Ein Samstag im August

Da ich auch weiterhin äußerst verspannt bin, bin ich froh, dass ich heute wieder massiert werde. Die Maske stört zwar weiterhin, aber da ein Leben ohne Maske nur noch eine schöne Erinnerung ist, muss ich damit leben. Erstaunlich finde ich, dass meine linke Körperhälfte total verspannt ist, da normalerweise meine Rechte Seite hauptsächlich für Verspannungen verantwortlich ist. Somit ist schon früh klar, dass es noch nicht möglich ist, nur alle zwei Wochen zur Massage zu gehen. Nachdem der Rücken abgearbeitet ist, beginnt die Bauchmassage. Und kaum berührt die Masseurin meinen Bauch, sagt sie, dass ich zu viel Stress habe und loslassen muss. Manche Griffe tun ziemlich weh und auch hier ist es die linke Körperhälfte, die eindeutig verspannter ist. Zwischendurch sagt die Masseurin “Loslassen”, obwohl wir beide wissen, dass es so einfach nicht ist. Es ist schon erstaunlich, dass eine Bauchmassage bei mir überhaupt möglich ist. Ich soll tief einatmen und ausatmen, sagt sie, wohl in der Hoffnung, dass es mich etwas entspannt. Vielleicht sagt sie es auch, weil sie Angst hat, dass ich gar nicht mehr atme, was bei mir vermutlich nicht so abwegig ist. Wieso ist dieses loslassen nur so schwer für mich? Wahrscheinlich müsste ich täglich mehrere Stunden massiert werden, um nur ein klein wenig weniger verspannt zu sein. Nächste Woche bin ich jedenfalls wieder hier. Alles andere wäre einfach nur dumm.
Nach der Massage ist es Zeit fürs Mittagessen. Gegessen wird heute beim Italiener ohne Manni, weil er gestern schon Pizza hatte und er Nudelgerichte zu Hause selber machen kann. So sitzen Petra und ich im Ristorante da Dino und lassen uns die Pizza schmecken. An einem Nebentisch nimmt ein Pärchen Platz. Die erste Zigarette stecken sich beide noch vor dem essen an. Als das Essen gebracht wird, qualmt bereits bei beiden die zweite Zigarette. Diese wird nun, obwohl erst zur Hälfte aufgeraucht, ausgedrückt. Der Mann braucht nur sehr wenig Zeit, um seine Portion zu verspeisen. Er hat gerade das Essen beendet, da steckt er sich schon die nächste Zigarette an, während sie noch isst. Mein Verständnis hält sich in Grenzen für so einen Unsinn. Kaum hat sie den letzten Bissen zerkaut, steckt auch sie sich eine weitere Zigarette an. Es scheint als hätten sie das Essen nur so schnell verschlungen, um endlich wieder rauchen zu können. Wenn deren Sex ähnlich genussvoll abläuft, wie das Essen, dann können sie sich das eigentlich sparen. Andererseits sollte ich mir zum Thema Sex und der Zigarette danach kein Urteil erlauben, da ich weder rauche noch Sex habe.

Später folgt der traditionelle Samstagseinkauf bei Kaufland. Die Wolken verziehen sich, die Sonne lacht uns an und Petra humpelt, weil irgendwas an ihrem Fuß kaputtgegangen ist. Der Loerz hatte am Morgen angekündigt, dass er am Abend ins Kreuzviertel möchte, ich träume von ewiger Jugend und Petra geht am Abend nur aus, wenn sie bis dahin besser laufen kann. Es ist noch nicht einmal 16.00 Uhr und noch ist alles Mögliche möglich.

Für mich ist nach der Rückkehr in meine Wohnung dann doch nicht mehr viel möglich, denn mein Körper ist so fertig, dass ich ihn hinlegen muss. Es dauert etwa zwei Stunden bis ich es schaffe wieder aufzustehen. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Weil das Wetter durchaus brauchbar ist, fahre ich später mit Petra nach Waltrop, um Eis zu essen. Begleiten kann uns keiner, weil Manni auf einem Geburtstag ist und Loerz den Tag spontan mit einer 23-jährigen verbringt. Sie hat sich gestern wohl gegen die anderen Frauen durchgesetzt und darf als erste einen Tag alleine mit dem unwiderstehlichen Loerz verbringen. Dieser Loerz ist ein echtes Phänomen und möglicherweise der größte Frauenmagnet seiner Altersklasse.

Nach dem Eis gibt es noch einen Spaziergang durch den Park bei dem Petra sich beschwert, weil ich gelegentlich sage, dass sie einen Mann braucht. Ich solle damit aufhören, weil sie das so sehr nervt. Ich erkläre mich einverstanden, wenn sie im Gegenzug nicht mehr über all ihre Krankheiten und ihren baldigen Tod redet. Außerdem will ich nicht mehr täglich hören, dass sie eine kranke Frau ist. Schauen wir mal, wie lange sie sich daran halten kann und welche herausragenden Themen wir zukünftig in unser Repertoire aufnehmen.

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