Andernach – Tag 1

Längst habe ich festgelegt, dass der Benz mein Urlaubsfahrzeug ist und mich das Coupé nur in Ausnahme- quasi Notfällen in den Urlaub begleiten muss. Denn ehrlich gesagt ist das Coupé nicht wirklich ein Reisefahrzeug und der Benz würde sonst fast nie aus der Garage kommen. Sollte der Benz mal nicht können, dann erwarte ich vom Coupé allerdings, dass es ohne Probleme einspringt. Das Coupé allerdings sieht das anders und kündigte schon Tage vor der Abreise an, dass es eventuell Probleme machen könnte, wenn es einspringen muss. Willkürlich geht die Motorlüftung immer wieder an, brüllt kurz auf und geht wieder aus. Manchmal geht sie auch nicht mehr aus und lärmt durchgehend. Auch bei Temperaturen unter 15 Grad. Irgendwie ist das Coupé ein merkwürdiges Fahrzeug und ein Problem ist, dass ich dem Coupé nicht mehr traue. Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob ich das Coupé gegen ein anderes Fahrzeug tauschen sollte. Zum Glück fehlt mir das Geld, um mich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen zu müssen.

Gegen 10.00 Uhr stelle ich das Coupé in die Garage und nehme den Benz mit. Ein weiteres Fahrzeug dieser Kategorie würde mir gut stehen. Zurück zu Hause wird erstmal die Wohnung geputzt, damit es ordentlich aussieht, wenn ich den Urlaub beendet habe. Und sollte ich nicht wiederkehren, dann habe ich für meine Erben eine Wohnung im angemessenen Zustand hinterlassen.

Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage viel Regen voraus. Obwohl Wetterberichte oft daneben liegen, gehe ich davon aus, dass der Benz nass wird. Allerdings dachte ich dabei, dass es irgendwann regnet, wenn ich angekommen bin oder ein paar Tropfen mich auf dem Weg begleiten werden. Dass der Benz noch vor unserer Abreise einen ersten Schauer abbekommt, war so nicht vorgesehen. Vielleicht sollte ich doch das Coupé benutzen, weil der Benz mir jetzt schon Leid tut.

Als es endlich losgeht regnet es für eine Weile nicht, doch kaum sind wir auf der Autobahn geht es los. Regen, Regen, Regen. Mehr als 90 km/h sind kaum möglich, denn man sieht fast nichts. Nach etwa einer Stunde hört der Regen auf, ich beginne mich zu freuen, weil wir dem Regen davongefahren sind, aber nur wenige Minuten später geht es wieder los. Die Sicht ist katastrophal, ich bleibe stur rechts und oft sind selbst 80 km/h utopisch. Das ist definitiv die mieseste Anreise aller Zeiten. Zu meiner Überraschung esse ich spontan eine Banane und bin wenig begeistert. Bananen esse ich nur noch auf Urlaubsreisen und selbst das finde ich alles andre als angenehm. Dabei habe ich früher fast täglich eine Banane gegessen. Und jetzt ertrage ich Bananen seit Monaten nur noch schwer und bekomme sie kaum runter. Sehr merkwürdig.

Als ich die Ferienwohnung Heinen erreiche, muss ich einige Meter weiter weg parken und blamiere mich dann, weil ich zunächst das Gertentor nicht aufbekomme. Peinlicher kann man kaum agieren. Als es doch klappt, schelle ich an, werde freundlich von der Dame des Hauses empfangen und sie zeigt mir meinen Wohnbereich. Ich bin quasi ihr Untermieter und der Mann hat extra einen Parkplatz vor dem Haus freigehalten, damit ich den Benz gleich dort abstellen kann. Das ist alles sehr angenehm. Im Gegensatz zum Wetter, denn es regnet einfach weiter. Erst nach 18.00 Uhr mache ich mich auf den Weg, allerdings mit Schirm, denn es regnet noch immer. Ich irre, wie üblich am Anreisetag, völlig orientierungslos umher und treffe auf einen Mann, der ein wichtiges Telefonat führt. Er hat geträumt, heute Nacht in dem Traum ist seine Mutter gestorben, aber das ist noch nicht alles, aber das seine Mutter gestorben ist, das ist schon unglaublich. Keine Ahnung wen er da mit seiner Geschichte langweilt, aber es wäre schön, er täte es weniger laut. Er ist nicht gerade groß, trägt kurze Hosen und wirkt auf mich etwas merkwürdig. Etwa eine halbe Stunde später begegnen wir uns erneut. Er telefoniert noch immer und so erfahre ich, dass eine Frau mal in Spanien mit ihm Schluss gemacht hat, aber das größte Ärgernis war wohl ihre verfickte Mutter, wie er sie mehrfach nennt. Gott, hat der einen an der Waffel.

