Neujahr 2022

Schon befinde ich mich im Jahr 2022, dem nächsten Seuchenjahr, welches eigentlich nicht absurder und langweiliger als das letzte werden sollte. Aber wer weiß.

Da ich heute schon um 13.00 Uhr zum geocachen verabredet bin, muss ich den Tag zeitig beginnen, obwohl ich noch müde bin. Was mir zuerst auffällt ist die Tatsache, dass die Wohnung noch nach der Raclette-Orgie unserer Feier riecht. Das mag ich gar nicht. Noch weniger mag ich aber all die Sachen, die in der Küche stehen und darauf warten, dass ich sie spüle. Der erste kaputte Artikel des Jahres ist meine Küchenwaage, aber da sich das angekündigt hatte, ist es keine Überraschung. Kaufe ich mir halt gleich eine neue. Gegen 09.00 Uhr habe ich mein Frühstücksmüsli verspeist und beginne mit dem spülen. Dreimal muss ich Spülwasser auffüllen und zwischendurch natürlich immer das Geschirr abtrocknen, weil der Platz in meiner kleinen Wohnung zu begrenzt für so viele Sachen ist. Die Platten vom Raclette-Grill weiche ich eine Weile ein und bringe den Müll runter, weil der stinkt. Irgendwie stinkt alles, ich vermutlich auch. Nachdem irgendwann alles sauber und weggeräumt ist, telefoniere ich kurz mit Agnes, bevor ich mir Nudeln zum Mittagessen machen muss. Anschließend mache ich mich frisch und wenig später auf den Weg.

Pünktlich um 13.00 Uhr treffe ich am vereinbarten Treffpunkt ein. Kirsten ist schon da und wir beginnen, nach einer ausführlichen Begrüßung des Begleithundes, mit der Angelcacherunde. Früher habe ich mich mit Frauen getroffen, um etwas trinken zu gehen oder rumzumachen, so ändern sich die Zeiten. Caches in sieben Meter Höhe hatte ich bisher noch nicht gefunden. Wenn man mit so einer langen Angel herumhantiert, dann gucken einen die Leute schon einigermaßen verwirrt an. Vermutlich halten die einen für komisch. Ich mag es ja nicht, wenn man mich beobachtet, wenn ich so Sachen mache. Komisch finden können mich die Leute auch so, aber sie sollen mich dabei nicht beobachten. Ein Pärchen sitzt auf einer Bank und schaut, was wir da treiben. Ich möchte den Leuten winken oder sie bitten, dass sie uns helfen, aber das möchte Kirsten nicht. Als uns eine Frau fragt, was wir denn da messen, fällt mir allerdings nichts ein. Früher hätte ich eine verrückte Geschichte erzählt, z. B. das wir überprüfen, wie viele Untiere sich an der Baumrinde befinden, heute stammle ich nur etwas von Geocaching. Das ist so traurig. Ich bin nur noch eine Karikatur eines ehemals witzigen Menschen. Herrje.

Teilweise sind die Wege so matschig und rutschig, dass ich echt Glück habe nicht hinzufallen in meinen selbstverständlich unpassenden Schuhen mit glatter Sohle. Ich versuche während der Runde immer wieder unterhaltsam und witzig zu sein, aber von meiner früheren Version, die schlagfertig, wortgewandt und unterhaltsam war, bin ich unendlich weit entfernt. Kirsten lacht zwar durchaus über meine lahmen Geschichten, aber das eher aus Nettigkeit und nicht weil ich ein Gagfeuerwerk wie zu meinen besten Zeiten zünde. Das ist alles schal und selbst für mich ernüchternd. Gott, bin ich aus der Übung. Und ich war mal witzig. In einem anderen Leben, heute nicht. Nachdem die Runde geschafft ist, ist das Wetter immer noch toll und Kirsten sagt, dass sie nicht damit gerechnet hat, dass wir so früh fertig sind. Da in der Nähe noch ein weiterer Cache ist, suchen wir den auch noch. Meine Witzigkeit ist weiterhin mäßig. Kirsten bedauert, dass wir nun durch sind und wir gehen zu unseren Autos. Offensichtlich wollen wir beide noch nicht, dass das Treffen schon endet, doch weil keine Caches mehr in der Nähe sind, beende ich das Treffen. Erst später soll mir einfallen, dass wir auch einfach so eine Runde spazieren gehen hätten können, wenn das Wetter schon so gut ist und wir Zeit haben. Außerdem hätte sich der Hund sicher auch gefreut. Weil ich aber nur ein Schatten meiner Selbst bin, endet das Treffen unnötig früh.

Als ich gegen 15.00 Uhr zu Hause bin frage ich mich, wann ich so eine Trantüte geworden bin. Früher hatten Frauen mit mir mehr Spaß und ich hatte auch mehr Spaß. Ich kann nicht einmal mehr flirten, falls ich es überhaupt jemals konnte. Diese reduzierte Version von mir gefällt mir gar nicht. Es ist schwer vorzustellen, dass sich unter diesen Umständen eine Frau öfter mit mir treffen will. Entweder ich übe in nächster Zeit den Umgang mit Frauen oder ich kann nicht nur Sex und Sport für immer abhaken, sondern auch einfache Treffen mit dem anderen Geschlecht. Das ist ein irgendwie ernüchternder Einstieg ins neue Jahr. Daher erscheint es auch unglaubwürdiger als je zuvor, als der Loerz mir schreibt, dass dieses Jahr mein Jahr wird und ich zum Mega-Aufreißer werde. Das Orakel-Loerz ist schon sehr lange kaputt.

Später höre ich Dance UK und überlege, welche Filme ich mir am Abend anschauen will. Ich bin froh, dass ich noch immer so gut Filme gucken kann. Nicht auszudenken, wenn das irgendwann auch keine Option mehr ist.

4 Kommentare

  1. tja, dann wollen wir mal schauen, was 2022 so bringt
    Besser spät als nie habe ich mich auch noch mit dem Thema Vorsätze beschäftigt 😉https://bullauge-blog.de/2022/01/07/karthago/

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