Suberg´s ü30 Party

Mehr als vier Jahre ist es mittlerweile her, dass ich zuletzt auf der ü30 Party war. Damals hatte ich die Eintrittskarten ebenfalls gewonnen. Der Unterschied ist lediglich, dass die Party dieses Mal in Recklinghausen stattfindet und ich noch weniger Lust darauf habe als vor fünf Jahren. Massenveranstaltungen dieser Art sind einfach nichts mehr für mich. Interessant finde ich, dass ich mittlerweile mindestens zum fünften Mal Eintrittskarten für eine solche Veranstaltung gewonnen habe.

Weil es mich keinen Eintritt kostet und ich bereits ab 21.00 Uhr dort sein kann, fahre ich zusammen mit Petra, die das auch schon vor fünf Jahren über sich ergehen lassen musste, nach Recklinghausen, um für etwa zwei Stunden an der Party teilzunehmen. Der Plan ist, dass wir uns irgendwo hinstellen oder hinsetzen und uns Leute angucken, die eine gute Party zu schätzen wissen. Alles andere liegt völlig außerhalb meiner noch vorhandenen Vorstellungskraft. Gegen 21.20 Uhr betreten wir den Veranstaltungsort und nur wenige Minuten später ist der Loerz auch schon da, obwohl er nicht verstehen kann, wie man so früh auf eine ü30 Party gehen kann, wo doch vor 23.00 Uhr nichts los ist. Lieber wäre er um 23.00 Uhr zu der Party, aber da ich dann meist müde bin und nach Hause will, hätte es für mich keinen Sinn gemacht. Wir sind nicht die ersten Gäste und kaum haben wir uns umgesehen, redet der Loerz schon mit den ersten beiden Frauen. Er weiß halt, wie es geht. Nach dem kurzen Plausch schauen wir uns ein wenig um. Menschen unter 40 scheinen seltene Gäste zu sein, was mir irgendwie egal ist. Wir stehen mal hier, dann dort und gucken, was es zu gucken gibt. Ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll. Plötzlich bekommt Petra Herzrasen und es sieht so aus als müssten wir die Party verlassen und Petra in einem Krankenhaus abliefern. So ist das wohl, wenn man im hohen Alter noch auf Partys geht. Man weiß nie, wann einer zusammenbricht und weggebracht werden muss. Heute ist es nur Herzrasen, morgen vielleicht ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall. Zack, letzte Party vorbei. Glücklicherweise ist Petras Anfall bald vorbei und wir können die wilde Party fortsetzen.

Während wir an einer Tanzfläche stehen, schaue ich mich um. Ich weiß nicht, ob es am Licht liegt oder ich einfach nur will, dass es so ist, aber irgendwie finde ich, dass einige Frauen irgendwie nett anzuschauen sind. Mit der Einstellung ist es gleich viel angenehmer hier zu sein. Dann entdecke ich eine Frau und beschließe, sie genauer zu betrachten. Und so schaue ich sie völlig stumpfsinnig so lange an bis sie es bemerkt. Für einen kurzen Augenblick sehen wir uns direkt an. Völlig neutral und vermutlich auch teilnahmslos. Weil mir das absurd erscheint und keinem von uns etwas bringt, schaue ich rasch woanders hin. Das ist doch lächerlich, was ich hier mache. Doch weil ich beschlossen habe, dass ich sie genauer betrachte, sehe ich nach einer Weile wieder zu ihr rüber. Als sie erneut in meine Richtung schaut, drehe ich mich weg. Das ist doch alles Käse. Zum Glück wollen meine Begleiter nun nach draußen, um zu rauchen. So verlassen wir den Ort meines Starrens und begeben uns an die frische Luft. Dort unterhalten sich die beiden, während ich einfach nur so dastehe und irgendwann bemerke, dass sich eine Frau an unseren Tisch stellt. Kaum hat der Loerz das mitbekommen, verwickelt er die Frau in ein Gespräch und sagt ihr, dass ich um 23.00 Uhr nach Hause will. Sie sagt, dass das nicht geht und ich erkläre ihr, dass es sehr wohl geht, weil ich deshalb extra schon um 21.00 Uhr da war und meinen Schlaf brauche. Es entsteht eine alberne, aber lustige Unterhaltung in der ich noch erkläre, dass ich in Kürze zum Abiball gehe, weil ich mein Abitur bald geschafft habe. Dann erscheint ihre Freundin, die uns komplett ignoriert und das Gespräch ist zu Ende.

