Traben-Trarbach – Tag 1

Als ich gegen 09.50 Uhr die Garage öffne, um den Benz abzuholen, erkenne ich sofort, dass der Benz für den Urlaub nicht zur Verfügung steht, denn die Garage ist komplett nass. Wie schon im Urlaub in Andernach ist das Kühlwasser komplett ausgelaufen. Ich überlege kurz das Wasser aufzufüllen und zu hoffen, dass es wie beim letzten Mal wieder Wochenlang funktionieren wird, verwerfe den Plan aber, weil mir das Risiko zu groß erscheint. Eigentlich hätte ich das Coupé am Freitag in der Werkstatt abgeben sollen, um das Steuergerät reparieren zu lassen. Irgendwas hielt mich davon ab. Nun weiß ich, was es war und bin froh, dass ich nun, zumindest theoretisch, die Wahl habe, welches meiner defekten Fahrzeuge mich in den Urlaub bringt. Es wird natürlich das Coupé mit dem defekten Steuergerät. Spätestens am Donnerstag weiß ich, ob es eine vernünftige Wahl war. Am Donnerstag bringe ich dann beide Fahrzeuge zur Werkstatt. Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt. Da ich nichts mehr für den Benz tun kann, fahre ich los und tanke das Coupé auf. Der Abenteuerurlaub kann beginnen.

Zurück auf dem Hof, überprüfe ich, ob alle Flüssigkeiten im Coupé ausreichend vorhanden sind und stelle fest, dass der Ölmessstab nichts anzeigt, was mich sehr überrascht. Als ich dann auch noch feststellen muss, dass ich kein Öl mehr im Keller habe, bin ich genervt. Weil bloßes genervt sein keinem hilft, fahre ich zur Garage, weil ich hoffe, dass ich dort Öl habe. Zu meinem Glück wartet ein 5l Kanister dort auf mich und ich kann Öl nachfüllen. Eine 1l Flasche Öl, die ich für Notfälle im Benz deponiert habe, packe ich ins Coupé. Irgendwie bin ich skeptisch, ob das Coupé wirklich geeignet für eine solche Reise ist. Da ich mir aber kein drittes Coupé leisten kann, habe ich leider keine Wahl. Auch ist das Coupé voll dreckig, was für eine Urlaubsreise unwürdig ist. Vor meinem nächsten Urlaub werde ich beide Fahrzeuge so vorbereiten, dass ich nicht noch einmal in so eine Situation gerate.

Zum ersten Mal seit Jahren trage ich, während ich über die Autobahn fahre, eine Sonnenbrille. Damals war ich noch irgendwie cool und hoffe, dass mich die Brille heute nicht nur optisch, sondern auch charakterlich cooler macht. Eine Sonnenbrille bedeutet auch, dass prima Wetter ist. Das gab es zuletzt ja nicht, wenn ich in den Urlaub gefahren bin. Ich höre laut Musik, das geht im Coupé besser als im Benz, die Bahn ist nicht zu voll und vielleicht werden das Coupé und ich doch wieder ein gutes Team. Auf der Gegenfahrbahn zähfließender Verkehr und ich frage mich, ob das Coupé eine Art Glücksbringer ist. Wann bin ich zuletzt so entspannt zum Urlaubsort gefahren?
Es ist fast 15.00 Uhr, ich fahre etwa 130 km/h auf der rechten Spur als der Motor einfach ausgeht. Und das, obwohl keine Kontrollleuchte aufgeleuchtet hat. Ich trete die Kupplung, schalte die Warnblinker an, damit alle sehen, dass hier ein Mann im Coupé in Schwierigkeiten ist, und stelle fest, dass es keinen Seitenstreifen gibt. Ich werde wohl gleich einen Stau verursachen. Noch bevor ich panisch werden kann, sehe ich ein Schild, dass eine kleine Haltebucht ankündigt. Wenig später rollt das Coupé in die Haltebucht und dann stehen das Coupé und ich direkt neben einer Notrufsäule. Ich ziehe den Schlüssel ab und warte einen Moment. Wenn das Coupé nicht mehr anspringt bin ich ziemlich am Arsch. An diesem Punkt kann sich alles zu einem einzigen Desaster entwickeln. Schlüssel rein, Zündung an. Keine Kontrollleuchte leuchtet. Das bedeutet in der Regel, dass das Coupé wieder anspringt. So zum Glück auch heute. Allerdings ist die Entspannung irgendwie dahin und ich traue mich auch nur noch in Ausnahmefällen jemanden zu überholen. Zumindest weiß ich nun, dass das Coupé zwei Probleme hat und auch ausgehen kann, wenn keine Kontrollleuchte leuchtet. Ich darf gar nicht an die Rückfahrt denken. Bis zur Ferienwohnung in Traben-Trarbach kann ich zum Glück ohne weitere Zwischenfälle durchfahren.

Meine Wohnung liegt unter dem Dach, der Vermieter ist sehr nett und nachdem ich mich traditionell mit einer Suppe gestärkt habe, geht es los, um die Umgebung zu erkunden. Wenig später sitze ich bei perfektem Wetter auf einer Bank und sehe auf die Mosel. Ich glaube, hier bin ich richtig. Meine Begeisterung lässt wenig später allerdings nach, als es zu regnen beginnt. Dennoch lasse ich mich nicht stoppen, spanne den Schirm auf und wandere weiter, weil ich unbedingt zur Brücke und auf die andere Seite der Mosel will. Auf der Brücke wird der Regen so stark, dass ich umkehre, um mich unterzustellen. Als der Regen nachlässt überquere ich die Brücke und stelle später fest, dass ich auch in diesem Urlaub nicht an einer Schifffahrt teilnehmen werde, weil die 3G-Regel auf den Schiffen gilt. Da ich keine Lust auf einen Test habe, werde ich auf das Vergnügen, mich auf einem Schiff transportieren zu lassen, verzichten. Zwischenzeitlich hat es wieder stärker geregnet und meine Kleidung ist durchnässt. Dennoch lasse ich mich dazu hinreißen auf dem Rückweg einen Cache zu suchen. Geocachen wird vermutlich irgendwann mein einziges Hobby sein. Irgendwie traurig.

Am ersten Tag bin ich nur 5,7 Kilometer gewandert, was für einen ersten Tag wirklich nicht viel ist.

6 Kommentare

  1. Einfach mal auf der Autobahn ohne Motorkraft dahinsegeln stelle ich mir recht nervzerfetzend vor.

    • Ich fand die Frage, ob er wieder anspringt, etwas stressiger.
      Aber ich hatte auch Glück, dass er nicht öfter oder an ungünstigen Stellen ausging. Jetzt steht er endlichen der Werkstatt.

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