Experten in Zeiten des Coronavirus

Ich war schon immer erstaunt, aber nicht begeistert, wie viele Experten es in Deutschland gibt. Und diese Krise ist perfekt für viele Experten, denn nun kommen sie endlich angemessen oft zu Wort. Glücklicherweise, also zu meinem Glück, habe ich den Expertenkonsum für mich stark eingeschränkt. Doch ganz kann man dem Expertentum nicht entgehen, wenn man mal kurz unaufmerksam ist. Ständig wird irgendwo im TV oder in den unendlichen Weiten des Internets ein weiterer Experte entdeckt, befragt und präsentiert. Da gibt es unter anderem den Ober-Experten Drosten, der gerne vor irgendwas warnt und seine Meinung den Umständen entsprechend anpasst und auch mal Dinge, die er eine Weile zuvor noch ausgeschlossen hat, spontan als neue Tatsachen präsentiert. Warum auch nicht. Die Dinge ändern sich ständig und letztlich weiß keiner was Genaues. Außer den Experten. Zumindest für den Moment. Und weil manche Experten sagen, dass wir noch sehr lange, manche orakeln bis 2022, mit dem Coronavirus kämpfen werden, werden sicher noch ganz viele Experten zu Wort kommen. Es könnte aber, so sagen andere Experten, noch in diesem Jahr einen Impfstoff geben, dann wird los geimpft und die meisten Experten verschwinden wieder in der Versenkung, weil alles wieder gut ist. Die Idee mit der Durchseuchung, was für ein schönes Wort, die zur Herdenimmunität führen soll, noch so ein schönes Wort, zweifeln manche Experten mittlerweile an, weil es nicht sicher ist, dass man sich nicht wieder und wieder mit dem Virus anstecken kann. Aber das kann nächste Woche auch schon wieder anders aussehen. Man muss nur die richtigen Experten dazu befragen.

Besonders beeindruckt hat mich eine Psychologin, die erklärt hat, warum die Deutschen so eine Vorliebe für Toilettenpapier haben und davon nie genug bekommen. Damit zeigen sie an, dass sie trotz Krise die größten Haufen scheißen. Das bedeutet vermutlich, dass je größer der Haufen ist, den man scheißt, man mehr Toilettenpapier braucht. Das verstehe ich sicher falsch und es soll in Wahrheit signalisieren, dass in Krisenzeiten die geilsten Menschen häufig große Haufen scheißen. Ich bin jedenfalls froh, dass ich das nun weiß. Wobei es, wenn es tatsächlich so ist, auch irgendwie schwachsinnig ist, weil ja niemand weiß, dass z.B. sein Nachbar so eine coole Krisensau ist, weil man weder weiß, dass er so viel Toilettenpapier hat, noch seine Haufen je zu Gesicht bekommt, um das zu überprüfen und ihn dafür zu bewundern. Vermutlich wäre es besser, die Menschen würden ihre großen Krisenhaufen fotografieren und veröffentlichen, so dass alle sehen, dass die Krise für die Scheißer großer Haufen kein Problem ist. Da hätte man diese ganzen Berge an Toilettenpapier gar nicht erst kaufen müssen. Aber was weiß ich denn schon, schließlich bin ich kein Experte. Da hat sich das jahrelange Studium jedenfalls gelohnt für diesen einen Moment, in dem die Psychologin im TV den Leuten etwas von großen Scheißhaufen erzählen kann und dabei betroffen, ernst und wissend, fast schon klug, in die Kamera blicken konnte.

Auch andere Experten haben sich zu Wort gemeldet, z.B. ein älterer Herr, der vor einem Bücherregal sitzt und erklärt, dass er etwas Bemerkenswertes entdeckt hat. Quasi eine besondere Entdeckung gemacht hat. Und zwar ist ihm aufgefallen, dass die Medien oft von 18 Monaten sprechen. Also dieser Zustand der Einschränkungen soll noch 18 Monate andauern usw. Das hat er gehört und gelesen. Erst war ihm das ein Rätsel, doch dann wurde alles klar, denn in 18 Monaten wird in Deutschland gewählt. Deshalb soll die Krise so lange hinausgezögert werden. Für wen das gut ist und warum das gut ist, konnte ich leider nicht verstehen, aber vermutlich für die derzeitige Regierung. Möglicherweise ist Corona gut für die Wiederwahl. Die anderen Länder machen natürlich auch mit, weil alle wollen, dass Merkel wiedergewählt wird. Oder auch jemand ganz anderes. Auf jeden Fall erkennt der kluge Mensch rasch die Zusammenhänge, wenn er nur lange genug danach sucht. Denn ein Experte, der richtig sucht, der (er)findet schon etwas. Auch wenn es für Laien und Nicht-Experten etwas fragwürdig erscheint.

