Kurzarbeit in Zeiten des Coronavirus

Vom Urlaub direkt in die Kurzarbeit, so kann es gehen. Für mich bedeutet es, dass ich zunächst eine Stunde pro Tag weniger arbeite. Das ist sicher zu verschmerzen und früher nach Hause zu können nicht unbedingt schlecht, aber jeder Cent weniger ist für jemanden wie mich, der am Ende des Monats grundsätzlich keinen Cent mehr übrig hat, etwas unangenehm. Doch ich will nicht klagen, es gibt Menschen, die hat es schlimmer erwischt.
Da ich in den nächsten Tagen alleine im Büro sein werde, weil Kollege Jens ab morgen Urlaub hat, muss er mich an seinem letzten Arbeitstag quasi wieder anlernen, denn irgendwie habe ich alles vergessen und dank Corona hat sich auch einiges geändert. Unter anderem sollen wir per Skype mit den Teilnehmern kommunizieren. Glücklicherweise macht keiner unserer Teilnehmer das mit, so dass es bei Telefon- und Mailkontakt bleibt. Dazu betreuen wir nun eine zweite Maßnahme, deren Teilnehmer das alles einen Scheißdreck interessiert. Lediglich eine Teilnehmerin aus der Maßnahme spricht mit uns und scheint sich weiter zu bewerben. Alle anderen ignorieren jeden Versuch der Kontaktaufnahme. In der dritten Maßnahme, die neu ist, gibt es derzeit nur einen Teilnehmer. Keine Ahnung, ob da in den nächsten Tagen eine Kontaktaufnahme nötig wird. Überhaupt habe ich scheinbar keine Ahnung, es ist fast so als hätte ich während des Urlaubs alles vergessen. Und es rächt sich, dass mein Kollege alles gemacht hat in den letzten Monaten. Ich habe einfach nur delegiert und bin nun ziemlich verwirrt. Immerhin kann ich noch reimen. Das werden sicher sechs merkwürdige Arbeitstage alleine im Büro und ich freue mich fast über die Kurzarbeit, denn so spare ich mir täglich eine Stunde der Verwirrtheit. Ende des Monats habe ich schon wieder Urlaub. Bis dahin muss ich einfach nur durchhalten und versuchen keinen Schaden anzurichten.

Kaum hat der erste Tag, den ich alleine im Büro verbringe, angefangen, ruft mich ein Arbeitgeber an. Einer unserer Teilnehmer sollte diese Woche sein Praktikum bei ihm machen. Nach dem ersten Arbeitstag schickte der Teilnehmer in der Nacht eine Nachricht, dass er am nächsten Tag nicht kommen kann, weil ihm der Arm wehtut. Als der Arbeitgeber am nächsten Tag fragte, ob der Teilnehmer nach einem Tag Pause wieder arbeiten kommen würde, sagte dieser, dass sich das Praktikum erledigt hat, weil seine Oma gestorben ist. Ich weiß nicht, ob die Oma gestorben ist, aber mich nerven diese Leute, die ständig alles versprechen, aber nichts durchziehen. Ich habe während meiner zwanzig Jahre andauernden Arbeitslosigkeit jede Maßnahme gnadenlos durchgezogen und fehlte fast nie. Vielleicht bin ich aber auch nur ein wenig neidisch auf die jungen Leute, die ihre Arbeitslosigkeit auf eine andere, konsequentere Art durchziehen als ich es je tat. Möglicherweise bin ich aber nur genervt, weil ich sie nicht von diesem unsinnigen Weg abbringen kann. Warum müssen Sie mein Scheitern so gnadenlos kopieren und auch noch perfektionieren? Das führt doch zu nichts und kaum einer weiß es besser als ich. Doch leider hilft das nicht und da ich durch die Corona-Krise keinen persönlichen Kontakt habe, kann ich noch weniger Einfluss auf die Verlorenen nehmen. Nicht, dass ich sonst viel tun kann, aber so scheitere ich schon bevor ich dem Teilnehmer eine meiner stets gleichen Reden halten kann. Wir drehen uns im Kreis und keiner weiß, wie man uns stoppen kann. Vielleicht wollen wir aber auch gar nicht stoppen.

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