Manni´s Geburtstagsrunde 2018

Die Zeit, sie vergeht so schnell und so sitzen wir erneut bei Manni, um unsere traditionelle Geburtstagsrunde abzuhalten. Es gibt Chips, Bionade und die üblichen Gespräche, die zu nichts führen, aber hin und wieder für Erheiterung sorgen, wenn sie uns nicht auf irgendeine Weise deprimieren. Alt sind wir geworden und passend dazu hören wir irgendeinen Sender, der Musik von Prince spielt. Der ist auch irgendwie alt geworden, bevor er jung gestorben ist. Klingt unlogisch und ist es womöglich auch. Weil Petra die Älteste in der Runde ist, darf sie auch am deprimiertesten sein. Dafür hat sie aber die meisten Pläne von uns. Ihr wichtigster Plan ist es ab dem 31.08.2016 nicht mehr zu arbeiten. Bevor sie am 01.12.2027 in Rente geht, will sie noch ein Jahr Arbeitslosengeld beziehen, um dann nahtlos ins Rentnerleben zu gleiten. So lustig es klingt, so deprimierend ist es auch, wenn eines der großen Ziele ist, möglichst schnell die Rente zu erreichen, weil das Arbeitsleben einen nur noch runter zieht. Ich schäme mich fast, dass ich auch weiterhin völlig zufrieden mit meinem Arbeitsleben bin. Doch auch ich weiß, dass es damit jederzeit, spätestens im März nächsten Jahres, vorbei sein kann. Und dann? Für mich trotzdem kein Grund daran einen tieferen Gedanken zu verschwenden. Der Bereich meines Lebens ist gerade nicht zu kritisieren, da werde ich heute auch nicht damit anfangen. Zum Glück hat Petra auch noch andere Pläne; Auswandern nämlich. Nach Island zu den Ponys dort oder nach Rumänien, weil es da Luchse und Wölfe gibt. Allerdings ist es dort zu warm, was Petra nicht mag. Sie bevorzugt nämlich die dunkle Jahreszeit, oder Sonne bei minus zehn Grad. Diese Temperaturen würde sie gern mit einem Krankenschein genießen. Schön zu Hause mit ihrer Katze. Ich kann mich für Kälte so gar nicht begeistern und Dunkelheit deprimiert mich mit zunehmendem Alter auch immer mehr. Nein, all das, was sie sich wünscht, kann mich nicht begeistern. Nach Sachsen kann Petra übrigens nicht auswandern, weil sie immer lachen müsste, wenn die Menschen dort auf ihre ganz besondere Art zu ihr reden würden. Das klingt ihr dann doch zu behindert. Es ist schön, wenn man seine Ziele und Wünsche so klar formulieren kann. Ach ja, die Wallachei hingegen wäre ebenfalls ein Ort an dem sie sich ihren Lebensabend schön machen könnte. So viele Pläne, die noch so weit entfernt sind. Und was ist mit dem Leben jetzt? Was tun bis zur Rente? So lustig das auch alles ist, wenn sie es vorträgt, so traurig ist es auch. Ist das alles, was das Leben zu bieten hat? Warten auf die Rente in der Hoffnung, dass dann alles gut wird? Und wenn es doch nicht gut wird? Trauern, dass man vorher nicht irgendwelche Dinge getan hat, die man nur aufgeschoben hat? Ich weiß es nicht. Manni anscheinend auch nicht, weshalb er die Musik so laut macht, wie seine Anlage es hergibt. Passend dazu wackeln wir kurz mit den Köpfen oder gar dem ganzen Oberkörper und nach einer Weile wird Petra so müde, dass sie fast einschläft. Spät ist es geworden, Prince singt weiter seine Lieder und wir müssen gehen, bevor wir bei unserem Gastgeber einschlafen. 23.00 Uhr ist es schon und wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob es nicht langsam zu spät für uns wird, wenn wir unsere Geburtstagsrunden erst um 20.00 Uhr beginnen. Denn kaum sitzt man, wird man auch schon müde und muss los. Besser wird das sicher nicht mehr und schon bald werden unsere Partys nicht mehr um 20.00 Uhr beginnen, sondern dann schon enden. So ist das wohl, wenn man bedrohlich nahe an seinem eigenen Ableben und einer Zeit im Seniorenwohnheim angekommen ist. Auch das ist irgendwie lustig und traurig zugleich.

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