Verpeilt und unleidlich am Vatertag

Nachdem ich wegen meiner durchgeknallten Nachbarn in der Nacht schon wenig Schlaf bekommen habe, wecken sie mich um kurz vor 07.00 Uhr. Keine Ahnung, wie man am frühen Morgen schon so einen Lärm erzeugen kann. Kaum bin ich wach, stellt sich die Frage, wie ich den Tag sinnvoll verbringen kann. Obwohl die Sonne scheint, habe ich keine echten Ideen. Der Plan, dass ich Agnes besuche und mit ihr ein wenig durch die Gegend wandere, ist kurze Zeit später Geschichte, denn bei ihr regnet es und weiterer Regen ist für den Nachmittag angesagt. Wenig später teilen mir Manni und Petra mit, dass auch hier am Nachmittag Regen angesagt ist. Damit sinkt meine Laune weiter und jegliche Motivation geht flöten. Loerz fragt, was wir am Nachmittag machen, doch ich habe keinen Plan. Er sagt, dass ich mich melden soll, wenn uns etwas einfällt. Kirsten möchte geocachen, doch es soll ja regnen und da mag ich nicht cachen. Überhaupt bin ich völlig lustlos und enttäuscht vom Wetter, von mir, dem Leben und zermürbt von dem Corona-Wahnsinn. Irgendwann entscheiden wir, dass wir einen Spaziergang machen. Die Nachbarn brüllen weiter rum, ich bin demotiviert, sitze einfach so da, finde keinen Grund aufzustehen und weiß nicht, wie das je besser werden soll. Ich frage mich, wieso der Loerz sich ncht gemeldet hat und denke, dass er wohl eine andere Beschäftigung gefunden hat. Irgendwann ist es Zeit für den Spaziergang als Loerz anruft und fragt, warum ich mich nicht gemeldet habe. Das habe ich tatsächlich vergessen, was meine Laune direkt weiter sinken lässt. Frustriert breche ich auf zu unserem Spaziergang, von Regen keine Spur. Das ist alles enttäuschend und Zeitverschwendung, denn man hätte sicher mehr unternehmen können als diesen popeligen Spaziergang. Blöde Wetterberichte, blödes Leben. Meine Laune wird während des Spaziergangs nur einmal besser. Nämlich in dem Moment als ein paar Regentropfen fallen. Regen ist der einzige Grund, der akzeptiert wird, dass ich heute nicht wirklich etwas unternehme. Nach ein paar Tropfen ist der Regen, der eigentlich keiner war, vorbei. Wenn ich es nicht einmal schaffe bei schönem Wetter mehr als einen Spaziergang vor der Haustür zu machen, dann ist es echt vorbei mit mir. Am Ende des Spaziergangs wollen wir irgendwo ein Eis essen, doch man kann ohne Maske scheinbar keine Eisdiele erreichen. Die können mich alle mal. Ratlos sitze ich im Wohnzimmer und weiß nicht, was das soll.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Petra hat herausgefunden, dass man am Sonntag in Lüdinghausen ohne Maske rumlaufen darf und Manni parkt fast zeitgleich mit dem Cabrio vor der Tür. Wenig später sitzt Petra bei Manni im Cabrio und ich folge den beiden in meinem Coupé, da ich noch immer nicht Cabrio fahren will. Während ich den beiden folge, denke ich darüber nach, wie träge und unmotiviert ich mittlerweile bin. Wenn man mich nicht mehrfach auffordert etwas zu unternehmen, dann sitze ich einfach nur da. Eigeninitiative Fehlanzeige. Freudlosigkeit in Reinkultur. Das ist alles sehr bedenklich. Ich war ja noch nie ein Aktivposten, aber es muss Monate oder Jahre her sein, dass ich mal brauchbare Tagespläne hatte und von mir aus aktiv wurde. Die Reise nach Lüdinghausen dauert eine ganze Weile und ich gebe mich negativen Gedanken hin. So kann das echt nicht weitergehen. Außerdem ärgere ich mich, dass ich nicht mit dem Benz gefahren bin und stattdessen im dreckigen Coupé sitze. Den Benz nutze ich durch meine Trägheit auch fast nie, weil mir oft schon der Weg zur Garage zu weit und umständlich ist. Ich habe wirklich übelst einen an der Waffel. Da wir nebeneinander parken, können wir erste Fotos unserer Fahrzeuge, wie sie nebeneinander parken, machen. Fehlt nur noch Petras Coupé, dann wäre die Reihe komplett.