Ich bekomme Hunger, es sind einige Restaurants geöffnet, aber irgendwie entspricht keins meinen Bedürfnissen nach einem unauffälligen Sitzplatz. Egal, wo ich einkehren würde, ich bekäme zu viel Aufmerksamkeit und würde mich nicht wohlfühlen. Also gehe ich zurück zur Wohnung, die ich auf Anhieb finde. Mein linkes Knie hat während des kleinen Ausflugs das ein oder andere Mal lautstark protestiert, was mir durchaus zu denken gibt.
Ich mache mir ein paar Aufbackbrötchen, die ich trocken essen muss, da ich erst morgen einkaufen will, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Nach dem Essen schaue ich mir die Toilette genauer an. Es ist ein echter Klassiker, denn es ist diese Art Toilette, bei der die Utensilien, die man hinten rausfallen lässt, nicht direkt im Wasser versenkt werden, sondern zur weiteren Begutachtung in der Schüssel liegenbleiben. Ich hatte ganz vergessen, wie wunderbar sich Gerüche auf diese Weise verbreiten können, wenn man nicht unverzüglich die Spülung betätigt.

Weil das Wetter später angemessen ist, breche ich für einen zweiten Spaziergang auf. Dieses Mal in eine andere Richtung, um morgen früh zu wissen, wie ich am schnellsten zu einem Supermarkt komme. Nachdem das geklärt ist, gehe ich Richtung Hafen. Da ist es nicht schön. In einiger Entfernung sehe ich einen Mann mit kurzen Hosen, der in sein Telefon brüllt und vermutlich eine irre Geschichte zu erzählen hat. Es ist der Mann, dessen Mutter in seinem Traum gestorben ist und dessen Ex-Freundin eine verfickte Mutter hat. Dieses Mal ist er zu weit weg, um zu verstehen, was er zu erzählen hat.

Später sitze ich auf einer Bank am Rhein als eine attraktive Frau sich auf die Bank neben mir setzen will, um ihre Pizza zu essen. Sie will gerade Platz nehmen, sieht dann zu mir rüber und entscheidet sofort, dass sie doch lieber nicht Platz nehmen will. Stattdesswen macht sie ein paar Fotos vom Rhein und entfernt sich dann von mir. Ich finde ihr Verhalten skandalös, denn es hätte mir gut gefallen in ihrer Nähe zu sitzen. Da habe ich extra, wie vom Loerz gefordert, eine ordentliche Portion Dior Homme Intense aufgetragen und sogar mein blaues Sakko an und dann möchte eine attraktive Frau nicht einmal Platz auf einer Bank nehmen, die nur wenige Meter neben der Bank steht auf der ich sitze. Überhaupt hat mich während meines Spaziergangs keine der vielen Frauen beachtet, obwohl ich sicherlich vorzüglich rieche und auch ganz passabel angezogen bin. Es muss etwas mit meiner Ausstrahlung zu tun haben, dass Frauen mich dermaßen ignorieren. Abgesehen davon finde ich den Abend am Rhein sehr schön. Morgen komme ich sicher wieder, wenn das Wetter es denn zulässt.

Es ist kurz nach 22.00 Uhr als ich zurück in der Wohnung bin. 10,5 Kilometer habe ich zurückgelegt und hoffe, dass meine Knie auch morgen halten werden.

2 Kommentare

  1. Ich glaube, du hättest auch locker über das Gartentor steigen können. Ansonsten wie immer ein sehr schöner Dreiklang von Umherirren, Nahrungssuche und Einsprengseln!

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