SUVs. Klischees und Beobachtungen

Als vor einigen Jahren die Automobile immer höher wurden, habe ich mich stets darüber lustig gemacht und gesagt, dass wir eines Tages in den Fahrzeugen stehen können, in der Mitte ein Lenkrad sein wird an dem man drehen kann und die Passagiere um dieses Lenkrad herum stehen. Getränke würden auf diesem Drehlenkrad auch serviert. Eine rundherum lächerliche Vorstellung. Mittlerweile sind die Fahrzeuge tatsächlich so hoch und nennen sich SUVs. Steht angeblich für Sport Utility Vehicle und ist für manche sicher sehr sexy und verführerisch. Ein Ausdruck, der Menschen aufwertet und fahrende Stehcafés eines Tages sicher Salonfähig macht. Doch was heißt eigentlich Sport Utility Vehicle und wer braucht so etwas? Mein erster, böser Gedanke, wer so etwas braucht, man nehme es mir bitte nicht übel, sind Männer mit kleinem Penis. Früher kauften die Porsche und so Sachen, heute geht das günstiger. Aber das ist ungerecht von mir gedacht, denn so ein SUV ist mehr als ein Penisersatz. So ein SUV ist praktisch, hip, modern, des Volkes Wille und sicherlich bin ich nur neidisch, weil ich nur alte, kleine Autos fahre. Mit so einem SUV kann man prima die hundert Meter zum Bäcker fahren, um leckere Brötchen zu holen, zur Not auch tausende davon, denn ein SUV bietet viel Platz für sehr viele Brötchen. Oder man nutzt ihn als Zweitwagen, um den zweibeinigen Nachwuchs morgens Standesgemäß vor der etwa vierhundert Meter von der Wohnung entfernt liegenden Schule abzuliefern. Dummes Klischeegelaber, ich weiß. Also wieder zu den Fakten, die so einen SUV so unwiderstehlich wertvoll, trotz des mitunter nicht niedrigen Benzinverbrauchs, machen. Fragt man den Durchschnittsbürger, der aus einem SUV runterguckt auf Menschen wie mich, warum er so einen SUV fährt, hört man oft, weil man von da oben so schön auf die anderen Fahrzeuge runter gucken kann. Da aber mittlerweile fast jeder so einen Karre, ich meine so einen innovativen SUV fährt, ist dieser Vorteil bald dahin. Macht aber nichts, gibt ja noch tausend andere Gründe für so ein Fahrzeug. So viel Zeit habe ich gar nicht, die alle aufzuzählen. Daher erstmal zurück zur Übersetzung von SUV. Plump wie ich bin, würde ich es so übersetzen, Sportliches, nützliches Fahrzeug. Die Nützlichkeit hatte ich bereits erwähnt, da gibt es nichts dran auszusetzen, Probleme bereitet mir die Sportlichkeit. Wandschränke und LKWs fand ich bisher nämlich nie sportlich. Aber gut, ich hatte nie einen echten Bezug zu den modernen und innovativen Erfindungen unserer Zeit, da kann es vorkommen, dass ich diese groben Klötze einfach falsch bewerte.

Allerdings verbinde ich auch schon wirklich lustige Momente mit diesen sportlichen Klötzen. Vor einiger Zeit war ich mit Petra tanken, als einer dieser Bauklötze, sportlich wie es sportlicher kaum geht, an der Zapfsäule vor uns einen Platz fand. So durften wir uns daran erheitern, wie der Fahrer aus dem SUV hüpfte und dann in seiner ganzen Winzigkeit daneben stand. Dabei wirkte er wirklich cool, bewahrte Haltung in seiner lässigen Lederjacke und alles wäre nur halb so lustig gewesen, wenn er nicht kleiner als sein Auto gewesen wäre, also von der Höhe her. So stand der coole Typ ziemlich verloren an der Zapfsäule, guckte so lässig wie man neben so einem teuren SUV gucken muss und wirkte neben seinem zu großen Fahrzeug als wäre er eingelaufen. Ein Pimpf mit coolem Blick, fast erzwungener Lässigkeit und Lederjacke. Vermutlich war er sich der Lächerlichkeit seines Auftritts bewusst und guckte deshalb so verkrampft und zwanghaft cool, während wir ihn, von einem Lachkrampf geschüttelt, beim Tanken bewunderten. Er sah tatschlich aus wie ein eingelaufener Mann, der neben seinem SUV noch kleiner wirkte als er tatsächlich war. Dabei wollte er sich mit der Karre sicherlich nur etwas aufwerten und dann kommt so etwas dabei heraus. Köstlich. Ja gut, unser Verhalten mag kindisch und vermutlich einfältig gewesen sein, aber das sah wirklich schreiend komisch aus.