Erst als ich wenig später ein Eis bekomme, rege ich mich etwas ab und weniger über mich und meine Beschränktheit auf. Was ist nur aus mir geworden?

Wir wandern umher und kommen an vier Männern vorbei. Einer sitzt aus seinem Motorrad und verliert seinen Helm. Dann passiert etwas fast unglaubliches, denn Stoffel-Petra, auch als Miesepetri bekannt, bückt sich, hebt den Helm auf und gibt ihm dem Macho-Mann, damit dieser nicht von seinem Motorrad steigen muss. Die vier Männer sind begeistert, einer nennt Petra “lieber Mensch”, und Manni und ich sind vollkommen irritiert von so viel Menschlichkeit. Für eine Menschenhasserin, so bezeichnet sich Petra gerne selbst, war das eine große Geste. Möglicherweise liegt es an ihrer neuen Mütze, dass sie plötzlich nett zu Fremden ist. Wir werden das beobachten.

Später möchte Petra einen Salat und ich Pizzabrötchen, weil auch träge Menschen manchmal essen müssen. Die Pizzabrötchen nehme ich auf einer Bank zu mir, den Salat nimmt Petra mit nach Hause.

Als ich um etwa 18.50 Uhr zu Hause bin, feiern die Nachbarn noch immer in voller Lautstärke. Gott, wie ich so etwas hasse. Besoffene und zugedröhnte Arschlöcher. Es wird gesungen, geklatscht und vermutlich getanzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die heute Abend Ruhe geben werden und sehe mich schon im Pyjama vor ihrer Tür stehen und um Ruhe bitten, weil ich morgen arbeiten muss. Gruselige Vorstellung.

17 Kommentare

  1. Cabrio und Coupé nebeneinander ergeben ein stimmiges Bild, quasi zweieiige Zwillinge. Ob das mit dem Benz so wäre🤔

  2. Das mit dem Eis hat ja gut ohne mich geklappt…^^ 😀 Als Fahranfänger habe ich immer von einem Coupé geträumt, ich war regelrecht verliebt. Es wurde dann nur ein A Vectra in der Farbe Grün. Das coolste Auto was ich je hatte.

    • Stimmt, hat geklappt. Eiskoma und Hüftgold waren kein Thema.
      Weil ich lange kein passendes Coupe fand, hatte ich auch über einen Vectra nachgedacht. Aber Vectra B. Wieso war der Vectra A das coolste Auto?

      • Ich mochte Opel, war mein erstes Auto, hatte eine coole grüne Farbe. Ich mochte den Sound, innen und außen. Sportsitze. Es war Baujahr 1994, ich habe mit meinem Opa zusammen immer die Reifen, Öl und Zündkerzen gewechselt. Meine Radkappen selbst in Silber gesprüht. Es sehr gehegt und gepflegt. Ich habe es selbst poliert, mit der Hand gewaschen. Es war immer sauber. Danach hatte ich keine intensiven Beziehungen mehr zu meinen Fahrzeugen.

  3. Also a propos “erste Autoliebe”, ich bin zu ihr zurückgekehrt und bereue keinen Moment. Jede Fahrt ist ein Freudenfest, trotz Handschaltung, fehlender Servolenkung und der Tatsache, dass ich beim Tanken Bleizusatz nachschütten muss.

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