Emden Tag 4

Gegen 09.00 Uhr breche ich auf und renne direkt in die falsche Richtung. Ziel ist der Friedhof Tholenswehr und die umliegende Gegend. Irgendwann stehe ich auf einem kleinen Hügel von dem ein schmaler Pfad runter geht und mir nach meiner Schätzung eine Zeitersparnis von bis zu fünf Minuten bringt. Steil ist es nicht, aber meine Schuhe haben eine glatte Sohle und es hat zuletzt viel geregnet. Obwohl das Warnung genug sein sollte gehe ich los. Zwei Schritte später rutsche ich weg, kann aber an einer Baumwurzel nochmal zum stehen kommen. Zurück kann ich auf dem glatten Untergrund nun allerdings nicht mehr. Noch bevor ich mich bedauern oder weiter über den Unsinn, den ich hier treibe, nachdenken kann, geht es weiter. Wieder schaffe ich zwei Schritte bevor ich losrutsche. Bis unten den kleinen Hügel herunter zu rutschen wird mir nicht gelingen, ohne auf dem Rücken zu landen. Blitzschnell entscheide ich, dass ich nur dann eine kleine Chance habe, mich nicht auf dem Boden wiederzufinden, wenn ich laufe. Die Jacke liegt auf meinen Schaltern, in der Hand halte ich den Regenschirm und eine Flasche Wasser. Es sind nur wenige Schritte, doch schnell erreiche ich mein Höchsttempo. Fast bin ich am Ziel, ich muss nur noch zum Stehen kommen, ohne mich lang zu machen. Das Ende des Hügels ist erreicht kurz bevor ich die Kontrolle verliere. Ich verlangsame das Tempo, strauchle so gut wie gar nicht und versuche unverzüglich so lässig weiter zu gehen als wäre es das normalste der Welt den glitschigen Hügel runter gerannt zu sein. Ist es vermutlich auch, wenn man sieben bis zwölf Jahre alt ist, für fünfzigjährige eher nicht. Irgendwie fand ich es dennoch irgendwie geil, auch wenn ich kurzzeitig dachte, dass ich hinfallen werde, kurz im Dreck liege und total verdreckt zurück muss, während alle mich auslachen. Ob ich es wieder tun würde? Nicht an gleicher Stelle, aber woanders möglicherweise schon, denn in meinem Kopf bin ich noch ein Jugendlicher und Jugendliche können fast alles. Nur alleine Tretboot fahren mag ich einfach nicht.

Auf dem Rückweg von meinem Ausflug sehe ich eine Katze am Straßenrand und spreche sie an, obwohl ich das nicht mehr tun wollte, weil Katzen oft voller Zecken sind. Aber ich bin heute einen Hügel runter gerannt und die Katze ist so süß und putzig, da muss ich mich nicht an meine Regeln halten. Die Katze kommt sofort zu mir, lässt sich streicheln und auf den Rücken fallen. Kurze Zeit später steht sie auf und geht ihres Weges als hätte es mich nie gegeben. Wieso geht das mit Frauen eigentlich nicht auch so einfach?

Am Nachmittag setze ich mich tatsachlich in ein Eiscafé und bestelle einen kleinen Eierlikörbecher. Falls ich nicht mit Karte zahlen kann, habe ich sogar noch die Möglichkeit ein kleines Trinkgeld zu geben. Das Eis schmeckt prima und während ich es mir schmecken lasse, beobachte ich, dass die anderen Gäste ihre Adressen hinterlassen müssen. Ich finde es spannend, dass ich nicht aufgefordert werde es ihnen gleich zu tun. Soll mir recht sein, verstehe ich aber nicht. Zahlen kann ich, wie erwartet, nicht mit Karte. Eigentlich bin ich ja ein Freund der Barzahlung, aber nun ist mein Bargeld aufgebraucht. Ein Zustand, der mir nicht gefällt und auch nicht empfehlenswert erscheint. Irgendwann nach 17.00 Uhr fängt es an zu regnen und ich beobachte den Regen vom Appartement aus. 17,8 Kilometer habe ich heute geschafft. Damit kann ich durchaus zufrieden sein.

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