Später erklärt uns der Loerz, dass Frauen es beim Sex härter wollen und zarter Sex gar nicht mehr geht. Frauen wollen geschlagen werden, weil sie das anmacht. Weil der Loerz alleine in diesem Jahr schon gut hundert Frauen kennengelernt hat, wird das wohl stimmen. Für mich ist das nichts, weshalb ich froh bin mit dem Thema Sex abgeschlossen zu haben. Was soll denn sowas auch? Ich will, dass eine Frau mir beim Sex Vergnügen bereitet, stattdessen soll ich sie schlagen. Wo bleibt denn da mein Spaß? Verrückt. Vollkommen verrückt.

Gegen 23.00 Uhr werden meine Begleiter zunehmend müder, was der Loerz erschreckend findet, aber so erkennt er vielleicht, warum ich immer früh ausgehen will. Denn wenn man erst um 23.00 Uhr irgendwo ankommt und eine halbe Stunde später wegen Müdigkeit wieder gehen muss, hat man ja noch weniger von so einem Ausflug. In einer Sache hat der Loerz allerdings Recht, ab 23.00 Uhr etwa wird es voller und jüngere und durchaus attraktive Frauen werten die Party weiter auf. Also rein optisch zumindest.
Während der Loerz tanzt, beobachte ich Frauen, die ebenfalls tanzen und frage mich, ob das nicht irgendwie bescheuert ist, dass ich an einer Tanzfläche stehe und mit meinem hohlen Blick tanzende Frauen anstarre. Das müssen die doch furchtbar finden, wenn so ein Typ da steht und glotzt. Also mir wäre das unangenehm. Ich bin mir auch gerade irgendwie unangenehm, kann aber nicht weggucken, weil Frauen schon irgendwie faszinierend sind. Das ist doch alles Kacke. Zumindest besteht bei mir nicht die Gefahr, dass ich sie anspreche. Sonst spricht aber auch echt nichts für mich. Weil ich eh zu viel nachdenke, frage ich mich nun, was ich wohl tun würde, wenn eine Frau mich versehentlich ansprechen würde. In erster Linie würde ich mich wundern und vermutlich erstarren oder mich gar tot stellen, wie ein Opossum. Zum Glück sind Frauen nicht so gestört, mich anzusprechen. Nicht auszudenken, wie peinlich das für mich werden könnte. Als nächstes frage ich mich, was wohl passieren würde, wenn ich das Bedürfnis hätte, eine von den vielen Frauen hier kennenzulernen und was das überhaupt bedeutet und welche Spätfolgen es haben könnte. Die Frage ist so absurd, dass ich keine Antwort finde. Stattdessen gucke ich mir die DJane an und finde sie ist ein schöner Anblick. Es ist alles irgendwie wie damals vor vielen Jahren. Ich gucke und höre Musik, während der Loerz ständig Frauen sieht, die er kennenlernen möchte. Da er heute allerdings zu müde ist, fällt das Kennenlernen aus. Petra gähnt auch immer häufiger, weshalb wir nicht nur intensiv darüber nachdenken, die Party zu verlassen, sondern es auch wenig später tun.

Um Mitternacht sitzen wir im Auto und treten die Heimreise an. Wie zu meinen besten Zeiten habe ich an die Banane gedacht, die ich genussvoll verspeise. Auf der Rückfahrt hält Petra plötzlich am Straßenrand an, um, wie sie sagt, einen Igel zu retten. Sie will ihn wohl über die Straße tragen. Schon ist sie aus dem Auto raus auf Rettungsmission. Wenige Augenblicke später kehrt sie zurück. Der Igel war kein Igel, sondern eine Mütze. Das ist irgendwie lustig. Die Mütze hat Petra allerdings nicht gerettet, weil sie sich nicht für die Mützenrettung zuständig fühlt. Den Rest des Heimwegs überstehen wir ohne weitere Vorkommnisse und ich bin sehr gespannt, wann ich das nächste Mal Karten für eine ü30 Party gewinne. Möglicherweise gehe ich in diesem Leben also tatsächlich nochmal auf eine ü30 Party. Damit war vor diesem Abend definitiv nicht zu rechnen.

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