Moderne Kommunikation

Seit WhatsApp in mein Leben getreten ist, telefoniere ich so gut wie gar nicht mehr und wickle den größten Teil meiner Kommunikation auf dem Wege ab. Und da man auch alberne Bildchen und so ziemlich jeden Blödsinn damit verschicken kann, bin ich verdammt oft mit dem Programm beschäftigt. Auch kündigte WhatsApp zigfach am Tag an, dass ich neue Nachrichten bekommen habe. Weil ich etwas gestört bin, guckte ich meist sehr schnell, quasi unverzüglich, was es da wieder für mich gab. Dafür stoppte ich Filme, hörte auf zu lesen, unterbrach Mahlzeiten und sogar mein Nichtstun. Je mehr Kontakte dazu kommen, desto mehr gibt es schließlich zu kommunizieren. Leider ist es so, dass es mir generell schwer fällt mal loszulassen und zu entspannen. Wenn nun noch die ständige Kontrolle eingehender Nachrichten, die durch irgendeinen Ton angekündigt werden, dazu kommt, kann das auf Dauer nicht gut sein. Zumindest nicht für mich. Glücklicherweise brauche ich nur unwesentlich länger als der Durchschnittsbürger, um so etwas tatsächlich zu erkennen. Und so habe ich vor ein paar Tagen endlich reagiert und den WhatsApp-Nachrichten den Ton abgedreht. So bekomme ich häufig gar nicht mehr mit, wenn ich Nachrichten bekomme und selbst wenn ich es später bemerke, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet unverzüglich zu antworten. Ich kann sogar das Smartphone gelegentlich wieder weglegen, ohne die Nachrichten überhaupt gelesen zu haben, weil gerade nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist. Das klappt noch nicht immer, aber es ist jetzt schon zu erkennen, dass es gut für mich ist. Sollte jemand wirklich etwas Wichtiges von mir wollen, wird er sicher anrufen. Außerdem haben so die Menschen auch vor mir etwas mehr Ruhe, weil ich nicht sofort antworte. Obendrein erwarte ich auch nicht, dass ich sofort eine Antwort bekomme, wenn ich mal im Schreibwahn meinen Kontakten unwichtiges Zeug schicke oder eine Kommunikation aufzwingen will. Ich glaube, das ist ein erster guter Schritt zurück zur Normalität, was auch immer Normalität bedeutet. Jedenfalls empfinde ich es als Wohltat WhatsApp-Nachrichten nicht mehr durch einen Ton angekündigt zu bekommen. Ich fürchte, diese ganze moderne Kommunikation tut mir nicht gut. Doch weil ich das erkannt habe, konnte ich eine offensichtliche Störquelle meines Lebens zu meinen Gunsten umgestalten. Das ist immerhin ein Anfang.

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