Montags-Arzttermin bei einer Augenärztin

Weil heute Montag ist, habe ich einen Arzttermin, um der traditionellen Montagstradition nachzukommen. Deshalb teste ich eine Augenärztin in Selm, weil mein letzter Augenarzt seine Praxis geschlossen hat und ich Ersatz für ihn brauche. Nach monatelanger Suche, Zweifeln und sinnlosen Abwägungen hatte ich mich für diese Praxis entschieden und nach nur gut neunzigminütiger Wartezeit lerne ich endlich meine möglicherweise zukünftige Augenärztin kennen. Doch schon nach ihrer ersten Frage kommen Zweifel auf, ob wir eine gemeinsame Zukunft haben werden. Meiner Meinung nach fängt man nämlich ein Gespräch nicht mit der Frage an, ob man dem Patienten, den man noch nie zuvor gesehen hat, eine neue Brille aufschreiben soll. Da komme ich mir direkt komisch vor und erwarte auch keine Steigerung. Zumindest nicht im positiven Sinn. Also verneine ich die Frage, erkläre meine Situation und sage, dass mein letzter Auegeenarzt regelmäßig den Augendruck kontrolliert hat, weil mit meinen Augen einiges nicht stimmt. Und schon geht es los. Der Sehtest beginnt. Mal sehe ich die Zahlen deutlich, dann wieder nicht, dann wieder doch. Als die Augenärztin mir einen Text vor die Augen hält und wild an diesem Sehgerät dreht, ahne ich, was mich erwartet.

“Können sie das gut lesen?”
“Bestens.”
“Sie brauchen eine Gleitsichtbrille.”
“Nein. Ich kann das auch alles prima lesen, wenn ich meine Brille abnehme.”
“Noch. Aber das wird immer anstrengender, weil ihre Augen schlechter geworden sind. “
“Ich will trotzdem keine Gleitsichtbrille. “
“Wie alt sind Sie?”
“48.”
“Das ist das Alter, in dem man…”
Zeit diesen Unsinn zu unterbrechen. “Das ist mir egal. Ich nehme die Brille ab und gut.”
“Okay, ich schreibe Ihnen dann nur eine neue Fernsichtbrille auf. Mit ihrer alten können sie weiter am PC sitzen, die neue nehmen sie zum Autofahren. Sie wollen schließlich alles sehen. Oder?“
“Auf jeden Fall.”

Ich verstehe diesen Wahn mit den Gleitsichtbrillen echt nicht. Gehen die Augendoktoren ständig zu irgendwelchen Kongressen, auf denen ihnen eingeimpft wird, dass jeder Deutsche irgendwann sein Leben ohne Gleitsichtbrille auf keinen Fall fortsetzen kann? Bin schon gespannt, welche Sau nach der Gleitsichtbrillensau durchs Dorf der Augenmediziner getrieben wird.

Nachdem wir mit dem Gletischtbrillenunsinn und der neuen Fernsichtbrille durch sind, wird der Augendruck gemessen, der bei 20 liegt. Kein Grund zur Sorge. Abschließend wird mit der Lupe noch in meine Augen geschaut, ob da alles in einem ordnungsgemäßen Zustand ist. Dies scheint der Fall zu sein. Ob ich irgendwann wiederkommen soll, sagt die Ärztin nicht. Vermutlich will sie keine Patienten, die Gleitsichtbrillen ablehnen, in ihrer Praxis wiedersehen. Soll mir Recht sein, denn ich will auch nicht mehr herkommen.

Während sie die Verordnung für eine neue Fernsichtbrille anfertigt, mache ich mir spontan ernsthaft Sorgen, wie schlecht meine Augen wohl geworden sind und bin tatsächlich niedergeschlagen, weil ich damit so gar nicht gerechnet habe. Dann endlich lese ich, wie schlimm es geworden ist. Links von -2,5 auf -2,75 und Rechts von -3,5 auf -3,25. Ich bin irritiert, aber auch erleichtert und beschließe, dass sich in Wahrheit gar nix verändert hat, nehme meine Sehhilfenverordnung und verschwinde. Überzeugend fand ich die Leistung der Augenärztin nicht, weshalb ich mir wohl eine neue Augenarztpraxis suchen muss, um meine traditionellen Montagstermine weiter wahrnehmen zu können.

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