In einem Video, das mir kürzlich unnötigerweise zur Verfügung gestellt wurde, rennt ein scheinbar verwirrter Mann durch ein Gebäude, von dem er behauptet, es ist ein Krankenhaus in Berlin. Dort tut er geheimnisvoll und zeigt allen, dass fast niemand da ist. Keine Krise in Sicht, vielleicht schlafen aber auch alle oder er rennt ganz woanders herum. Ich kenne mich in Berliner Krankenhäusern nicht aus und weiß nicht, wie es da aussieht. Jedenfalls hat der mich voll berührt und auch irgendwie überzeugt, dass die Krise eine reine Verarsche ist. Ich bin im Nachhinein fast froh, dass mir das Video zur Verfügung gestellt wurde und der Mann sich für mich und die anderen Ahnungslosen in Gefahr begeben hat, um uns einen Überblick zu verschaffen.

Was Masken zum Schutz vor Viren angeht besteht auch irgendwie Uneinigkeit. Die einen Experten sagen so, die anderen so. Manche Menschen müssen Masken tragen, andere sollten es tun. Je nachdem, wo man wohnt. Vermutlich gibt es einfach nicht genügend Masken, um das Tragen von Masken Deutschlandweit anzuordnen oder das Virus schlägt in manchen Gegenden einfach stärker zu.

Für manchen Experten ist es zum Beispiel ein extremes Risiko auf einer Parkbank zu sitzen und ein Buch zu lesen, für andere ist es kein Problem gemeinsam im Baumarkt abzuhängen. Große Geschäfte dürfen nicht aufmachen, außer es sind Möbelgeschäfte. Zoos zu öffnen ist gefährlich, weil man da an der frischen Luft von umher wirbelnden Viren belästigt werden könnte. Auch die Tiere könnten so unnötig gefährdet oder gar infiziert werden. Möglicherweise experimentieren die Experten da gerade etwas mit uns herum, man weiß es noch nicht. Aber auch dazu werden irgendwelche Experten sich bald noch genauer äußern.

Ein weiteres Video, das mir unnötigerweise zur Verfügung gestellt wurde, spielt ebenfalls in Berlin. Vielleicht ist Berlin eine Art Hotspot für Corona-Videos. In dem Video ist eine nicht genehmigte Versammlung im Gange und ein irgendwie skurriler Kerl kommentiert das Geschehen und interviewt dann einen Mann, der, wie er sagt, von der Bild-Zeitung beschuldigt wurde ein russischer Spion zu sein, oder so ähnlich, was ihn irgendwie amüsiert. Zugleich ist dieser kauzige Kerl ein Mitinitiator dieser nicht genehmigten Versammlung, wie der Mann mit dem Mikrofon sagt. Das Video der beiden ist leider wenig erbaulich und man bekommt schon arge Bedenken, was nur aus der Menschheit geworden ist und was noch werden soll. Am Ende des Videos brüllt jemand “Wer Freiheit gibt für Sicherheit, verliert am Ende alles zwei!”. Das ist aber kein Experte, sondern möglicherweise ein verwirrter Mann, der seine Tabletten nicht genommen hat. Doch auch da kann ich mich irren, weil Experten und Laien oft nur schwer zu unterscheiden sind. Es sind diese Schicksale, die mich immer mehr an Corona zweifeln lassen. Vielleicht ist doch alles nur eine große Verarsche, um einen Impfstoff zu verkaufen, den am Ende gar keiner braucht. Am Ende des Videos klatschen Menschen rhythmisch, weil sie vermutlich nicht an Corona glauben. Trotzdem halten sie einen gewissen Abstand zueinander und manche tragen sogar einen Mundschutz, weil man sich ja nicht unnötig mit so Virenzeugs anstecken will. Ganz schön clever, dieser Hauch von Rebellion.

Viel Spaß bereiten mir auch so Verschwörungsexperten, die sicher sind, dass die Regierungen alles so geplant haben als sie das Virus verteilt haben. Denn wenn die Wirtschaft erstmal komplett am Boden ist, macht es doppelt Spaß alles wieder neu zu erschaffen. Der Beweis, dass es sich auf jeden Fall um eine Verschwörung handelt, steht kurz bevor. Es ist nur noch eine Frage, was eher bewiesen wird. Die Tatsache, dass es sich um eine Corona-Verschwörung handelt oder die Tatsache, dass die Erde doch eine Scheibe ist. Im Moment liegen die Freunde der Scheibe noch knapp vorne. Es soll sich nur noch um Minuten handeln, bis Beweise vorliegen, dass die Erde eine Scheibe ist. Erste Menschen sollen in Kürze vom Rand der Erdscheibe geworfen werden, um den letzten Beweis zu erbringen.

6 Kommentare on "Experten in Zeiten des Coronavirus"


  1. Der verwirrte Mann im Berliner Krankenhaus war Billy Six. Der kennt sich mit sowas aus, schließlich ist er staatlich geprüfter Verschwörungstheoretiker und -ptaktiker. Doof nur, dass er im falschen Gang im Krankenhaus gelandet ist, wo sowieso immer tote Hose ist.

    Aber Du hast Recht: momentan ist jeder sein eigener Experte und weiß alles besonders gut. Ob es um das CO2 geht, von dem man irgendwann halluziniert, wenn man seine Maske auch nur eine halbe Stunde auf der Nase hat (ich fürchte, manch einer spricht aus Erfahrung) oder darum, dass das ganze Virus ein Fake ist, weil man es nicht sehen kann.

    Zuerst hat mich sowas betroffen gemacht, jetzt belustigt es mich eher.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: