Zwei Jahre ohne Sex

1: Jahrestage feiert man durchaus gerne, weil man sich gern an besondere Ereignisse erinnert, man Geburtstag hat oder einer sonstigen Tradition folgt. Weil man es sich aussuchen kann, feiert man natürlich positive Dinge oder Dinge, die man zwar nicht so geil findet, zum Beispiel alt werden, aber traditionell feiert. Manchmal ist es auch lustig und daher freut man sich manchmal sogar auf einen Geburtstag. Negative Dinge vergisst man besser und feiert sie in der Regel nicht, weil sie in der Regel gar keine positiven Erinnerungen mit sich bringen. Nun jährt sich bei mir ein Ereignis zum zweiten Mal, welches ich nicht feiern werde, denn zwei Jahre keinen Sex gehabt zu haben ist eigentlich eine Schande, denn theoretisch hätte ich dieser Beschäftigung sicher noch einige Jahre nachgehen können, aber manchmal sind die Umstände so, dass man sich damit arrangieren muss, dass man etwas nicht mehr macht. Und nach nunmehr zwei Jahren ist Sex so weit weg aus meiner Realität, dass ich nicht mehr wirklich weiß, wie ich mich, sollte es je wieder eine Gelegenheit geben, verhalten müsste. Vermutlich würde ich aus Sicherheitsgründen direkt die Flucht ergreifen. Das ist ziemlich enttäuschend, passt aber auch irgendwie zu mir. Es ist auch erschreckend, wie schnell die zwei Jahre vergangen sind. Kaum war der letzte Sex vorbei, sind schon zwei Jahre um. Einfach so. Wahrscheinlich werde ich nächstes Jahr drei Jahre ohne Sex hinter mir haben und mich erneut fragen, wie die Zeit so schnell vergehen konnte. Vermutlich ist es mit dem Sex wie mit mir und dem Fußball spielen. Seit Jahren glaube ich, dass ich eines Tages nochmal Fußball spielen werde, aber mit jedem weiteren Jahr wird es unrealistischer. Beim Thema joggen verhält es sich ähnlich. Sowohl beim Fußball als auch beim Joggen weiß ich mittlerweile nicht mehr, wann ich es zuletzt gemacht habe. Wird es beim Sex auch irgendwann so sein, dass ich mich nicht mehr erinnere, wann ich damit aufgehört habe? Werde ich mich gar irgendwann nicht einmal mehr daran erinnern, dass ich überhaupt mal Sex hatte? In ein paar Jahren weiß ich mehr. Oder eben nicht.

2: Als ich damals beschloss, dass ich keinen Sex mehr will, hatte ich nicht gedacht, dass es so leicht werden würde, diesen Plan umzusetzen. Ich hatte auf mehr Widerstand von mir gerechnet. Doch bis auf wenige Momente in denen ich hätte schwach werden können, war es fast schon erschreckend einfach auf Sex zu verzichten. Natürlich ist es ein immenser Vorteil, dass ich noch nie der Typ war, der viele Sexangebote bekommen hat und es ist auch ein Vorteil, dass es im Alter nicht besser wird, aber ich glaube, ich hätte mich auch nicht von meinem Weg abbringen lassen, wenn es konkrete Angebote zu sexuellen Handlungen gegeben hätte. Die Folgen wären einfach nicht überschaubar gewesen, denn ich glaube nicht, dass ich mich dann mit einmal Sex begnügt hätte, dazu kenne ich mich zu gut. Wenn ich diese Büchse der Pandora wieder geöffnet hätte, würde ich wieder durch die Gegend streunen, immer auf der Suche nach dem nächsten Fick. So bin ich halt. Doch die Folgen, die Sex mit sich bringen kann, halte ich mich immer vor Augen, wenn ich merke, dass mich eine Frau reizen könnte. Glücklicherweise komme ich selten mit Frauen in Kontakt und dank Corona habe ich meinen Bewegungsradius weiter eingeschränkt. So ist die Gefahr viel kleiner, dass ich schwach werden könnte. Ich glaube an mich und werde auch künftig jeden Monat ohne Sex feiern. Und mit jedem Monat, da bin ich sicher, wird es leichter, möglicher Versuchungen zu widerstehen. Irgendwann wird man mich mit attraktiven, nackten Frauen einsperren können und es wird nichts passieren, weil ich stark bin und der Versuchung widerstehen kann. Auch der Sommer, in dem Frauen generell mehr Haut zeigen, stellt keine Gefahr mehr für mich dar. Früher haben mich all die Frauen verwirrt, die sich in den warmen Monaten in ihrer ganzen Pracht und nur leicht verpackt präsentiert haben. Heute schaue ich mir sie an, wie ein schönes Fahrzeug. Ich bin angetan, weiß aber, dass in meiner Welt kein Platz dafür ist. Ich habe es geschafft. Ich kann ohne Sex leben und muss nie mehr über Verhütung oder gar Geschlechtskrankheiten nachdenken. Das macht mein Leben so viel entspannter und obwohl ich es nicht gerne zugebe bin ich sehr stolz auf mich. Wenn ich nächstes Jahr drei Jahre ohne Sex geschafft habe, werde ich mir etwas schenken, was ich mir bisher aus unerklärlichen Gründen nicht gegönnt habe. Ich weiß zwar noch nicht genau, was es sein wird, freue mich aber schon sehr darauf.

3: Zwei Jahre ohne Sex. Wie konnte das passieren? Vielleicht liegt es an den Umständen oder an mir. An verpassten Gelegenheiten, sicher nicht an Chancen, auch wenn diese nicht zahlreich waren. In meiner Erinnerung gab es drei Situationen, die durchaus zu Sex hätten führen können. Da war zunächst einmal die Frau, die zu Besuch war und am Ende konnten uns nur gesundheitliche Gründe davon abhalten Sex zu haben. Es ist auch rückblickend betrachtet eine Meisterleistung, dass die Vernunft uns abhielt etwas völlig Verrücktes zu tun. Nein, näher an Sex kam ich danach nicht mehr, aber es gab durchaus noch zwei Situationen, die in der Folge zu Sex hätten führen können. Zum Beispiel als ich bei einer Frau im Auto saß, sie sich zu mir drehte und fragte, was wir nun tun. Dabei schaute sie mich anders als erwartet an und lächelte dabei. Es gab Zeiten, da hätte ich eine solche Geste dahingehend gedeutet, dass man sich küsst. In besagter Situation aber erschien es mir abwegig, weshalb ich mich durch dummes und belangloses Gequatsche der Situation entzog. Aber es kann auch sein, dass ich das falsch deute und es nicht die Option auf eine Annäherung gab. Die dritte Gelegenheit ergab sich als eine Frau mich besuchte, um zu schauen, ob ich als Affäre in Frage komme. Alleine diese Ausgangssituation hätte vor Jahren für einen Annäherungsversuch meinerseits gereicht. Und wenn ich einmal angreife, dann kann Frau dem nur schwer widerstehen. Zumindest war es früher so. Da ich die Frau aber etwas merkwürdig fand und nicht ihre Affäre werden wollte, verzichtete ich auf einen Angriff, weil das uns beiden einfach nichts gebracht hätte.

4: Nun kann ich aus gesundheitlichen Gründen schon seit zwei Jahren keinen Sex mehr haben. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ausgerechnet mir so etwas passieren würde. Aber wie heißt es doch so schön: Wer spät mit dem Sex anfängt, der kann auch früh damit aufhören. Und so ist es tatsächlich. Ich habe später als nötig begonnen und mein Sexleben früher als erwartet eingestellt. Und dazwischen hatte ich eine Menge Spaß. Das ist vermutlich besser als in den letzten Lebensjahren schlechten Sex zu haben und dann froh zu sein, wenn es endlich vorbei ist. Dieses Leid bleibt mir nun erspart.

Welche Version entspricht wohl der Wahrheit oder ist zumindest nah dran?

20 Kommentare

  1. Ich schwanke noch zwischen 1 und 3, wobei… 1 und 3 passen ja grundlegend zusammen, also 1+3? 🙂

  2. Ich bin auch für 1 und 3… Wann gibt es die Auflösung?

    • Wieder mal eine schöne Wahl, was den heutigen Namen angeht.
      Nummer 3 hast du gestern übrigens ausgeschlossen. Nur zur Erinnerung.

      Gibt es hier jemals eine Auflösung?

  3. 4. nehme ich an. Das würfe natürlich fragen auf.

  4. Muss es immer eine Lösung geben? Kann man das Ganze nicht einfach so stehen lassen?

  5. Sie haben ein Faible für eine interessiert hochgezogene Augenbraue? Typ rechts oder typ linke Braue? Ich kann nur links, dafür aber stabil.

  6. Heinrich Hosenmatz
    Heinrich Hosenmatz

    Ist es eigentlich so ungewöhnlich 2 Jahre keinen Sex zu haben? Deine kumpels Manni, Petra und Andreas können glaub ich über die 2 Jahre nur lachen. Einer davon und du weißt wer hatte trotz fester Beziehung mal 10 Jahre keinen Sex und auch das ist vermutlich auch kein Einzelfall. Kopf hoch, 2 Jahre ohne nuttela wäre viel schlimmer 🙂

  7. Zwischenfrage:
    Sind Nuttela und Nutella das gleiche?

Schreibe einen Kommentar

%d Bloggern gefällt das: