Minuten.
Dann darf ich der jungen, hübschen Frau zurück zum Wartezimmer folgen, um dort
weiter zu warten. Gegen 10.30 Uhr werde ich von einer jungen Ärztin aufgerufen.
Diese sagt, dass meine bisherigen Untersuchungen unauffällig verliefen,
macht  einen Sehtest, misst den
Augendruck und guckt in meine Augen, um mir später mitzuteilen, dass der Augendruck
bei 19 und 20 liegt, die anderen Untersuchungen unauffällig waren und sie nicht
davon ausgeht, dass ich ein Glaukom habe, sondern einfach nur erhöhten
Augendruck. Es gibt da einen Fachbegriff, den ich aber nicht wirklich verstehe
als sie ihn mir sagt. Ein Arzt guckt sich das später nochmal an, ich darf
zurück ins Wartezimmer. Da sitze ich dann wieder. Und sitze und sitze. Kurz
bevor ich an der Reihe bin, muss der Arzt zu einer OP. Und so warte ich weiter
und weiter. Das Wartezimmer wird immer leerer und ich bin fast verdurstet,
weshalb ich Petra, die in der Stadt ist, bitte, mir Wasser zu bringen.
Es
ist etwa 11.35 Uhr als Petra mir Wasser bringt. Vom Arzt keine Spur. Gegen 11.50
Uhr bittet mich die junge Ärztin ins Untersuchungszimmer und teilt mir mit,
dass der Arzt sicher bald kommt. Er muss nur eine OP zu Ende bringen. Die junge
Ärztin, die nicht nur sehr klein, sondern auch sehr sympathisch ist, spricht
einen Bericht aufs Tonband, während ich auf dem Behandlungsstuhl abhänge.
Minuten später erscheint der Arzt, leuchtet in meine Augen und schließt sich
der Meinung der jungen Ärztin an. Ich brauche keine Augentropfen und so lange
der Augeninnendruck nicht über 25 steigt, macht er sich keine Sorgen. Er
erklärt mir ausführlich alles, was ich zu dem Thema wissen muss und sagt, dass
er nicht davon ausgeht, dass bei der 24 Stunden Augendruckmessung meine Werte
so hoch ansteigen werden. Ich soll weiter regelmäßig zum Augenarzt gehen und in
zwei Jahren machen wir hier eine neue Untersuchung, um die Werte vergleichen zu
können. Das klingt alles sehr vernünftig und ich bin froh, dass ich die
Augentropfen, die meine besorgte Augenärztin mir so gerne verschrieben hat, nie
genommen habe.
Nachdem
wir die Klinik verlassen haben, frage ich mich, ob ich wirklich das nächste
Wochenende im Krankenhaus verbringen möchte. Mir erscheint das irgendwie
übertrieben. Andererseits hätte ich dann Gewissheit und müsste mir
möglicherweise, zumindest vorübergehend, keine Sorgen wegen meiner Augen mehr
machen. Aber will ich wirklich mit unbekannten Menschen, die möglicherweise
bescheuert und verseucht sind, 24 Stunden meiner kostbaren Lebenszeit
verbringen, dieselbe Toilette, wie diese Menschen benutzen und im Bett neben
ihnen schlafen? Eigentlich nicht.
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