Damals 2007 – Mai und Juni

Die Monate Mai und Juni 2007 waren voller spannender Erlebnisse. Ich hate Sex, wurde spontan Single und bekam eine Einladung zu einer weiteren Maßnahme. Damals zeichnete sich bereits ab, dass Beziehungen und Frauen nicht so meine Welt sind, Maßnahmen aber immer Teil meines Lebens sein werden. Ausschnitte von drei Texten aus der verrückten Zeit präsentiere ich nun. Viel Spaß damit.


Monstertanz in den Mai
Die Rohrmeisterei ist ausverkauft und der Türmensch will uns einfach nicht rein lassen. Doch Birte kennt eine einflussreiche Person, die uns Eintritt gewährt. Kaum sind wir eingetreten und blicken auf die Geschöpfe, die sich im Inneren der Rohrmeisterei tummeln, wissen wir, dass der Abend kein Fest für unsere Augen wird. Es gibt ein Riesenaufgebot an unattraktiven Lebewesen, welche wild tanzend überall im Weg stehen. Schrecklich. Birte und Isolde stört das alles nicht, sie sind in Tanzstimmung und legen auch gleich los. Loerz und ich bleiben mehrmals fassungslos stehen und können kaum glauben, was unseren Augen da angetan wird. Es scheint so, als ob ein Reiseunternehmen, welches auf schaurig schöne Menschen spezialisiert ist, all diese spontan zur Rohrmeisterei gebracht hat. Als wir zwei einen guten Platz gefunden haben, von dem aus wir sitzend einen guten Überblick haben, wechseln sich beim Beobachten der kreativ gestalteten Individuen Lachen und Entsetzen regelrecht ab. Als wir später so sehr lachen müssen, dass wir fast nicht mehr atmen können, spricht den Loerz völlig unerwartet ein als eine Art Frau verkleidetes Ungeheuer an. Kurze Zeit später zwingt sie ihn auch schon, ihre Telefonnummer in seinem Telefon zu speichern. Kaum hat sie sich einen Moment umgedreht löscht der Loerz die Nummer wieder. Als er mir wenig später die nette Dame namens Bettina vorstellt, um sich kurz darauf aus dem Staub zu machen, ist es kurzzeitig nicht mehr so lustig, denn fortan blubbert sie mich voll. Was ich doch für einen schönen Namen habe und wie toll er zu mir passt. Ich bin gerührt. So gerührt, dass ich die erste Möglichkeit zur Flucht ergreife, denn das hätte böse enden können. Fast hätte das Ungeheuer mich einverleibt. Loerz kann das Glück, die süße Bettina losgeworden zu sein, nur kurze Zeit auskosten, denn nur wenige Augenblicke später trottet ein weiteres, völlig betrunkenes und scheinbar ziemlich verzweifeltes Weibsbild hinter ihm her. Frankensteins Tochter ist definitiv eine Naturschönheit im Vergleich zu ihr. Das Weibsbild sieht völlig fertig und verbraucht aus und will partout nicht verschwinden. Ihr leerer Blick und ihr Wunsch endlich was zum vögeln zu finden sind kaum zu ertragen. Erst als Loerz Isolde darum bittet so zu tun als wären die beiden ein Paar zieht die notgeile Alte mit den tiefen Falten ab. Das war Rettung in höchster Not. Dafür wird der Loerz Isolde sicher noch lange dankbar sein. Isolde gehört übrigens zu den wenigen optischen Lichtblicken des Abends, deshalb ist es durchaus fraglich, warum wir sie nicht weiter beachtet und nicht mehr Zeit mit ihr und Birte verbracht haben an diesem Abend. Dann wären wir in attraktiver Gesellschaft gewesen und Monster hätten einen Bogen um uns gemacht. Vermutlich sind wir dümmer als wir es uns eingestehen. Vielleicht ist aber auch ganz anders. Nach all der Aufregung ist es an der Zeit die Rohrmeisterei zu verlassen. Wir bringen zunächst Isolde nach Hause bevor wir noch ein wenig zum Loerz fahren, um den Abend Revue passieren zu lassen und irgendwelche Monstergeschichten zu erzählen. Mal abgesehen von all den Alptraum verursachenden Monstern war es irgendwie ein netter Abend. Gefährlich, aber nett.

Ich habe gar keine Beziehung
Wenige Tage nachdem ich erfahren habe, dass ich nicht mit Birte zelten kann, sehe ich Birte zum letzten Mal, was aber nichts mit irgendwelchen Zelten zu tun hat. Und so endet ein ganz normaler Wochentag mit einer scheinbar normalen Verabschiedung mit der auch unsere Beziehung endet, was mir natürlich bei der Verabschiedung nicht klar ist, denn dummerweise sagt sie mir nichts davon, dass wir uns nicht mehr wiedersehen. Daher glaube ich in meiner totalen Naivität, dass wir noch immer zusammen sind, obwohl ich auf meine Kontaktversuche erst Tage später eine Antwort bekomme. Und obschon ich merke, dass die Beziehung wohl vorbei ist, kann ich es nicht verstehen und schreibe weitere SMS, weil sie nicht ans Telefon geht, wenn ich sie anrufe. Ich benehme mich genauso, wie ich mich nie benehmen wollte. Ich bin genau diese Art jämmerlicher Waschlappen, der ich hoffte nicht zu sein.

Einladung zur Weiterbildung
Fast hätte ich es mutwillig verdrängt, dass ich eine zweiwöchige Teilnahme an irgendeiner Maßnahme vor mir habe. Doch ein Brief des Arbeitsamtes erinnert mich daran, dass es am 09. Juli losgeht. Voraussichtlich bis zum 20. Juli, täglich von 7.30 Uhr bis 17.00 Uhr werde ich beschäftigt sein. Es nennt sich Weiterbildung und kostet 498€. Genauer Titel: PROFIL Seminar.
Ziele unter anderem: Leistungsdiagnostik, Integrationsplanung, Orientierung und Entscheidungshilfe. Inhalte unter anderem: Eignungsdiagnostik mit relevanten psychometrischen Testverfahren, Verhaltensdiagnostik und ausführliche, individuelle Anamnesegespräche. Voraussetzungen: keine besonderen Voraussetzungen.


Die anderen unglaublichen Erlebnisse der beiden Monate verstecken sich, wie üblich, unter der 2007.

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