SUVs sind vielleicht doch geil, denn am Wochenende kam ein weiteres Erlebnis ganz nach meinem Geschmack dazu. Diesmal auf einem Parkplatz. Überall Plätze frei, aber der Mann wollte seinen SUV unbedingt neben uns parken, vermutlich weil so ein SUV neben einem alten, flachen Auto noch besser aussieht, und so musste ich zunächst die Beifahrertür schließen, weil so Leute in so großen Autos mir Angst machen und ich nicht wollte, dass er die Tür abfährt. Dann fuhr er schwungvoll in die Lücke, dieser coole, ältere Herr. Und er hielt auch dann nicht an als er es besser getan hätte. So fuhr er, er hatte mittlerweile das Tempo reduziert, sanft in die Hecke, fuhr noch ein Stückchen weiter, stelle dann fest, dass das wohl nicht ganz richtig ist und setzte zurück. Allerdings nicht weit genug, so dass er irgendwie in und auch über der Hecke stehen blieb. Gut, kann passieren, spricht aber gegen die gute Übersicht von SUVs. Noch lustiger wurde es als der kleine Mann aus dem SUV geklettert kam. Dabei guckte er natürlich als wäre er ein großer Mann und war von der anderen Seite des SUVs nur noch durch die Scheiben zu sehen, weil er einfach zu klein für ein solches Auto ist. Wenn er irgendwann mal das Dach von seinem Fahrzeug sehen will, braucht er eine Leiter oder muss in ein hohes Gebäude gehen, um von dort auf sein Dach zu sehen. Gut, dass will vermutlich keiner, weil Dächer jetzt nicht so spannend sind. Auch für ihn würde ich solche Autos dennoch nicht empfehlen. Zum Glück gibt es diese Fahrzeuge längst auch mit Trittbrettern, die man prima als Leiter benutzen kann. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr liebe ich diese Kisten.

Doch leider ist nicht alles an den SUVs gut. Wobei das nicht unbedingt an den SUVs liegt, sondern an viel zu kleinen Parkhäusern bzw. den zu engen Parklücken dort. Neulich fuhren wir in ein solches Parkhaus. Laut Anzeige waren noch genügen Plätze frei. Das war aber nicht wirklich so, weil so ein SUV ja meist mehr als nur einen Parkplatz benötigt. Und so standen wir lange Zeit ziemlich hilflos rum bis endlich ein Kleinwagen, den wir vorlauter SUVs fast übersehen hätten, einen Platz frei machte. All das hätten wir nicht erlebt, wenn die SUVs nicht erfunden worden wären. Daher kann ich diese Erfindung nur begrüßen.

Was die Zukunft angeht, und meine These, es würden bald alle in ihren Fahrzeugen stehen könne, bin ich mehr als zuversichtlich. Dann gibt es Stehpartys in Super Sized SUVs, die dann SSSUVs heißen, und man bedient die Fahrzeuge über ein Touchscreen, welches auf dem Getränketisch seinen Platz hat. Jeder darf mal damit spielen und das Fahrzeug parkt später von ganz alleine, weil das wegen der Unübersichtlichkeit und den vielen kleinen Menschen, die sich in so einem SSSUV tummeln, einfach sicherer ist.

Ich freue mich auf die Zukunft dieser Fahrzeugzunft und hoffe dennoch, dass es für so Fortschrittsverweigerer, wie ich einer bin, auch in Zukunft noch Fahrzeuge geben wird, die wie echte Fahrzeuge aussehen und nicht mehr als zwei Türen haben.

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4 thoughts on “SUVs. Klischees und Beobachtungen

  1. Ich hatte Jahre einen Escort. Dort waren die Sitze so tief, dass meine alte Mutter Probleme beim Ein- und Aussteigen hatte. Wahrscheinlich kaufen sich gerade ältere Pensionäre, äh, Leute deswegen so einen Wagen – eben weil sie sonst gar nicht mehr aus dem Sitz kommen würden.

    Und ich muß mit einem kleinen Neidhammel auf der rechten Schulter (wahrscheinlich kommen daher die Schmerzen) zugeben, dass mir manche SUVs doch recht gut gefallen. Es muß ja nicht direkt Hummer-Größe sein 😉

    Aus ökonomischen und monitären Gründen fahre ich einen kleinen Peugeot. Flott und sparsam in der Stadt und dank der 90 PS schafft Hannelore auch ihre 190 km/h auf der Autobahn – die Dame möchte schließlich zwischendurch auch mal richtig warm- und ausgefahren werden ^^

  2. Der Hummer wurde ursprünglich für das Militär gebaut – wie dieses Monster eine Straßenzulassung bekam, ist mir ein Rätsel. Aber ich fahre auch einen SUV und der macht richtig Spaß. Ich nenne das Teil allerdings Geländewagen, denn es muß auch ins Gelände – und so sieht es dann auch oft aus. Im Gegensatz zu den riesigen modernen SUV’s (die ärgerlicherweise zu 90 % Diesel sind) ist es winzig, dreitürig und hat tatsächlich Allrad – und ist ein Benziner mit geregeltem Katalysator… Elektronik, die ausfallen könnte, gibt es auch nicht. In ein paar Tagen wird das gute Stück 23 Jahre alt. Ich hoffe, der hält noch eine Weile, denn momentan gibt es nichts, was mir gefällt, ich möchte kein rollendes Smartphone, das in der Gegend herumplaudert, sondern ein Auto. Denken tu ich dann schon noch selber.

  3. Genau das stört mich auch an den SUVs: früher hießen die noch Geländewagen, waren für das Gelände gedacht und wurden von Jägern, Bauern etc. gefahren. Heute wird damit höchstens in der Stadt und zum Einkaufen gefahren – da braucht es selten mal Allradantrieb 🙂

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