Leb wohl

Zehn Jahre. Zehn verdammte Jahre warst Du Teil meines Lebens und immer da, wenn ich Dich brauchte. Du hast mich öfter nackt gesehen als sonst irgendwer. Du warst dabei, wenn es mir schlecht ging und ich leidend vor Dir lag, mich an Dir festhielt und verzweifelt jammerte. Du hast es ertragen, mich nie verurteilt. Im Gegensatz zu mir bist Du optisch nicht gealtert. Während meine Haare immer weißer wurden, sahst Du bis zuletzt aus wie an dem Tag als wir uns kennenlernten. Ich erinnere mich noch gut, dass ich Dich nicht überreden musste bei mir einzuziehen. Ich entschied mich eines Tages für Dich und nahm Dich einfach mit. Niemals hast Du mir das übel genommen oder Dich je beklagt.
Ich stellte Dir ein paar Frauen vor. Du hast ihre Ärsche gemocht, so wie ich auch. Du hast ihre Ärsche gern gespürt und sie Dir liebend gern angesehen. Ich weiß natürlich auch, dass Du gern mehr Frauenärsche kennengelernt hättest, doch um Dir diesbezüglich mehr Freude zu bereiten war ich nicht der Richtige und Du hast immer akzeptiert, dass die Anzahl der Frauenärsche gering blieb. So wie Du alles akzeptiert hast. Du hast Dich auch niemals beschwert, wenn Dir irgendwas total gestunken hat. Du hast nicht einmal geklagt als ich Dich getroffen habe als ich mich übergeben musste. Du ließest mich Dich sauber machen und hast nie ein Wort darüber verloren.

Ich dachte echt, Du würdest mich überdauern und mit jemand anderem eine Beziehung eingehen. Vielleicht mit einer Frau mit schönem Hintern. Doch daraus wurde nichts. Auch Dir wurde das Alter zum Verhängnis. Wie so oft bei Älteren war es auch bei Dir ein Bruch, der das Ende einläutete. Eigentlich eine harmlose Sache auf den ersten Blick, doch dummerweise an einer Stelle an der sich der Bruch nicht richten ließ. Eine Zeitlang hast Du Dir tapfer nichts anmerken lassen, doch irgendwann brechen auch die Härtesten zusammen, wenn etwas nicht mehr auszuhalten ist. Und so blieb mir nur eins, Dich auszutauschen. Du konntest Dir noch anschauen, wer Deinen Platz einnehmen wird, dann warst Du raus. Es war ein einfacher Austausch, fast emotionslos. Aber so war unsere Beziehung auch oft, emotionslos und doch eng. Du wirst mir vermutlich nicht fehlen, aber ich werde mich sicher noch eine Weile an Dich erinnern. Leb wohl, alter WC-Sitz.

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8 thoughts on “Leb wohl

  1. Hach, traurig 😦

    Darf ich fragen, wie lange Sie benötigt haben, um die neue Brille anzubringen? Ich habe da eine ganze Lebensstunde mit verschwendet …

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