Damals – September 2008

Im September gab es fast nur das Praktikum, denn das Praktikum hatte mich voll im Griff und ein Leben außerhalb des Praktikums fand fast gar nicht mehr statt. Schon damals wurde deutlich, dass Arbeit nicht gut für mein Privatleben ist und mich zermürbt. Dennoch gibt es hier, wie üblich, drei Texte aus dem wenig unterhaltsamen September 2008.


Vierzehnte Praktikumswoche
Wir haben derzeit drei Praktikanten, die maximal 16 Jahre alt sind. Genau die richtigen Kumpel für Robocop. Er gesellt sich gerne zu ihnen und unterhält sie. Auch heute ist das Gelächter der vergnügten Runde im ganzen Haus zu hören. Es sind wirkliche Spaßvögel, die sich dort im Untergeschoss versammelt haben. Der Oberdepp Robocop erzählt den jungen Leuten etwas von Kontoführungsgebühren und anderen Dingen von denen er keine Ahnung hat. Bevor ich kotzen muss, schließe ich meine Bürotür, um den Unsinn nicht weiter hören zu müssen.

Nach seinem Auftritt bei den jungen Praktikanten sucht Robocop im Internet nach Ferraris, die man sich ausleihen kann. Der Prinz lebt einfach in einer anderen Welt. Ich frage mich, was in seinem Schädel vorgeht. Heute Morgen habe ich ihm gesagt, dass er fegen soll. Nichts ist passiert. Den Aufkäufer hat er auch nicht angerufen, stattdessen guckt er nun wieder Filme im Internet. Ich könnte ihn so mit dem Kopf gegen die Wand schlagen. Was ist er nur für ein ignorantes Arschloch? Aber nicht mehr lange. Seine Tage sind gezählt. Nächste Woche ist der Chef zurück, dann wird der Pisser sicher bald gefeuert. Danach kann er Ersatzteile auf dem Schrottplatz sortieren oder sich den Finger in den Arsch stecken und dabei wichtig gucken. Vollidiot. “Ich gucke mir jetzt den zweiten Film an.” – “Aha.” – “Ja. Rocky Balboa. Den kenne ich noch nicht. Oder hast Du was zu tun für mich?” – “Ja. Du musst noch fegen.” – “Die Putzfrau war doch hier. Die macht aber auch gar nichts.” – “Ja. Also musst Du es machen.” – “Das mache ich dann in der letzten halben Stunde.” – “Mach das.” Was für ein Arschloch. Warum zerfällt er nicht zu Staub? Und wieso geht der Kunde hier nicht weg? Steht demonstrativ vor meinem Büro und ich beachte ihn nicht. Ständig kommt der her, guckt sich Autos an, erzählt irgendeine Scheiße und geht dann wieder. Ich kann nichts dafür, dass er einsam ist. Ich bin nicht zuständig für einsame Männer und will deren Geschichten nicht hören. Langsam verschwindet er aus meinem Sichtfeld. Aber nur kurz, schon ist er wieder da. Das kann doch nicht wahr sein. Nun kratzt er sich am Rücken und guckt sich das Auto an, welches er sich immer anguckt. Geh weg, Du Freak, geh weg. Wie angewurzelt steht er vor dem orangenen Dodge Avenger. Ist der bekloppt? Nach endlosen Minuten verschwindet er endlich in die untere Etage, wo er minutenlang vor einer Werbesäule steht. Er muss sehr verzweifelt sein oder unter Lochfraß leiden. Nach der Werbesäule sind ein paar Prospekte dran. Wenig später fragt er nach dem Preis für ein Modellauto. Vollkommen skurril. Nach etwa 30 Minuten ist sein Auftritt vorbei. Er steigt in seinen Audi und braust davon. Bin schon gespannt, wann er uns das nächste Mal beehrt mit seiner zweifarbigen Meerschweinchenfrisur. Nachdem ich mich vom Meerschweinchen erholt habe, rufe ich tatsächlich eine Kundin an und frage, ob sie eine Gasanlage haben will. Will sie nicht. Wie überraschend. Zeit diese unwürdige Aktion zu beenden.

Chatten statt arbeiten
Ich unterhalte mich im Chat mit einigen mehr oder weniger uninteressanten Frauen.

Da ist zunächst die 46 jährige Bärbel. Sie schreibt mich an und freut sich wie eine Schneekönigin, dass ich antworte und mit ihr kommuniziere. Als alte Frau hat man es sicher nicht leicht hier im Chat. Und sie ist nicht nur alt, sie sieht auch so aus, was die Sache sicher nicht leichter macht. Mir ist das egal, ich will mir nur die Zeit vertreiben. Und so sorge ich dafür, dass Bärbel ein nettes Chatgespräch hat.

Die 25 jährige Jolanda aus Dortmund hat kein Foto im Profil. Sie ist ganz nett und wir unterhalten uns recht gut. Sie sucht eine Beziehung, was aber laut ihrer Aussage daran scheitert, dass sie mollig ist. Das will ich sehen und fordere sie auf, mir ein Foto zu schicken. Sie schickt mir gleich zehn Fotos. Und ich muss sagen ihre Freundin, die auf einigen der Fotos zu sehen ist, sieht wirklich gut aus. Sie allerdings ist alles andere als attraktiv. Sie ist nicht nur mollig, sondern sieht aus wie eine alte, vergammelte Frau. Kurz danach beenden wir unser Gespräch. Zu tief sitzt der Schock. So kann ich nicht kommunizieren.

Eine 32 jährige Hausfrau aus NRW schreibt mir, dass sie Freundschaften im Internet sucht und auch schon einige gefunden hat. Ich schreibe, dass virtuelle Freundschaften fürn Arsch sind und es absolut behindert ist jemanden als Freund zu bezeichnen, den man nicht einmal persönlich kennt. Sie sieht das anders. Das ist mir zu doof und ich beende die Kommunikation.

Eine 22 jährige Blondine schreibt mich völlig überraschend an. Sie ist aus Hamm und sieht richtig gut aus. Das ist allerdings auch schon alles, was sie zu bieten hat. Die Kommunikation ist alles andere als erbaulich. Sie langweilt mich dermaßen, dass ich nach wenigen Sätzen nicht mehr mit ihr kommunizieren mag. Aussehen ist halt nicht alles.

Am längsten unterhalte ich mich mit Susa, 28, etwas mollig, aus Duisburg. Ein netter belangloser Small Talk. Nach einer Weile schreibt sie, dass sie ein Zungenpiercing hat und im Besitz von Handschellen ist. Ich teile ihr mit, dass ich weder ein Zungenpiercing noch Handschellen besitze. Je länger wir chatten, desto interessierter scheint sie an einem Treffen mit mir zu sein. Ich schreibe ihr, dass sie mich gerne auf einen Kaffee einladen kann. “Laden die Männer normalerweise nicht die Frauen ein?” – “Bei mir läuft das anders.” Wie erwartet erklärt sie sich bereit mir einen Kaffee zu spendieren, sollten wir uns tatsächlich mal treffen. Darum gibt sie mir ihre Telefonnummer. Da hatte ich wohl zu erwähnen vergessen, dass ich mit Telefonnummern nichts anfangen kann und in der Regel nicht anrufe.

Ausflug
Am Wochenende machen Ursula und ich einen Ausflug in einen Tierpark. Dort lerne ich eine entzückende Ziege kennen. Wir wollen heiraten, doch Ursula ist damit nicht einverstanden, weil sie meint die Ziege würde farblich nicht zu mir passen.
Ich bin der Meinung, dass wir gut zusammenpassen und ich glaube, dass die Ziege sich in mich verliebt hat.

Schweren Herzens ziehen wir weiter und treffen eine andere Ziege, die farblich besser zu mir passt. Als ich sie anspreche streckt sie mir die Zunge raus und geht fort.

Doch ich lasse mich nicht entmutigen und versuche es einfach bei der nächsten. Doch auch diese scheint mich nicht so toll zu finden, was ich ihrer spontanen Reaktion entnehme.

Die nächste, die ich anspreche, ist eher was für den Loerz. Blutjung und sexy. Sie saugt zwar vielversprechend an meinem Finger, doch irgendwie kann ich mir nicht vorstellen eine Beziehung mit einem so jungen Ding einzugehen.

Daher ziehe ich enttäuscht weiter. Wenig später treffen wir auf eine Graugans. Sie scheint nett zu sein und als ich ein Maiskorn finde, weiß ich, dass ich es der Graugans geben muss. Ich halte ihr das Maiskorn hin und sie schnappt sofort zu. Sie beißt so heftig in meinen Daumen, dass er blutet. Blöde Gans.
Das beißfreudige Luder steht rechts und guckt vollkommen unschuldig. Ich bin natürlich sehr enttäuscht und beschließe den Tierpark zu verlassen und vorerst Ursula zu behalten. Die beißt mich zwar auch hin und wieder, aber irgendwie gefällt mir das besser.

Den kompletten Praktikumsbericht vom Septmeber 2008 kann man hier nachlesen. Ist aber ziemlich langwelig.

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